Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

ROMPC® bei Tourette-Syndrom

Fragen und Antworten

Frage:
“Guten Tag liebe KollegInnen,
seit kurzer Zeit arbeite ich mit einem Klienten mit Tourette-Syndrom. Der gut zu beobachtende “Tic” dieses Klienten ist das Kopfrucken.
Mir ist aufgefallen, dass der Klient, wenn er in Stress kommt, den “Tic” sehr viel mehr macht.
In der Folge ärgert er sich dann über sich selber oder er beginnt sich zu schämen, was nun den Stress weiter hochtreibt.
Von ärztlicher Seite wird der Klient mit Risperdal behandelt.
Ich möchte anfragen, ob jemand Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Tourette-Syndrom hat, ob ROMPC® in diesem Zusammenhang angewendet werden darf und wenn ja, was sich für Euch bewährt hat.”
Herzliche Grüsse 
Max Wälty

Antwort:
Lieber Max,
sicher gehört das sog. Tourette-Syndrom nicht zu den alltäglichsten Krankheitsbildern, die uns in unserer psychotherapeutischen Praxis begegnen. In meiner eigenen langjährigen therapeutischen Arbeit ist mir bisher nur einmal eine Patientin begegnet, die unter dieser Erkrankung litt. Deshalb kann ich für mich nicht in Anspruch nehmen, diesbezüglich über einschlägische therapeutische Erfahrung zu verfügen. Dennoch ist mir im Rückblick noch immer sehr eindrücklich, dass die Anti-Stress-Techniken des ROMPC® dazu geeignet waren, die Heftigkeit und Häufigkeit der Tics dieser Patientin signifikant abzusenken.
Bis heute ist das Tourette-Syndrom ein “Mysterium”: Es ist medizinisch völlig unklar, welche Ursachen für das genannte Krankheitsbild verantwortlich sind – auch wenn man davon ausgehen kann, dass eine Stoffwechselstörung im Gehirn mindestens maßgeblich beteiligt ist.
Auffallend ist jedoch, dass die Tourette-Symptome unter Stress erheblich zunehmen. Das erklärt, dass stress-reduzierende Interventionen den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.
Tourette-Patienten sind sich ihrer Tics bewusst und empfinden in hohem Maße Peinlichkeit, zumal sie viele Erfahrungen machen, in der Gesellschaft völlig verkannt zu werden. Viel und vergeblich versuchen diese Patienten sich und ihre Tics zu kontrollieren, um ihre Symptome in der Öffentlichkeit zu unterdrücken. Wegen des Misslingens ihrer eigenen Kontrolle sind die Tourette-Patienten oft sehr ärgerlich auf sich selbst.
Die gesteigerten Kontrollansprüche sowie die Selbstallergie, die mit dem Ärger auf sich selbst einher geht, und die Angst vor der Peinlichkeit müssen wir als ROMPC®-Behandler neben den allgemeinen stress-generierenden Faktoren besonders berücksichtigen, das heißt: in der Behandlung adressieren.
Darüber hinaus sollte den Tourette-Patienten im “Schutzraum” der Therapie – beziehungsorientiert betrachtet – ausdrücklich dazu Gelegenheit geboten werden, die Tics zuzulassen und uns gegenüber zum Ausdruck zu bringen.
Wenn wir die mit den Tics einhergehenden Körperreaktionen ROMPC®-mäßig außerdem so behandeln, als ob es sich dabei um körpereigene “Entkoppelungsrelikte” handeln würde, können wir zu einer erheblichen Reduktion der inneren Spannung dieser Patienten beitragen. Das heißt: wir erlauben ihnen nicht nur das sog “Abticen”; wir ermutigen sie sogar dazu.
Dass dein Patient Risperdal bekommt, ist für eine ROMPC®-Behandlung meines Erachtens unbedenklich, zumal es sich bei dem verabreichten Präparat um ein Neuroleptikum handelt, das bei dieser Störung gerne verordnet wird. Vergleiche hierzu unseren Artikel im Fachartikel-Forum “Ausbilder im Dialog: ROMPC® und Psychopharmaka”.
Mit ROMPC®-Behandlungstechniken wie “induzierte Augenbewegungen” und “induziertes Blinzeln” wäre ich allerdings zurückhaltend, weil Neuroleptika Motilitätsstörungen der Augenmuskulatur verursachen können, die gerade bei diesen beiden Behandlungstechniken für den Patienten völlig unnötigen, zusätzlichen Stress generieren können.
Mit herzlichen Grüßen
Thomas Weil

Hallo lieber Thomas
Wau!!! Deine Antwort auf meine Frage zum Tourette-Syndrom ist ja der Hammer.
Die Idee, den “Tic” als körpereigenes Entkoppelungsrelikt zu sehen, fasziniert mich. In Bezug darauf, den Klienten zum “Abticen” zu ermutigen war ich mir nicht sicher, ob damit die Eskalation nicht noch weiter angekurbelt wird. Es ist mir nun klar, dass sich gerade diese Intervention besonders dann eignet, wenn der innere Stress des Klienten so hoch ist, dass er kaum noch auf andere Ressourcen zugreifen kann.
Da ich als Berater tätig bin, also nicht Heilen als Auftrag habe, fühle ich mich durch Deine Antwort bestärkt, vor allem horizontales ROMPC® zur Stabilisierung anzuwenden und durch Ressourcenaufbau die Stressresistenz des Klienten zu stärken.
Herzlichen Dank und liebe Grüsse
Max Wälty