Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Amnesie nach Unfall

Fragen und Antworten

Frage:
“Ich behandle derzeit einen Patienten, der bereits vor acht Jahren einen schweren Bergunfall hatte. Durch seinen Sturz hat er sich schwere körperliche Behinderungen zugezogen: Laufen ist nur mit Stöcken möglich. Ansonsten sitzt er im Rollstuhl. Aber was für diesen Patienten das Schlimmste ist: Er leidet unter anhaltender Amnesie.
Das heißt: er kann sich nicht mehr erinnern, was vor dem Unfall war. Lesen und Schreiben ist noch möglich, aber auf das, was er in früheren Ausbildungen gelernt hat, hat er keinen Zugriff mehr.
Kann ich mit ROMPC® Resultate erwarten?
Und worauf muss ich achten?”
Elisabeth Erb

Antworten:
Liebe Elisabeth,
es ist natürlich schwer, für einen Patienten, den ich nicht persönlich kenne, aus der Ferne therapieplanerische Überlegungen anzustellen. Gleichwohl habe ich im Blick auf deine Frage in paar grundsätzliche Gedanken, die ich dir gerne zur Verfügung stellen will.
Vor jeder psychotherapeutischen Intervention sollte durch einen neurologischen Facharzt abgeklärt werden, ob bzw. inwieweit die amnestischen Ausfallserscheinungen deines Patienten möglicherweise als Folge hirnorganischer Läsionen zu werten sind. In diesem Falle müsste primär eine medizinische Behandlung erfolgen. Schlimmstenfalls würde dies auch bedeuten, dass die durch hirnphysiologische Schädigungen verloren gegangenen Gedächtnisinhalte ganz oder teilweise für immer verloren bleiben. Das heißt: vom Patienten ggf. neu gelernt werden müssten.
In diesem “worst case” würde sich eine ROMPC®-Behandlung darauf beschränken, den Patienten in seinem Trauerprozess über den erlittenen Verlust zu unterstützen. Und zwar mit dem Ziel, die erfahrene Behinderung anzunehmen.
Es wäre deshalb konkret zu fragen, was es deinem Patienten schwer macht und womit er es sich schwer macht, seine Einschränkungen zu akzeptieren. Oft treten hierbei nicht eingestandene Gefühle von Ohnmacht, Verzweiflung, Angst, Wut, Scham und Schuld in den Vordergrund, die mit den ROMPC®-Entkoppelungstechniken und entsprechenden Affirmationen gelöst werden können. Ich denke dabei an Affirmationen wie: “Ich lasse meine Gefühle der Ohnmacht, Verzweiflung, Angst, Wut, Scham und Schuld zu. Aus allen Wurzeln heraus und aus der tiefsten Ursache des ganzen Problems heraus. Ich lasse sie zu, um sie jetzt los zu lassen.”
Das Thema “Selbstallergie erkennen und behandeln” wäre sicherlich auch zu beachten. Lies dazu mal meinen Artikel im Fachartikel-Forum - hier.
Sollte sich allerdings herausstellen, dass die Amnesie deines Patienten maßgeblich psychogener Natur ist, dann wird man annehmen können, dass er das Unfalltrauma noch immer nicht verarbeitet hat – was auch nicht gerade überraschend wäre. In diesem Fall kannst du davon ausgehen, dass innerhalb des limbischen Systems die Amygdala gewissermaßen noch immer unter Schock steht und die Datenzugriffe auf´s Langzeitgedächtnis innerhalb des Hippocampus blockiert sind.
Um diese Trauma-Blockade zu lösen, wäre es wichtig eine (egal welche) fragmentarische Komponente der Erinnerung deines Patienten an das Unfallgeschehen in den Focus zu nehmen und den Patienten mit entsprechenden Entkoppelungs-Interventionen des ROMPC® zu behandeln. Sollte dies wegen der Amnesie nicht möglich sein, startest du behandlungstechnisch mit dem Einstiegsthema “Meine Schwierigkeit, mich zu erinnern”.
In dem Maße wie die oberen Schichten der limbischen Blockade gelöst werden, kommen voraussichtlich weitere Facetten des horror-besetzten Ereignisses zum Vorschein, die du dann Schritt für Schritt analog aufnimmst, um sie mit ROMPC® zu behandeln. Es kann gut sein, dass in diesem Zusammenhang starke negative Emotionen hoch kommen, die dein Patient bis dato zurück gehalten hat. Mit diesen emotionalen “Abreaktionen” gilt es, behutsam umzugehen. Das heißt: den Patienten weder bedrängen noch bewerten, sondern einfühlsam und beziehungsvoll das aufnehmen, was auch immer kommt. Was hier heilt, ist zu allererst die Beziehung!
Wenn die negativen Emotionen zu heftig werden, nutze die Stabilisierungstechniken des “horizontalen ROMPC®” sowie “Screening-Techniken” und die Imagination eines “sicheren Ortes”.
Ich hoffe, dir ein paar Anregungen gegeben zu haben, die dir und deinem Patienten weiter helfen.
Mit herzlichen Grüßen
Thomas Weil

Liebe Elisabeth Erb,
den vorgestellten Therapieplan von Thomas Weil finde ich ganz ausgezeichnet, ich habe zwei Ergänzungen dazu, die vielleicht noch hilfreich sein könnten:
Manchmal ist es ja auch gut, bestimmte Dinge nicht mehr erinnern zu müssen oder bestimmte Fähigkeiten nicht mehr zu können.
Alles hat immer zwei Seiten und vielleicht gibt es auch einen sekundären Krankheitsgewinn in diesem Fall, der, wenn er nicht ausreichend Beachtung findet, die Behandlung blockieren kann.
Vielleicht macht es Sinn, vorsichtig nachzufragen, ob es auch gut sein, bestimmte Dinge nicht mehr erinnern zu müssen.
Kurz gesagt: Was ist das Gute am Schlechten: Oder was ist gut daran, dass der Klient manche Dinge nicht mehr weiß oder kann.
Oft lösen derartige Fragen ja erst einmal Abwehr bei unseren Klienten aus und sie äußern, dass es nur schlecht ist und dass sie gar nichts gutes daran finden können. Bei näherer Betrachtung sehen sie dann aber doch oft auch die andere Seite der Medaille und das kann sehr entlastend sein. Die gewonnene Erkenntnis kann dann mit ROMPC® behandelt werden. Psychologische Umkehr z. B. : „Ich liebe und akzeptiere mich voll und ganz, auch wenn ich froh bin, dass ich manche Dinge nicht mehr kann und dadurch weniger Verantwortung tragen muss.“ Entkoppelt werden kann dann zum Beispiel mit dem Satz: „Meine Last mit der Verantwortung.“
Wenn die Fähigkeiten auf Grund zu starker organischer Schädigungen nicht mehr hirnorganisch in den selben Bereichen reaktiviert werden kann, können aber andere Hirnareale dies oft hervorragend übernehmen. Ich erzähle solchen Klienten dann z. B. dass ich vor vielen Jahren einen Jungen in Behandlung hatte, bei dem mit 14 aufgrund eines Autounfalls festgestellt wurde, dass er wohl schon von Geburt an eine so große Blase im Kopf hat, dass nur knapp die Hälfte des normalen Gehirnvolumens vorhanden war. Der Junge war völlig normal entwickelt, ging zum Gymnasium und hatte keinerlei Probleme. Ohne den Unfall wüsste wahrscheinlich immer noch niemand, dass er viel weniger Hirnmasse hat, als üblich. Die verbleibenden Hirnbereiche haben alle Aufgaben vollständig übernommen.
Das kann Ihrem Klienten vielleicht Mut machen, darauf zu vertrauen, dass die verbleibenden Hirnteile die Arbeit intensivieren können.
ROMPC®-technisch würde ich es behandeln, mit z. B. Psychologische Umkehr: „Ich liebe und akzeptiere mich voll und ganz, auch mit meinem Zweifel, dass ich die Dinge wieder neu lernen kann.“ Und entkoppeln mit: "Mein Zweifel …."
Dann noch Klopfen auf Thymusdrüse mit den Sätzen: "Ich erlaube mir jetzt, alle Dinge wieder leicht zu lernen , Ich habe jetzt das Recht alle Dinge wieder leicht zu lernen…. Ich will alle Dinge wieder leicht lernen. und ich werde es jetzt es genießen alle Dinge wieder leicht zu lernen."
Mit freundlichen Grüßen
Petra Franz