Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

ROMPC® im Verbund mit anderen Verfahren der Psychotherapie

Fragen und Antworten

Frage:
Wir haben bisher gedacht, dass ROMPC® sich mit den verschiedensten Methoden der Psychotherapie kombinieren lässt.
Indem sich ROMPC® nun zu einem eigenen Verfahren entwickelt, wir also ROMPC® in den Mittelpunkt stellen, sehe ich eher, dass Elemente verschiedener anderer Psychotherapieverfahren in ROMPC® enthalten sind.
Meine Frage an meine Kolleginnen und Kollegen ist nun: Was von euren Verfahren wie Verhaltens-, Gestalt- oder Hypnotherapie oder tiefenpsychologische Psychotherapie ist in ROMPC® bereits verankert, und wo seht Ihr den Unterschied? 
Ihr praktiziert Therapie jeden Tag und geht mit dieser Frage praktisch um. Ich möchte nun von euch wissen, wie ihr das beschreibt und anderen verständlich macht.
Heinz-Günter Andersch-Sattler

Antworten:
Lieber Heinz-Günter,
das von dir angesprochene Thema der Methodenintegration und die Reaktionen unserer Kolleginnen und Kollegen interessieren mich sehr. Ich habe lange in der Europäischen Gesellschaft für Integrative Psychotherapie mitgearbeitet. Gerade dieses Thema hat uns dort immer wieder beschäftigt.
Wenn wir Methodenintegration verstehen als Integration von Techniken, dann kann ich mir unschwer vorstellen, dass viele unserer ROMPC®-Behandlungstechniken und -Behandlungsrituale spielend Eingang in andere Verfahren finden und dort zu einer Erweiterung des therapeutischen Behandlungsspektrums beitragen. Ich denke da an unsere “Entkoppelungstechniken” und an Behandlungsrituale wie “Die offene Tür schließen” oder “Behandlung der Selbstallergie” etc. Sicher gehen viele unserer Ausbildungskandidaten mit dem, was sie bei uns gelernt haben, so um. Und das ist meines Erachtens
nach völlig legitim. Wir haben ja umgekehrt das Gleiche getan, wenn wir im Rahmen des ROMPC® Techniken des EFT, TFT, BSFF, EMDR, NLP sowie weitere körper- und hypno-therapeutische Techniken einbezogen und in unserem Sinne modifiziert haben und nutzen.
Wenn wir allerdings Methodenintegration auch auf Philosophie, Menschenbild, den ganzheitlichen Heilungsansatz und somit einen gesamten Orientierungsrahmen für das therapeutische Handeln beziehen, dann braucht es Meta-Modelle, die mehr bieten als eine Addition von Techniken. Solche Meta-Modelle sehen den Menschen in seiner aktuellen Gegenwart, seiner Geschichte und vor dem Hintergrund seiner ihn leitenden Visionen. Sie sehen den Menschen als Individuum sowie in seinen sozialen und systemischen Bezügen. Sie focussieren auf kognitive, emotionale, behaviorale, physiologische und spirituelle Wachstums- und Veränderungsprozesse.
Über mehr als 20 Jahre schienen mir in meiner Eigenschaft als Lehrender Transaktionsanalytiker die Meta-Modelle der Transaktionsanalyse, die für mich nach wie vor unverzichtbar sind, diesen integrativen Orientierungsrahmen zu bieten. Viele dieser Konzepte haben ich deshalb ins ROMPC® übernommen. Im Lichte der Neurobiologie müssen wir jedoch unseren integrativen Bezugsrahmen “neuro-psychotherapeutisch” erweitern. Und das schien mir innerhalb der theoretischen Begrenzungen des transaktionsanalytischen Bezugsrahmens nur schwer zu realisioeren. Ein Grund, weshalb wir ROMPC® entwickelt haben.
Wir arbeiten schließlich mit zwei (!) Hirnsystemen:
- Nämlich zum einen mit dem “Frontalhirn”, wenn wir nach den “Frontalhirn-geleiteten Schonhaltungen” unserer Klienten schauen und Alternativen des Denkens, Fühlens und Handelns mit ihnen entwickeln. Diese Schonhaltungen könnten wir auch traditionell mit Konzepten wie “Lebensskript”, “psychologischen Spiele”, “Widerstand”, “Selbstsabotagemuster”, “Kontaktvermeidungsstrategien”, “destruktive Selbsthypnose” etc. erklären und beschreiben.
- Zum anderen adressieren wir das “limbische System”, wenn wir die diesen Schonhaltungen zu Grunde liegenden limbischen Blockierungen auflösen. Wir gehen davon aus, dass beide Hirnsysteme miteinander vernetzt sind und das die limbischen Blockaden die Aktivierung der Frontalhirn-geleiteten Schonhaltungen provozieren. Umgekehrt führen Re-Inszenierungen, die den genannten Schonhaltungen entspringen dazu, dass ungelöste limbische Konflikte angetriggert werden. Daher ist es nur folgerichtig, in der Klientenbehandlung Lösungsprozesse in beiden Hirnsystemen anzustoßen.
Ich denke, gerade diese neuro-psychotherapeutische Klammer ist neben dem beziehungsorientierten Ansatz, den andere Verfahren mit Recht auch für sich in Anspruch nehmen, ein entscheidendes Plus des ROMPC®. Wenn wir also ROMPC® nicht nur als Technik, sondern als Verfahren begreifen, dann wird es meiner Ansicht nach schwer, diese Methode in ein anderes Verfahren zu integrieren. Es ist allerdings für mich sehr viel leichter vorstellbar, andere Methoden und Techniken ins ROMPC® zu integrieren. Und ich denke, da ist noch viel mehr möglich, als wir bisher tun. Es ist mir jedenfalls ein Anliegen, ROMPC® für andere Verfahren offen zu halten – jedenfalls so lange, wie sie dem dreifachen Wirkprinzip des ROMPC® dienlich sind:
1. Heilsame Beziehungen anbieten
2. Limbische Blockaden entkoppeln
3. Haltungs- und Handlungsalternativen entwickeln
Herzliche Grüße
Thomas Weil

Lieber Thomas,
danke für deine ausführliche Antwort auf meine Anregung. Ich freue mich, auch von dir zu hören, wie wichtig dir Erweiterungen von ROMPC® sind. Natürlich sollten diese nicht dem Geist und den Grundlagen von ROMPC® widersprechen.
Ich möchte an dieser Stelle kurz erläutern, wie ich zu meiner Frage an die Kollegen gekommen bin. Als ich ROMPC® kennenlernte, habe ich gleich gesehen und erspürt, dass damit systemisches Arbeiten ergänzt und vertieft werden kann. Mit der Zeit, als ich dann tiefer in die Möglichkeiten von ROMPC® eingedrungen bin, habe ich erkannt, dass nicht nur limbische Entkopplungen möglich sind, mit deren Hilfe das innere System so weit beruhigt werden kann, dass der Zugang zu den psychischen Ressourcen erhalten bleibt. Erst dann sind wir wieder halbwegs arbeitsfähig oder – wie ich gern sage – auf Arbeitstemperatur und nicht überhitzt. Darüber hinaus können Aspekte familientherapeutischer Arbeit zum Beipiel mit Hilfe der Introjekte und deren Bearbeitung auch in die Einzeltherapie integriert werden, so dass ROMPC® an dieser Stelle nicht nur offen ist gegenüber systemischen Vorgehensweisen, sondern diese bereits enthält. Das war und ist für mich faszinierend und deshalb haben wir diese systemischen Aspekte innerhalb von ROMPC® weiter entwickelt und vertieft.
Wie, das soll dem nun fast fertigen Aufsatz vorbehalten bleiben. Genauso weiß ich, dass und wie hypnotherapeutische Elemente in ROMPC® enthalten sind und tiefenpsychologische. Und – ich bin überzeugt – noch einiges mehr. Das macht ROMPC®für ich in der Tat zu einem Verfahren mit einem eigenen Charakter. 
Herzliche Grüße
Heinz-Günter Andersch-Sattler

Lieber Heinz-Günter,
ich bin Polarity-Therapeutin und arbeite mit ROMPC®.
Polarity ist eine “Körper-Therapie” mit den vier Säulen “Körperarbeit”, “Körperübungen”, “Ernährung” und “authentische Kommunikation”. In der “authentische Kommunikation” werden – als ein Aspekt unter vielen anderen – die drei Ebenen Denken, Fühlen und Spüren mit einbezogen (C.G. Jung, Freud, W. Reich). Starken Einfluss in die Polarity-Therapie haben die Forschungs-Ergebnisse von Steven Porges, Peter Levine, Gerald Hüther, Prof. Popp, Jaap van der Wal u.a.m.
Ziel der Therapie ist, dass die Selbstheilungskräfte der Klienten sich voll entfalten können und die Klienten ihre Freiheit zum Handeln wieder erlangen – sei dies im Körper (weniger Schmerz, mehr Beweglichkeit), in den Emotionen (nicht mehr negativen Emotionen ausgeliefert sein/Umgang damit) und in den Gedanken (Muster erkennen und lernen damit umzugehen resp. anzupassen/aufzulösen).
Übergeordnet zu den genannten vier Säulen wird grosser Wert auf die Achtsamkeit gegenüber dem Klienten gelegt. Nur so können wir garantieren, dass die Therapie massgeschneidert auf den Klienten zugeschnitten ist.
Wie du siehst, ist Polarity keine Psychotherapie. Gedanken/Emotionen/Körper können nicht von einander getrennt werden, sie stehen in direktem Bezug zueinander und beeinflussen sich gegenseitig. (Paracelsus: “Der Mensch ist was er denkt, fühlt und isst.” Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob ich zur gestellten Frage so antworten kann, wie du es erwartet hast. Mit Blick auf meinen beschriebenen Polarity-Hintergrund kann ich dir aber gerne mitteilen, wie ich ROMPC® momentan in meine therapeutische Arbeit integriere:
1. als eigenes Verfahren
2. zusätzlich zu Polarity, gezielt ausgesucht und hinein fliessen lassen in die Körpertherapie auf dem Behandlungstisch oder im Gespräch …
- in der Körperarbeit Körpersymptome begleiten mit Rhythmus (“rajas”=Bewegung des Körpers durch Polarity-Kontakte) und Gespräch
- zur Stärkung der Eigenverantwortung, d.h. eine weitere Variante von “Hausaufgaben” mitgeben zur Selbsthilfe/Selbstermächtigung (nebst z.B. Polarity-Yoga)
- zur Beschleunigung von Prozessen, falls eine Beschleunigung angebracht ist
- um Gedankenmühlen zu unterbrechen, damit schneller auf die ressourcierenden Ebenen gekommen wird.
- Beziehungs-Bedürfnisse der Klienten besser zu erkennen und gezielt darauf einzugehen
- um Vermeidungsstrategien zu erkennen und anzusprechen
- die Verzeihungs-Rituale des ROMPC® öffnen eine tiefere innere Schicht im Klienten
3. In Polarity integrierte ROMPC®-Teile: je nachdem vertikales und/oder horizontales ROMPC®.
- Emotional Freedom-Techniques, maßgeschneiderte Klopfsequenzen, induzierte Augenbewegungen, Trauma-Sequenzen, “Die offene Türe schliessen”, “Den inneren Chef stärken”, “Teamentwicklung mit dem inneren Team”.
Mit herzlichen Grüßen
Iris Schumacher

Liebe Iris,
danke für deinen Beitrag. Du schreibst, dass es sich bei Polarity um keine Psychotherapie handelt, sondern um eine Körpertherapie. Ich sehe allerdings, dass die Grenzen hier fließend sind. Da ich selber ausgebildet bin in Biodynamischer Psychologie und im Rahmen dieser Ausbildung auch gelernt habe, direkt am und mit dem Körper zu arbeiten, weiß ich, dass diese Arbeit am Körper direkten Einfluss auf die psychische Verfassung und auf die Lösung spezifischer Themen hat, die sonst blockiert sind. Ich gehe auch davon aus, dass alle Belastungen ihre Spuren am und im Körper hinterlassen haben. Wenn wir rein psychotherapeutisch arbeiten, hoffen wir, dass sich diese Arbeit auch auf den Körper auswirken wird. Das wird ganz deutlich an psychosomatischen Erkrankungen. Ich sehe ROMPC® auch als körperpsychotherapeutsiches Verfahren, das auch am Körper ansetzt, indem Atemarbeit ein Stück weit integriert wird, Arbeit mit dem Augenblock, wie wir es aus der Reichianischen Arbeit kennen, auf andere Weise angegangen und vertieft wird, die Rechts-Links-Verschaltung über Körperübungen intensiviert wird, etc. natürlich machst du noch mehr als das. Deine Darstellung macht das auch deutlich. Und ich finde es spannend, von einer Körpertherapeutin zu lesen, wie sie ROMPC® in ihre Arbeit integriert. Meine Frage an dich ist nun: Was hat sich in deiner Arbeit verändert, seit du ROMPC® gelernt und in deine Arbeit eingebaut hast?
Mit herzlichen Grüßen
Heinz-Günter Andersch-Sattler

Lieber Heinz-Günter,
meine Möglichkeiten mit Klienten zu arbeiten hat sich um ein sehr wertvolles Verfahren erweitert. Mit ROMPC® habe ich meine Fähigkeiten in der Prozess-Begleitung bereichert und vertieft.
Es ist schwierig, die Veränderung in Worte zu fassen. Bereits mit der Zusatzausbildung „authentische Kommunikation“ von Polarity besitze ich wertvolle Grundlagen, um Klienten im Gespräch zu begleiten.
Unter Punkt 2 in meinem vorhergehenden Mail habe ich einige Veränderungen erwähnt, z. B. Beschleunigung von Prozessen.
- Auf der Beziehungs-Ebene arbeite ich bewusster mit meinen Klienten, d.h. ich gehe gezielter auf ihre Beziehungs-Bedürfnisse ein.
- Ich wage, schwierigere Themen die sich zeigen anzusprechen.
- Meine Sicherheit im Umgang mit diesen Themen bildet auch für den Klienten einen sicheren Raum, in dem sich ein Prozess zeigen und durchlebt werden darf. (Spiegelneuronen-Effekt)
- Die Arbeit mit den Teilpersönlichkeiten, die Verzeihungsrituale und das Trouble Shooting eröffnen mir und den Klienten ganz neue Welten. Die belastenden, frontalhirn-gesteuerten Geschichten werden relativiert. Eine heilsame Versöhnung mit sich und der Umgebung kann stattfinden.
Zusammenfassend: Ein wundervolles neues Instrument das mir mehr Sicherheit auf der Beziehungs-Ebene gibt.
Herzliche Grüsse
Iris Schumacher

Liebe Iris,
die nochmalige Zusammenfassung und Akzentuierung macht sehr deutlich, was du von ROMPC® profitierst in deiner Arbeit. Damit machst du aus meiner Sicht auch Psychotherapie. Das heißt ja: Begleiter/Freund der Seele. Bei dir müsste man hinzufügen: und des Körpers.
Herzliche Grüße
Heinz-Günter Andersch-Sattler

Lieber Heinz-Günter,
ich arbeite seit vielen Jahren mit ROMPC®. Meine therapeutischen Wurzeln sind in der Biodynamischen Körperpsychotherapie und -Massage nach Gerda Boyesen. ROMPC® ist für mich eine wunderbare Ergänzung zur Körperpsychotherapie – ebenso, wie die Körperpsychotherapie eine wunderbare Ergänzung zum ROMPC® ist. Nach diesen Jahren der Anwendung sind beide Verfahren so miteinander verschmolzen, dass ich fast sagen könnte: ROMPC®, so wie ich es überwiegend anwende, ist biodynamisch – und wesentliche Aspekte der Biodynamik sind ROMPC®. Ich folge in meiner Arbeit im Wesentlichen dem inneren Prozess, das heißt, ich folge dem, was das Unbewusste frei gibt. Durch ROMPC® wird der Prozess erheblich beschleunigt, da sich während der Behandlung die miteinander verknüpften inneren Zusammenhänge schneller zeigen. Gleichzeitig werden die damit verbundenen “Ladungen”, also die aus der Vergangenheit stammenden Gefühle und Erinnerungen, sehr viel schneller abgebaut und sind dauerhaft entkoppelt.
Der Prozess wird leichter, die Gefahr einer Retraumatisierung ist erheblich geringer. Der beziehungsorientierte Aspekt des “Nach-Nährens” findet sich sowohl in der Biodynamik als auch im ROMPC. So wende ich zum Beispiel in bestimmten Phasen des inneren Prozesses gerne die biodynamische Massage an, da diese auf einer sehr frühen Ebene eine heilsame Beziehungserfahrung vermittelt.
Auch die Arbeit mit körpereigenen Entkoppelungsrelikten des ROMPC® ist der vegetotherapeutischen Arbeit, wie ich sie aus der Biodynamik kenne, sehr ähnlich.
Ich bin sehr froh, dass ich mit dieser Verbindung der Methoden arbeiten kann. Meine Arbeit ist dadurch reicher und leichter geworden – und noch erheblich effektiver.
Mit herzlichen Grüßen
Hanna Schütz