Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

ROMPC® bei hirnorganischen Schädigungen

Fragen und Antworten

Frage:
“Kann man ROMPC® auch bei Patienten mit hirnorganischen Schädigungen anwenden?”

Franziska Müller

Antworten:
Hallo Frau Müller,
wenn es darum geht, ROMPC® für Patienten mit hirnorganischen Schädigungen zu nutzen, dann liegen hierzu bis jetzt leider noch nicht sehr viele Erfahrungen vor.
Ich möchte Sie allerdings auf die Beiträge meiner Kollegen Renate Neumann und Thomas Griebenow in unserem Fachartikel-Forum hinweisen. Beiden Autoren ist gelungen, auf anschauliche Weise deutlich zu machen, was ROMPC® gerade bei der genannten Patientengruppe zu leisten vermag:
- Thomas Griebenow, ROMPC® bei Apallikern
- Renate Neumann, ROMPC® bei Menschen mit geistiger Behinderung
- Thomas Griebenow, ROMPC® in der Palliativpflege
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Weil

Liebe Franziska Müller,
ich habe schon verschiedentlich mit Klienten gearbeitet, die hirnorganische Schäden hatten. An der Hirnschädigung an sich werden wir wohl mit ROMPC® allein nichts ändern können, wohl aber an den psychischen Folgen. Menschen nach einem Schlaganfall thematisierten oft ihre Trauer um den Verlust von Fähigkeiten, Angst vor Hilflosigkeit und Abhängigkeit, auch Angst vor Partnerverlust, weil das Gefühl präsent war, dem anderen nur noch zur Last zu fallen, Einsamkeit und soziale Isolation u. a. m. Allein das Bemühen, tiefgehend zu erfassen, was die Hirnschädigung für den Betroffenen seelisch bedeutet, wurde bisher mit großer Dankbarkeit bemerkt und angenommen. Auch Klopfakupunktur und ausgewählte Affirmationen zeigten eine sehr positive Wirkung. Bei Betroffenen, die auch sprachlich eingeschränkt waren, habe ich die positiven Sätze vereinfacht und aufgeschrieben, damit sie verinnerlicht werden können. Bei expressiven Entkopplungstechniken (z. B. wenn Wut thematisiert wurde) bemerkte ich bei diesen Klienten anfangs große Hemmungen, z. B. bei der Aufforderung, dem Ausatmen einen Ton zu geben und diesen intensiver werden zu lassen oder mit den intakten Gliedmaßen einen Rhythmus klopfen, stampfen…Meist kippte die eben noch erkennbare Wut irgendwann in Lachen um. Was bei Hirnschäden mitunter weniger funktioniert ist der Muskeltest. Gut machen sich Übungen aus der Kinesiologie, wie sie auch in ROMPC Anwendung finden – z. B. Überkreuzbewegungen, einer liegenden Acht mit den Augen folgen u.ä. – das trainiert ja die Gehirnfunktionen.
Bei geistig Behinderten geht es oft um Minderwertigkeitsgefühle, dem Tempo der Umgebung nicht nachkommen, sich überfordert fühlen, ganz häufig auch Benachteiligungsthemen, vermeintliche Ungerechtigkeiten, was dann Streit und Konflikte verursacht, Ängste, nicht geliebt zu sein… Hier arbeite ich viel mit Hypothesen und beobachte (wenn der Muskeltest nicht anwendbar ist) die Körperreaktionen oder vereinbare ja/nein Antworten im Sinne von stimmt oder stimmt nicht. Mit den ROMPC®-Techniken konnte ich bei diesem Klientel sehr schnell Erleichterung und Entspannung erreichen. Sehr beeindruckt hat mich mal ein Fall in einer Werkstatt für Behinderte Menschen – da wurde mir ein deutlich hirngeschädigter junger Mann vorgestellt, der durch aggressives Verhalten seinen Kollegen gegenüber wiederholt aufgefallen war. Der Mann “saß” auf einer ungehörten Geschichte, die er nicht formulieren – wahrscheinlich auch selbst nicht bewußt machen konnte. Seine Mutter war vor wenigen Jahren gestorben und seit dem hatte sich vieles für ihn verändert. Er hatte noch gar nicht aufgehört zu trauern, wollte verstehen, was da passiert ist, klebte in seiner Ambivalenz zwischen Wut und Traurigkeit und war damit konzentrativ voll und ganz beschäftigt, dass er sich von seiner Umgebung immer nur genervt fühlte und dann entsprechend mit Abwehr reagierte. Ich habe ihn mit Vermutungen konfrontiert, was ich glaube, wie er sich fühlen könnte. Er wurde in den Sitzungen immer zugewandter und aufmerksamer, nickte, wenn er sich verstanden fühlte und dann kamen oft auch Symptome wie Weinkrampf, Atemkapriolen, Unruhezustände – die habe ich mit Trauma-Klopf-Sequenzen behandelt. Er war danach immer deutlich erschöpft, aber ruhig und friedlich. Mit den Gruppenbetreuern vereinbarten wir Ruhezeiten, in denen er sich in einen ruhigen Raum zurückziehen konnte. Und wir probierten verschiedene Musikrichtungen aus, um herauszufinden, auf welchen Rhytmus er mit Entspannung reagiert. Ich denke, er konnte in relativ wenigen Sitzungen eine Menge Trauer und Hilflosigkeit ablegen.
Ähnliche Herangehensweisen habe ich auch bei Demenzkranken.
Bei Menschen mit exogen erworbenen Hirnschädigungen (z. B. nach einem Unfall oder durch exzessiven Drogenkonsum) nutze ich ROMPC® fast rituell für die Konzentrationsförderung – Wasser trinken, Klopfakupunktur an möglichst vielen Punkten, liegende Achten, Überkreuzbewegungen und Atemübungen.
Also, ich mag Dich ermutigen, ROMPC® bei Hirnschädigungen zu nutzen – es ist aus meiner Sicht eine riesen Chance für die Betroffenen, kleine Veränderungen unmittelbar zu erleben und die Hoffnung nicht zu verlieren!
Liebe Grüße
Annette Stoschek

Liebe Franziska Müller,
ich arbeite schon sehr lange mit Menschen, die eine Hirnschädigung – meist von Geburt an – haben. Oft ist auch die verbale Kommunikation beeinträchtigt und Verhaltensauffälligkeiten werden oft von der Umgebung thematisiert und deshalb erfolgt die Vorstellung bei uns. Mitunter können die dominierenden Gefühlszustände/ Probleme nach ein – zwei Sitzungen näherer gefasst . …oder vermutet werden.
Ich benutze die gleichen Rituale wie bei “normalen” Klienten und habe gute Erfahrungen gemacht und Erfolge erlebt, die ich bevor ich mit ROMPC® gearbeitet habe, nicht so schnell und effektiv leisten konnte. Das Problem “hirngeschädigt” zu sein ist nicht das Problem. Also nur Mut. Neben dem Klopfritualen tut den Klienten auch die Beziehung, “das Gegenüber” gut…. und insofern gesehen, kannst Du Dir auch Zeit lassen zu “testen”, zu probieren. Ich möchte die Methode des ROMPC® jedenfalls nicht mehr in meinem Methodeninventar missen.
Viel Erfolg wünscht Dir
Renate Neumann