Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

"Manchmal ist alles zuviel" - Der hausgemachte Stress einer Mutter

Martina Erfurt-Weil

01.09.2007

Martina Erfurt-Weil

Worum geht´s?

Dieser Artikel zeigt, wie mit ROMPC® die von den eigenen Eltern übernommenen Belastungen und Traumatisierungen behandelt werden können und wie das Selbstbewusstsein gestärkt wird.

Eine alltägliche Situation

Wer kennt sie nicht: die innere Stimme, die uns immer wieder in Zweifel zieht. „Bist du eigentlich eine gute Mutter, wenn du die Kinder alleine lässt?“ – „Hast du heute schon genug gearbeitet?“ – „Warst du auch verständnisvoll genug?“ – „Wenn du so unzufrieden und launisch bist, wer soll dich dann lieb haben ?“

So oder ähnlich geht es in den inneren Dialogen zu. Wir fühlen uns wie in einem Gerichtssaal und fangen an, uns zu rechtfertigen und zu verteidigen. Doch zu einem friedlichen Gefühl in uns selbst kommt es kaum. Der innere Richter gibt selten Ruhe. Es sei denn, wir lenken uns mit viel Arbeit und Anstrengung ab. Dann haben wir gute Gründe, „ihm“ zu zeigen, dass wir und doch bis zum „geht nicht mehr“ angestrengt haben.

Praxisbeispiel

Tanja P, 32 Jahre alt, ist junge Mutter, verheiratet mit 2 Kindern von 4 und 7 Jahren. Sie hat eine halbe Stelle und arbeitet dort gerne. Sie und ihr Mann wechseln sich in der Kinderbetreuung ab. „Eigentlich ist alles, was ich mache, für sich genommen, schön“, sagt sie. „Die Kinder, unsere Familie, die Arbeit, mein Mann.“ – „Doch manchmal ist mir alles zu viel“.

Und sie beginnt zu erzählen, wie ihr Alltag aussieht. Vormittags sei sie an der Arbeit, dann komme sie nachhause, koche, versorge die Kinder, spiele mit ihnen usw. Sie könne sich ihre Unzufriedenheit nicht erklären. Doch wenn man ihr zuhört, ist sie oft am Seufzen und atmet hinter jedem Satz schwer ein. Wenn ich sie darauf anspreche und frage, ob sie sich zwischen den Terminen genügend Pausen gönne, zuckt sie mit den Schultern. Es wird deutlich, dass sie sich selbst unter Druck setzt, indem sie befürchtet, eine schlechte Mutter zu sein, wenn sie sich Ruhe gönnt. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass sie auf jeden Fall besser sein will als ihre eigene Mutter, deren Aufmerksamkeit sehr von der eigenen Krankheiten besetzt war.

Schlimmer allerdings als dieses Aufmerksamkeitsdefizit war für Tanja, dass ihre Mutter sie immer mit anderen Kindern verglichen habe, und sie als Tochter das Gefühl bekam, „so wie ich bin, bin ich nicht richtig, nicht gut genug.“ Das führte dazu, dass die Tochter für sich unglaublich hohe Maßstäbe entwickelte, um dann nach großen Anstrengungen immer wieder festzustellen: „ich kann es ihr doch nicht recht machen“.

Seltsamerweise hatte die Tanja die Unzufriedenheit ihrer Mutter in sich aufgenommen und zu ihrer eigenen gemacht. Anders gesagt, die verinnerlichte Mutter war offenbar mit sich selbst nicht zufrieden, wenn sie ständig an ihrer Tochter zweifelte. Dieser innere Konflikt hält bis heute an und wird immer dann reaktiviert, wenn sich Tanja in ihrer eigenen Mutterrolle in Frage stellt.

Mütter (und natürlich auch Väter) neigen dazu, ihre erzieherischen „Erfolge“ daran zu messen, inwieweit ihre Kinder ihren eigenen Maßstäben von guten, klugen, erfolgreichen und lieben Menschen entsprechen. – Auch weil sie sich in ihren Kindern spiegeln wollen und natürlich bemüht sind, eine soziale Akzeptanz zu bekommen.

Weichen Kinder allerdings von diesen Maßstäben ab - und das müssen zwangsläufig alle Kinder, weil sie ihr eigenes ICH entwickeln, fühlen sich die Eltern damit in Frage gestellt. Aus dem eigenen Selbstzweifel oder auch dem eigenen Gefangensein in diesen Maßstäben können sich Eltern häufig nicht selbst befreien, weil der Glaube, doch das Beste für ihr Kind zu wollen, die notwendige kritische Auseinandersetzung mit sich überschattet. Das führt dazu, dass sich im elterlichen Machtgefälle die Kinder ins Unrecht gesetzt fühlen, während das Elternprinzip immer Recht behält. Das Problem, welches die Eltern bearbeiten müssten, wird damit den Kindern zugeschoben, die es in ihrer Treuebindung an die Eltern nehmen und zu ihrem eigenen machen - in der Hoffnung, mit viel Mühe doch noch so geliebt zu werden, wie sie es brauchen. Damit schleppen die Kinder den „Rucksack“ ihrer Eltern ohne es zu merken mit sich herum und bemühen sich, ihre eigenen Interessen und die der Eltern unter „einen Hut“ zu bekommen - manchmal um den Preis der inneren Zerrissenheit bzw. der übernommen Unzufriedenheit.

Behandlung

Kommen wir zurück zu Tanja P., so haben wir mit ROMPC® zwei Möglichkeiten, diese Unzufriedenheit zu behandeln. Wir behandeln die von der Tochter „geschluckte“ Mutter und deren Unzufriedenheit, indem sich die Tochter in die Rolle der Mutter versetzt und nacherlebt, was Zufriedenheit als Mutter bedeuten kann und wie sehr ihre Tochter diese Zufriedenheit von ihr braucht („Introjekt-Behandlung“).Wir behandeln das Trauma der Tochter, die in ihrer eigenen Persönlichkeit nicht gesehen worden ist und deren Mühe um die Zufriedenheit der Mutter so erfolglos war (Behandlung des „inneren Kindes“).

Ich entscheide mich für die zweite Möglichkeit, weil es – antithetisch gesehen – heute an der Zeit ist, dass diese „nicht beachtete Tochter“ endlich die volle Aufmerksamkeit bekommt und in einem wohlwollenden, bejahenden und unterstützenden Mittelpunkt der Behandlung steht. Damit mache ich bewusst das, was ihre Mutter nicht konnte: ich schaue mir an, dass diese Tochter aus Liebe zu ihrer Mutter deren Unzufriedenheit zu ihrem eigenen Problem gemacht und damit einen fremden „Rucksack“ mitgeschleppt hat.

Bei den ersten ROMPC®-Sequenzen mit dem Klopfen auf alle Punkte (EFT) denkt Tanja P. an ihre Traurigkeit, mit anderen verglichen worden zu sein und Mutter nicht „glücklich“ gemacht zu haben. 
Mit dem Klopfen auf den Zeigefinger spricht sie Sätze der Selbstverzeihung aus, - nämlich dass sie aus Unkenntnis und Sehnsucht nach Liebe Mutters Problem zu ihrem eigenen gemacht hat, in der Hoffnung, dass dann, wenn sie „besser“ sei, beide endlich Frieden finden würden.

Mit dem Klopfen auf den Thymuspunkt gibt sie symbolisch und imaginativ in einem Paket die Unzufriedenheit an ihre Mutter zurück und stellt der Mutter gute Kräfte des inneren Friedens an die Seite. 
Tanja wählt in der Selbsterfahrungsgruppe eine Person aus, die für sie symbolisch die innere Zufriedenheit darstellt. Eine andere Person wird symbolisch als Mutter gewählt. Die Zufriedenheit stellt sie vor sich, d.h. zwischen sich und ihre Mutter. Dies gibt ihr Schutz und Selbstvertrauen auch im Alltag.

Reflexion

Das Problem, das ich hier behandelt habe, kann man auch als narzisstischen Lösungsweg bezeichnen. Das Kind wurde unbewusst dazu verführt, für die Zufriedenheit der Mutter verantwortlich zu sein, ja Macht zu haben, die Mutter zufrieden zu machen. Man könnte dies auch als das „ideale Kind“ bezeichnen. Das „reale Kind“ kann selbstverständlich diesem Anspruch nicht genügen und erfährt Enttäuschung in seinem Versuch, den überhöhten Anspruch doch noch erfüllen zu wollen. Es ist enttäuscht von sich selbst und erlebt in der Beziehung zur Mutter einen sogenannten doppelten „Bindungsbruch“ – und zwar dadurch, dass es nicht wahrgenommen wird und dass seine kindlichen Bemühungen für die Mutter nicht zählen.

Wenn wir in der Behandlung mit ROMPC® diese Verletzung lösen wollen, müssen wir das Kind unterstützen, sich von der Mutter unterscheiden zu dürfen, und zugleich seine Sehnsucht nach Geliebt-Werden und seine Mühe, Liebe zu schenken, anerkennen. Damit können wir langfristig den Selbstwert stärken.