Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Ich will doch nicht werden wie meine Mutter

Alkoholikerin

Mit diesem Satz platzt die extrem angespannt wirkende Frau als erstes heraus: „Ich will doch nicht werden wie meine Mutter!“ Brigitte ist 53 Jahre alt und lebt nach ihrer Scheidung vor rund 20 Jahren allein. Sie müsse ständig aufräumen, den Schreibtisch tip top halten und könne morgens das Haus nicht verlassen, bevor die Wohnung gesaugt und das Badezimmer geputzt ist. Diesen Aufräumtick habe sie von ihrer Mutter übernommen. Nun ertappe sie sich dabei, wie sie abends gern zu einem Glas Rotwein greift und manchmal auch zwei oder drei daraus werden. Irgendwann sei es ihr siedend heiß geworden, als ihr klar wurde, dass sie ihre Mutter ja nur als Alkoholikerin kennt.

Schon in Brigittes Kindheit hatte ihre Mutti mittags zum Essen Wein getrunken und den Rest des Tages damit weitergemacht. In ihrem Rausch putzte sie dann die Wohnung an immer den gleichen Stellen während der Rest der Wohnung im Chaos versank.

Seit jenem Abend ist Brigitte überzeugt davon, dass sie nicht nur ihren Putztick von ihrer Mutter geerbt hatte, sondern nun auch ganz sicher Alkoholikerin werde, wenn sie es nicht sogar schon sei. Ihre Gedanken drehen sich nur noch um diesen Satz: „Ich will doch nicht werden wie meine Mutter“.

Wenn sie einkaufen geht, denkt sie bereits vorher nach, welche Dinge sie auf ihren Einkaufszettel schreibt. Olivenöl kann sie unmöglich in ihrem Supermarkt an der Ecke kaufen. Das stehe ganz in der Nähe von den Likören und in deren Nähe dürfe sie besser nicht geraten, um ja nicht in die Versuchung zu kommen, welche zu kaufen. Eine Einladung zum Abendessen bei ihrer besten Freundin schlägt sie aus, weil es da immer einen Aperitif und Wein zum Essen gibt. In die Gefahr, mit Alkohol in Berührung zu kommen, will sie sich lieber gar nicht erst begeben. Mehr und mehr schränkt sie sich selbst ein. Diese selbst auferlegten Einschränkungen stören sie und auch Kollegen und Freunde sprechen sie auf ihre Verhaltensänderung hin an. Als sie in die Praxis kommt, ist sie extrem angespannt, ihre Mimik ist eingeschränkt und die Körperhaltung leicht gebückt.

In dem Bemühen, sich und der Welt zu beweisen, nicht so zu sein wie ihre Mutter, läuft Brigitte Gefahr, sich an das zu binden, was sie am meisten bekämpft – also so zu werden, wie ihre Mutter.

Durch ROMPC® gelingt es Brigitte, dieses Muster zu unterbrechen, sich auf gesunde Weise emotional von ihrer Mutter zu distanzieren und eine eigene Identität zu entwickeln.

Susanne Kuckuk