Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Die Selbstwahrnehmung des Klienten verbessern

Fragen ud Antworten

Frage:
"Ich nehme wahr, dass die Bezeichnung “man” oft, bei einer Klientin sogar fast ausschließlich, anstelle des Ausdrucks eigener Empfindungen benutzt wird.
Gehe ich richtig in der Vermutung, dass damit der eigenen Verantwortung für das Befinden ausgewichen wird, oder steht es eher für Widerstand?
Wie kann ich mittels ROMPC® eine Verbesserung der Selbstwahrnehmung unterstützen?"
Manja Paul

Antworten:
Liebe Manja,
zwar ist es umgangssprachlich sehr verbreitet, nicht per “ich”, sondern eher per “man” zu sprechen. Wenn diese Kommunikationsform bei deiner Klientin jedoch vor allem dann auftritt, wenn nach Gefühlen oder Empfindungen gefragt wird, dann erlaubt das natürlich den Rückschluss, dass damit der Verantwortung für das eigene Befinden ausgewichen wird. Und das ist per definitionem eine mögliche Form dessen, was traditionell als “psychologischer Widerstand” bezeichnet wird.
Dabei handelt es sich nicht um vorsätzliche Böswilligkeit deiner Klientin, sondern um ein Kommunikationsmuster, mit dessen Hilfe sie – wann auch immer – gelernt hat, sich zu schützen. Dieses Muster kann selbst entwickelt oder übernommen worden sein. Im letzteren Falle würde es sich nicht um ein eigenes sondern um eine introjiziertes Schutz- und Schonverhalten handeln.
Im Hintergrund dieses Vermeidungsmusters wird eine traumabesetzte “unerhörte Geschichte” anzunehmen sein, die davon weiß, dass emotionale Befindlichkeiten nicht gefahrlos mitgeteilt werden können. Diese unerhörte Geschichte ruft die limbische Angst davor auf den Plan, sich mit seinen Emotionen klar und eindeutig zu zeigen. Sie provoziert wiederum jenes Schutzmuster, das dazu geeignet ist, sich hinter einem unverfänglichen “Man” mit seinem eigenen “Ich” zu verstecken.
Es gibt viele Möglichkeiten, mit diesem sog. “Widerstand” umzugehen. Hierzu empfehle ich dir meinen älteren Artikel “Vom Umgang mit dem Widerstand des Klienten”, den du hier ansehen oder downloaden kannst.
Als ROMPC®-Therapeut gebe ich allerdings heute zuerst ent-ängstigenden Interventionen den Vorrang, die darauf abzielen, das verschreckte limbische System nachhaltig zu ent-stressen.Hier leisten die Entkoppelungstechniken des ROMPC® gute Dienste.
Wichtig wäre allerdings zunächst, dass du deine Klientin in einer verstehen-wollenden, zugewandten Art auf das von dir beobachtete Muster aufmerksam machst, um der zu Grunde liegenden Verletzungsgeschichte auf die Spur zu kommen. So wirst du den “archimedischen Punkt” finden, an dem du mit den Entkoppelungstechniken ansetzen kannst.
Nachdem du die unerhörte Geschichte entschlüsselt hast, solltest du natürlich im Sinne der Beziehungsorientiertheit des ROMPC® darauf achten, die Beziehung zu deiner Klientin “antithetisch” zu den verletzenden Beziehungserfahrungen zu gestalten, die die Herausbildung des Vermeidungsmusters provoziert haben. So kann sie in der therapeutischen Beziehung mit dir eine modellhafte Alternative erleben. Diese Erfahrung geht tiefer als kognitive Einsicht.
ch hoffe, dir weiter geholfen zu haben!
Mit herzlichen Grüßen
Thomas Weil

Liebe Manja,
ich kenne auch Klienten, die bevorzugt “man” benutzen. Ganz speziell denke ich an eine Borderline-Klientin. Bei ihr muss ich wirklich hartnäckig nach ihren Gefühlen fragen – sozusagen mit liebenswürdiger Penetranz. Manchmal wiederhole ich ihren Satz mit “man” und sage ihr dann, das es mich interessiert, was sie denn ganz persönlich empfindet. Ich denke, dass Menschen mit Selbstwertstörungen und vor allem Selbstablehnung oft große Schwierigkeiten haben, von ihren Gefühlen in der Ich – Form zu sprechen. Allein das immer wieder hinlenken zum Focus setzt schon einen Prozess in Gang. Ich staune immer wieder, wie so kleine Impulse in der Gesprächsführung und in der Beziehungsgestaltung Wirkung zeigen und Veränderungen anregen. Im Einzelfall habe ich auch die “Psychologische Umkehr” mit der Affirmation “Ich akzeptiere mich voll und ganz, auch wenn es mir Mühe macht, meine Gefühle mitzuteilen” (oder … Gefühle wahrzunehmen…) angeboten. Klappt eigentlich immer ganz super – probier mal aus!
Liebe Grüße
Annette Stoschek