Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Ist ROMPC® bei Zwangsstörungen hilfreich?

Fragen und Antworten

Frage:
“Liebe Kolleginnen und Kollegen,
seit längerer Zeit habe ich einen Patienten mit Zwangserkrankungen.
Entgegen allen sonstigen erfolgreichen Behandlungen mit ROMPC®, bessert sich die Zwangssymptomatik nach den Behandlungen immer nur kurzfristig für eins bis zwei Wochen. Danach tauchen die Zwänge wieder auf.
Hat jemand Erfahrungen auf diesem Gebiet und kann mir Anregungen geben?”
Herzliche Grüße
Petra Franz

Antworten:
Liebe Petra Franz,
ich arbeite seit einiger Zeit mit mehreren Patienten mit ausgeprägten Zwangsstörungen. und auch ich habe diese Erfahrung gemacht, daß die Zwänge eine starke Tendenz zur hartnäckigen Wiederkehr aufweisen. Hilfreich fand ich hier eine mehrspurige Vor gehensweise, die sich außerdem je nach Art des Zwangs unterscheidet. Bei Zwangshandlungen wie Waschen, ständiges Kontrollieren von Geräten etc ist der Leidensdruck oft groß, weil der Alltag schwer beeinträchtigt ist. Hier hat sich ein Dazwischenschalten von Entkopplungstechniken vor die Zwangshandlung bewährt, da es einerseits den unmittelbaren Angstdruck entschärft, der zur Zwangshandlung führt, und zugleich als Ritual die Zwangshandlung bestenfalls ersetzen, zumindest aber mit eingebaut werden kann. Dies ist jedoch nicht ausreichend. Das Thema hinter dem Zwang ist erfahrungsgemäß meist die tiefe Angst vor Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein, bzw. Kontrollverlust. Der zwang hat also hochgradige Schutzfunktion und muß als Wächter entsprechend respektiert und geachtet werden. Hier ist ein langsames, behutsames herantasten an die Traumawurzel erforderlich und ebenso behutsame Beziehungsarbeit, die eine Perspektive bietet, daß es überhaupt möglich ist, den Schutz des Zwages durch Vertrauen in der Beziehung zu ersetzen. Auf dieser Ebene braucht die Arbeit Zeit und Geduld.
Wenn es sich eher um Zwangsgedanken als um Handlungen dreht, habe ich gute Erfahrungen mit Hypno-Methoden gemacht. In der HypnoTrance ist es mölich, den unerbittlichen Wächter Zwang gleichzeitig zu würdigen und zu “unterlaufen” durch beiläufiges Einstreuen von Gegesätzlichkeiten und scheinbare Unmöglichkeiten wie z.B. “perfekte Kontrolle bei zugleich tiefter Enspannung”. Es ist wie ein Umprogrammieren des Zwangsgedankenprogrammes, wobei es auch hier parallel um das Annähern an die Traumwurzel, die ursächliche Angst geht. Ein weiterer Ansatz ist das Dissoziieren von Gedanken und Emotion, sprich von dem Gefühl der Angst und den damit assoziierten Gedanken und Gruselphantasien. Dabei kann es hilfreich sein, schrittweise das Fühlen und Erfahren der Körpermpfindung der Angst zu ermutigen durch Fokussieren der Aiufmerksamkeit auf die Körperempfindung, weg von den Gedanken.
Soweit ein paar Erfahrungen dazu von mir – mich würden mehr Beiträge zu diesem Thema interessieren.
Herzliche Grüße
Eva Sattler

Liebe Petra,
Patienten mit Zwangsstörungen stellen meiner Erfahrung nach eine besondere Herausforderung für den Therapeuten dar. Der innere Druck, unter dem diese Patienten gewöhnlich stehen, provoziert – gegenübertragungsanalytisch betrachtet – bei den meisten Behandlern früher oder später ebenfalls eine unangenehme Druckreaktion: nämlich wachsenden inneren Druck, etwas machen zu müssen, um den Patienten von seiner lästigen Zwangssymptomatik zu befreien. Der wachsende Druck und die steigende Ungeduld in uns selbst als Therapeuten ist meines Erachtens nach meistens das größte Problem bei der Behandlung von Zwangskranken.
Wenn es uns nicht gelingt (z. B. durch eigene Selbstbehandlung mit ROMPC®), uns als Professionals von diesem übernommenen Druck und der Ungeduld zu befreien und zur eigenen Gelassenheit zu gelangen – auch und gerade was unsere therapeutische Dienstleistung betrifft, dann verbünden wir uns zwangsläufig auf unbewusstem Niveau mit den einstigen Elternfiguren dieser Patienten. Der Druck unter dem die Zwangskranken stehen, ist – beziehungsanalytisch betrachtet – in der Regel ein Reflex auf den Druck, dem die Betreffenden ausgesetzt waren und der jene “anale Fixierung” nahe legte, die wir eine Zwangsstörung nennen. Kurz: Mit unserem eigenen Druck verstärken wir im Sinne eines destruktiven Parallel-Prozesses jenen inneren Druck, unter dem der Zwangskranke schon immer stand. Und dann ist überhaupt nichts gewonnen.
In ihrem Beitrag hat Eva bereits auf die den Zwangsstörungen zu Grunde liegende Angst-Thematik hingewiesen. Beziehungsanalytisch wird man hierbei sicher davon ausgehen können, dass Zwangshandlungen einen kompensatorischen Versuch darstellen, erlittene Verunsicherungen (i.e. das frustrierte “Beziehungsbedürfnis nach Sicherheit”) auszugleichen und die damit verbundenen existentiellen Ängste zu kontrollieren: “Ich schaffe mir zwanghaft Sicherheit, weil ich zutiefst verunsichert bin / wurde.” Ent-ängstigende Interventionen in Gestalt der Entkoppelungstechniken des ROMPC® können dem Zwangskranken hier eine gewisse Erleichterung bringen.
Dennoch können wir bei Zwangskranken nicht auf kurzfristige Behandlungserfolge hoffen. Und das hat meines Erachtens nach einen Grund, der in der Besonderheit dieser Störung zu suchen ist: Zwangskranke sind aus der Bindung gefallene Kinder. Der Druck, die Ungeduld und die Beschämung, denen die Betreffenden meist ausgeliefert waren, haben das Vertrauen in tragfähige Bindungen destruiert. Noch einmal beziehungsanalytisch betrachtet: Das “Beziehungsbedürfnis nach Vergewisserung”, durch das allein Bindung aufgebaut und kontinuierlich gehalten wird, wurde zutiefst missachtet.
Wenn der Zwangskranke uns damit “nervt”, dass er uns nach kurzen therapeutischen “Erfolgen” immer wieder dieselben Zwangsbeschwerden präsentiert, dann teilt sich uns damit seine “unerhörte Geschichte” mit. Eine unerhörte Geschichte, die durch konsequente Wiederholung der wiederkehrenden Beschwerden nach Vergewisserung und Kontinuität geradezu schreit. Hier sind therapeutische Konfrontationen und Vorwürfe an die Adresse des Patienten, er sei angeblich im Widerstand, absolut kontra-indiziert, weil wir uns damit ebenfalls in einen destruktiven Parallel-Prozess begeben, der bindungszersetzende Wirkung hat.
“Antithetische Beziehungsgestaltung” im Sinne des ROMPC® bedeutet in diesem Zusammenhang: den beständigen Wiederholungsschleifen des Patienten geduldig, wohlwollend und kontinuierlich zu folgen, selbst wenn wir uns dabei in dem was wir sagen und tun, wiederholen. Vergewisserung lebt eben von kontinuierlicher Wiederholung. Und das allein schafft die Bindung, die der Patient zu uns braucht, um an uns genesen zu können. Das heißt: diese Vergewisserung braucht Zeit. Die Zeit, die wir dem zwangskranken Patienten schenken bzw. die wir ihm lassen ist meines Erachtens nach das beziehungsorientierte Therapeutikum schlechthin. ROMPC®-Therapeuten, die es da eilig haben oder die ihren eigenen Erfolg daran messen, schnell zum Ziel zu kommen, müssen bei Zwangskranken zwangsläufig scheitern.
Liebe Grüße
Thomas Weil

Hallo Eva, hallo Thomas,
vielen Dank für Eure hilfreichen Beiträge. Da ich selber einige Hypnotherapie-Fortbildungen absolviert habe, und mit dem Klienten auch schon hypnotherapeutisch gearbeitet habe, spricht mich die Idee mit der Wächter-Übung sehr an. Zur Zeit experimentiere ich damit, hypnotherapeutische Vorgehensweisen noch mehr mit ROMPC® zu verknüpfen und von daher bin ich sehr geapannt, was sich weiter entwickeln wird.
Viele Grüße
Petra Franz

Liebe Petra,
liebe Eva,
ich möchte Euch darauf aufmerksam machen, dass ich einen Artikel zum Thema in unserem Fach-Artikel-Forum eingestellt habe. Der Artikel heißt ”Hilfe, ich muss es immer wieder tun”: ROMPC® bei Zwängen”. Zu dem Artikel gelangt Ihr hier.
Mit herzlichen Grüßen
Thomas Weil