Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Ich kann doch nicht gleich wieder kündigen

Kündigung

Michaela hat bereits bei der Begrüßung Tränen in den Augen. Sie wirkt sehr angegriffen und entschuldigt sich sofort für ihr verweintes Gesicht.

Kaum im Beratungszimmer angekommen bricht sie in Tränen aus und braucht einige Minuten bis sie sprechen kann. Nach und nach erzählt sie die Einzelheiten ihres Dilemmas: vor vier Monaten sei sie mit Ihrem Mann und den beiden jugendlichen Töchtern wieder zurück nach Deutschland gekommen. Sie hatten zuvor gemeinsam 8 Jahre in Schweden gelebt, wo ihr Mann als Arzt gearbeitet hat. Im Ausland war sie Hausfrau und Mutter und sie hatte sich besonders auf ihre Rückkehr gefreut, weil sie gleich eine Stelle in einem großen Unternehmen im Übersetzungssekretariat antreten konnte. Die Arbeit als Dolmetscherin hatte ihr sehr gefehlt. Allerdings hatte sie ihre ehrenamtliche Arbeit in der Sozialstation der schwedischen Kleinstadt auch sehr lieb gewonnen. Der Kontakt zu den Menschen und die Dankbarkeit, die ihr entgegengebracht wurde, hatten sie sehr erfüllt.

Nun ist sie erschüttert darüber, welche Arbeitsatmosphäre sie in dem deutschen Großunternehmen angetroffen hat.

In dem Großraumbüro arbeiten neben ihr sechs weitere Übersetzerinnen. Diese sechs Frauen sind seit mehr oder weniger drei Jahren ein Team und verstehen sich offensichtlich untereinander sehr gut.

Michaela sagt, sie sei offen auf die neuen Kolleginnen zugegangen und habe versucht, sich der Mittagspausenrunde anzuschließen. Aber die Frauen hätten ihr keine Chance gegeben: in der Kaffee-Ecke verstummen die Gespräche, wenn sie dazu komme und wenn sie etwas frage, werde, wenn überhaupt, nur knapp geantwortet.

In der letzten Woche habe sich Michaela ein Herz gefasst und die Jüngste der Kolleginnen im Aufzug angesprochen. Wenigstens habe sie jetzt erfahren, dass die anderen sie für arrogant hielten und niemand etwas mit ihr zu tun haben wolle, weil sie sich so elegant kleide und mit so einem komischen Akzent spreche. Sie passe einfach nicht in die Abteilung.

Endgültig habe sie gestern die Verzweiflung gepackt, als der Chef der Exportabteilung sie mit einem übersetzten Dokument konfrontierte, das sie übersetzt hatte. Es enthielt unglaublich viele Fehler und falsche Formulierungen, die sie niemals so verfasst habe. Es müsse jemand das Dokument unter ihrem Namen auf dem Firmenserver manipuliert haben.

Michaela zittert vor Anspannung und scheint zu frieren. Was sie denn nun nur tun solle, ist ihre Frage an mich. Ihr Mann hat selbst eine neue Stelle angetreten, und sie sieht ihn im Moment kaum. Ihn mit ihren Sorgen zu belasten, das wage sie nicht, sagt sie. Und ihre Töchter müssten sich ebenfalls erst einmal wieder einleben und Freundschaften schließen, mit den beiden könne sie ihre Sorgen auch nicht teilen.

Aber einfach aufgeben und kündigen, das passe auch nicht zu ihr!

Eine wirklich belastende Situation: neben der notwendigen Anpassung an die neue Situation in ihrem Heimatland sieht sich Michaela einer belastenden innerbetrieblichen Gruppendynamik ausgesetzt.

Der beziehungsorientierte Ansatz der ROPMC®-Berater und -Coaches kann in diesem Fall helfen, die eigenen Ressourcen zu aktivieren, ...

  • um bei sich selbst zu bleiben,
  • um sich gegenüber äußeren feindlichen Aggressionen abzugrenzen und
  • um die eigene Selbstzweifel zu überwinden.

Susanne Kuckuk