Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Weshalb leisten Klienten Widerstand?

Fragen und Antworten

Frage:
“In der Therapie habe ich immer wieder mit dem Phänomen zu tun, dass Klienten Widerstand leisten. Sie leisten Widerstand gegen die von Ihnen selbst angestrebten Veränderungen und stehen damit ihrer eigenen Therapie oft im Weg.
Wie erklärt sich ROMPC® dieses Phänomen?
Und was kann man mit ROMPC® hier tun?”
Ernst Uffelmann

Antwort:
Lieber Herr Uffelman,
Therapie hat das persönliche Wachstum und die Veränderung von Klienten zum Ziel. Gegenüber seinen Wachstums- und Veränderungsprozessen leistet der Klient gewöhnlich "Widerstand", auch wenn er Hilfe zuvor von uns gewünscht und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ausdrücklich erklärt hat. Weil er die Therapie auch als potenzielle Bedrohung seines gewohnten und in der Vergangenheit bewährten Überlebenssystems erlebt und weil er seine innere Homöostase gefährdet sieht, deshalb leistet er Widerstand. Dieser Vorgang ist ein normales Phänomen und gehört unverzichtbar zum therapeutischen “Geschäft” dazu.
Aus diesem Grund repräsentiert sich für mich im sog. Widerstand stets der Überlebenswille des Klienten: Indem er Widerstand leistet, setzt er das fort, was ihm allen lebensbehindernden und lebensbedrohlichen Einflüssen und Erfahrungen zum Trotz in der Vergangenheit zur Sicherung seines Überlebens hilfreich gewesen ist. Widerstand ist deshalb die beste Wahl unter den Möglichkeiten, die der Klient glaubt, zur Verfügung zu haben.
Im Widerstand gegen Veränderung lässt sich der Klient von seinen trauma- und/oder verletzungsbedingten, frontalhirngeleiteten Schonhaltungen leiten und folgt seinen Schutz- und Schonmustern, die er entwickelt hat, um getreu dem Wahlspruch “gebranntes Kind scheut das Feuer” erneuten Traumatisierungen aus dem Weg zu gehen. Diese Verhinderungs- und Selbstsabotagemuster, die sich heute als scheinbare Hindernisse im Fortschreiten der Therapie auswirken, müssen erkannt und gewertschätzt werden. Sie konfrontierend herabzuwürdigen, lässt die Abwehr- und Widerstandsmauern des Klienten in der Regel erstarken. Hierzu habe ich bereits 1984 einen Aufsatz veröffentlicht, in dem ich auf die Vorzüge der aus der Hypnotherapie Milton H. Ericksons abgeleiteten “Utilisationsmethode” verwiesen habe, der ich gegenüber konfrontierenden Interventionen im Umgang mit dem Widerstand von Klienten eher den Vorzug gebe.
Der Aufsatz heißt: “Vom Umgang mit dem Widerstand des Klienten in der Therapie. Ein Beitrag zu einem psychoanalytischen Konzept aus der Sicht der Transaktionsanalyse”. Sie finden den Aufsatz hier.
Als ich diesen Artikel 1984 veröffentlichte, waren mir die Konzepte des ROMPC®, mit denen ich heute arbeite, unbekannt. Deshalb füge ich meinen damaligen Ausführungen heute ergänzend hinzu: Der Klient leistet Widerstand, weil er Angst hat.
Dabei spielt es keine Rolle, ob er sie spürt und sich eingesteht oder nicht. Diese Angst ist die Folge einer limbischen Alarmreaktion. Konkret: Innerhalb seines limbischen Systems ist die Amygdala durch Aspekte der therapeutisch angestrebten Veränderung bzw. deren Folgen derart “angetriggert”, dass ein starker innerer Stress ausgelöst wird, der es ratsam erscheinen lässt, von der geplanten Veränderung erst einmal Abstand zu nehmen.
Wenn Amygdala angetriggert wird, dann liegt diesem den Widerstand provozierenden Phänomen eine eigene oder introjizierte (i.e. fremde) Verletzungserfahrung zu Grunde, von der sich das limbische System des Betreffenden bis dato noch nicht erholt hat. Wir können auch sagen: Im Widerstand teilt sich mosaiksteinhaft die “unerhörte Geschichte” mit, die darauf wartet, in der therapeutischen Beziehung ein angemessenes Gehör und ein angemessenes Echo zu finden.
Dieser unerhörten Geschichte auf die Spur zu kommen, sie zu entschlüsseln und durch “antithetische” (i.e. korrektive) Beziehungsangebote zu beantworten, ist meines Erachtens nach die vornehmste Aufgabe eines ROMPC®-Therapeuten, – jedenfalls dann, wenn der die heilsame Beziehungsorientiertheit, das “RO” dieser Methode ernst nimmt.
Darüber hinaus wirken wir mit unseren “Entkoppelungstechniken” ent-ängstigend, ent-stressend und ent-traumatisierend, wenn wir die dem Widerstand zu Grunde liegenden Ängste wahrnehmen, zum Thema machen und behandeln, anstatt sie durch den Anspruch, schnelle Verhaltensänderungen erzielen zu müssen, re-traumatisierend übergehen.
Abschließend möchte ich auch auf das charakteristische ROMPC®-Behandlungsritual “Behandlung der Psychologischen Umkehr” hinweisen, durch das wir als Intro vor jeder ROMPC®-Behandlung fundamentalen Widerständen gewissermaßen limbisch die Energie entziehen – und dies ohne zuvor über langwierige, einsichts-fördernde Frontalhirn-Interventionen den Klienten eines Besseren belehren zu müssen. Gerade dieses spezifische Behandlungsritual sorgt dafür, dass wir als ROMPC®-Anwender im Umgang mit dem Widerstand des Klienten vielfach eine Leichtigkeit erleben, die traditionelle Verfahren der Therapie oft vermissen ließen und lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Weil