Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

„Wenn die Lösung nicht genommen wird“ - ROMPC® in der Aufstellungsarbeit

Eva Sattler

24.01.2008

Eva Sattler 

Worum geht´s?

Durch Einsatz von ROMPC® in der Aufstellungsarbeit sind komplexere Aufstellungen möglich. In kurzer Zeit können auch komplexe emotionale Blockaden gelöst werden. Den Betroffenen fällt es leichter, Ressourcen anzunehmen bzw. auf vorhandene Ressourcen zurück zu greifen. Der Gefahr traumatischer Überflutung durch die Aufstellungsarbeit kann effektiv entgegen gewirkt werden.

Methodische Hintergrundaspekte

Wer mit Familienaufstellungen arbeitet, kennt diese schwer zu ertragenden Situationen, in denen eine Lösung scheinbar klar vor Augen liegt – zum Greifen nahe sozusagen – und kann dennoch nicht durchkommen. Der Aufstellende kann sie nicht annehmen, oder an einer anderen Stelle im System gibt es eine Blockade, die sich nicht lösen lässt. Wenn der Energiefluss im System unterbrochen ist, heißt dies, dass zwischen einzelnen Mitgliedern des Systems die Kommunikation abgerissen, gestört ist. Dies hat häufig mit einer traumabedingten Beeinträchtigung bei den entsprechenden Mitgliedern des Systems zu tun. In solchen Fällen speist sich die allgemein als Widerstand verstandene Energie aus spezifischen traumatischen Erfahrungen, die nur diese Reaktion zulassen.

Dieser sog. Widerstand führt häufig zum Abbruch der Aufstellung und unter Umständen sogar zu einer Re-Traumatisierung beim Klienten. Ein Abbruch der Aufstellung ist zwar eine Provokation, die heilsam sein kann. Ich-schwache Klienten sind aber oft nicht stabil genug, diese Erfahrung nutzbringend umzusetzen. Deshalb halte ich einen anderen Umgang mit dem sog. Widerstand des Klienten für sinnvoll und notwendig.

Es sei hier auch noch angemerkt, dass es in der systemischen Sichtweise eigentlich keine Widerstände gibt, die der Klient zu verantworten hat, sondern nur unzureichende Weisen des Umgangs mit diesen sog. Widerständen, also mit Verhaltensweisen, für die der Behandler bislang keinen sinnvollen und lösenden Umgang gefunden hat. In diesem Sinne wäre „Widerstand“ eine Umschreibung des Unvermögens des Behandlers.

Die Aufstellung macht das energetische Abbild sichtbar, das sich im Unbewussten der Person als Realität der Familienkonstellation verankert hat. Dieses Abbild stellt jene Störungen und Blockaden bildlich in den Raum, die im Inneren der Persönlichkeit wirksam sind, sich störend und hinderlich auf deren Leben auswirken und so einen Leidensdruck erzeugen, der die Person schließlich dazu bewegt, Unterstützung zu suchen. Natürlich bilden sich auch die fördernden Elemente des Familiensystems ab, die als Ressourcen genutzt werden können.

Krank machende Faktoren im Familiensystem 

Ein wesentliches Merkmal in der Familienaufstellung ist die Arbeit mit Grenzen der Subsysteme, d.h. Grenzen zwischen den Generationen. Störungen in diesem Sinne entstehen entweder durch zu rigide oder zu durchlässige Grenzen.

Rigide Grenzen führen zu Verletzungen der Beziehungsbedürfnisse der Einzelnen bis hin im Extremfall: zum Ausschluss des Einzelnen aus dem System (das System kann nicht verzeihen). Da im Sippengewissen (Hellinger) aber die Zugehörigkeit zum System an erster Stelle steht, muss für einen Ausschluss ein Ausgleich gefunden werden. Den übernimmt in der Regel ein Nachfolgender – sprich ein Kind.

Dem gegenüber führen zu durchlässigen Grenzen: alle Formen von Missbrauch - und zwar im energetischen / emotionalen und / oder körperlichen /s exuellen Sinn in allen möglichen Abstufungen. In diesen Fällen sind die Rollen und Funktionen innerhalb des Systems unklar: Die Tochter wird zur Mutter der Mutter und / oder zu Geliebten / Frau des Vaters o.ä. Die Generationsgrenzen werden verletzt. 

In der Sichtweise der Familienaufstellungs-Arbeit unterscheiden wir in diesem Rahmen bestimmte krankmachende Faktoren:

  • Leugnung der Zugehörigkeit
  • Verletzung der zeitlichen Reihenfolge in der Geschwisterfolge, der Partnerfolge, etc.
    „Lieber Ich als Du“ (Leugnung der Selbstverantwortung des anderen)
    „Ich folge dir nach“ (in den Tod / in schwere Krankheit)
    „Ich trage es für dich“ (Leugnung der eigenen Ohnmacht)
  • Angemaßte Schuld (Leugnung der geringeren Größe und Wegnahme der Verantwortung)
  • Persönliche traumatische Ereignisse

Die Magie des inneren Bildes

Die Aufstellung verhilft uns zu einer Verbildlichung, Darstellung des inneren Bildes vom System des Klienten über mehrere Generationen hinweg.

Wir haben uns als professionelle Aufsteller mittlerweile daran gewöhnt, mit der „unbegreiflichen“ Tatsache ganz normal umzugehen, dass hierbei detailliert genaue Informationen zugänglich werden, von denen der Repräsentant und oft auch der Aufstellende selbst keine Kenntnis haben konnte. Als Erklärung dieses eigentümlichen Phänomens beziehen wir uns hierbei auf die Eigenschaft des energetischen Feldes als Speicher von Informationen, die sich dem Bewusstsein von Einzelpersonen zum größten Teil entziehen. Das heißt: Meistens wissen wir mehr als wir wissen.

Wir sind bestrebt, in der Arbeit die Störungen und Blockaden zu lösen und zu beseitigen, die dem freien Fluss der Liebes- und Bindungs-Energie innerhalb des Familienfeldes entgegenstehen.

Das innere Bild der Familie, das in der Aufstellung im Außen manifestiert wird, entspricht gewissermaßen dem Bild der kosmischen Weltordnung des Aufstellenden. Mit Bild ist hier auch gemeint: Muster, gefühlsmäßige Verankerung, energetische Ladung. Dies sind die Kräfte des Unbewussten, die im Außen – gleichsam als Spiegelbild – immer wieder wirksam werden und die Realität des Betreffenden formen. Mit der Möglichkeit, das verzerrte innere Bild (Muster, energetische Ladung...) durch Blockade-lösende Interventionen im Familienfeld zu korrigieren und zu heilen kann der Betreffende ...

  • anerkennen, was war und ist,
  • in Frieden kommen mit dem, was war und ist und so seinen Platz im Ganzen einnehmen,
  • anstelle der alten, durch unbewusste Muster bestimmten Realität eine neue für ihn sinnvollere, weniger Kraft raubende Wirklichkeit erzeugen.

So weit, so gut.

Wenn wir „stecken bleiben …“

Nun machen wir als Aufsteller immer wieder die folgende Erfahrung: Wir glauben als Außenstehende das Defizit im System zu erkennen. Wir sehen welche Schritte nötig wären, um die Energie in Fluss zu bringen. Wir intervenieren entsprechend. Aber die Person, um die es geht (sei es der Aufstellende selbst oder ein Repräsentant im System) kann die Lösung nicht nehmen, kann unseren noch so genialen und feinfühligen Anweisungen nicht folgen, sich „ums Verrecken“ nicht verneigen oder den Seinen die Ehre erweisen, von der wir meinen, dass er sie den Seinen erweisen sollte. Da ist nun guter Rat teuer.

Wir wissen, wie schmal der Grat ist zwischen Vertrauen und Achtung vor dem „wissenden Feld“ und dem Versuch dieses zu manipulieren, und wir kennen den entsprechenden Ärger, wenn die Lösung, die uns vorschwebt, vom Klienten nicht angenommen werden kann.

Krank machende Faktoren aus der Sicht des ROMPC®

Als ROMPC®-Therapeuten arbeiten wir mit dem inneren System des Klienten, u.a. auf der Ebene des „Limbischen Systems“. Wir zielen darauf ab, traumabedingte Blockaden zu lösen – seien sie in der eigenen Lebensgeschichte erworben oder als fremde Traumatisierungen von anderen übernommen bzw. seien sie Traumatisierungen, die von den Betreffenden als fremd erlebt werden. Zu diesen fremden übernommenen Traumatisierungen zählen wir u.a. Introjekte, d.h. von Eltern oder nahen Bezugspersonen übernommene und verinnerlichte Traumatisierungen. Der Vollständigkeit halber seien hier alle krankmachenden Faktoren zusammengefasst, die aus der Sichtweise von ROMPC® unterschieden werden: 

  • Eigene lebensgeschichtliche Traumatisierungen
  • fremde, übernommene oder als fremd erlebte Traumatisierungen wie ...
    - Introjekte (gehören zu den Mehrgenerationenkonflikten in der Familienaufstellung)
    - Dissoziative Life States (frühe Abtrennung eigener traumatisierter Anteile)
    - Past Life States (ungelösten Konflikte, die subjektiv aus einem früheren Leben stammen)
    - Intrusive Life States („Fremd-Besetzung“)

Wie passt das in den Rahmen von Familienaufstellungen

Diese Faktoren finden in der Familientherapie ihre Entsprechung in den von Eltern übernommenen Belastungen, z.B. gemäß der Dynamik „lieber ich als du“ oder der sogenannten „angemaßten Schuld“. Wir können sagen, wo immer es in der Familiengeschichte zu einer Verstrickung infolge von Grenzverletzungen zwischen den Generationen gekommen ist, haben wir es mit einer Störung im energetischen Feld der Familie zu tun und somit einer Verzerrung des inneren Bildes in der betroffenen Person.

Die Verzerrung des inneren Bildes der Familien- (und somit der Welt-/kosmischen) Ordnung prägt sich ein ins Energiefeld der Einzelperson. Hierbei können eigene lebensgeschichtliche Traumatisierungen eine Rolle spielen. Das heißt: die eigenen Traumatisierungen fußen auf den übernommenen, sind eine Folge davon bzw. bestätigen die übernommenen Belastungen.

An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass wir hier den Begriff der Traumatisierung nicht nur im Sinne der klinischen Definition – d.h. der Voraussetzung schwerer Erschütterungen, Verluste oder Gewalterfahrungen – verwenden. Wir beziehen hier auch chronifizierte Minitraumatisierungen, die sogenannten „small-t-Traumata (Francine Shapiro) mit ein. In diesem Falle stellen wir bei der Aufstellungsarbeit immer wieder fest, dass diese belastenden Erfahrungen weiter im Familiensystem zurückreichende Ursachen haben. Häufig lässt sich beim Einzelnen in der eigenen Lebensgeschichte keine Traumatisierung aufspüren, die als Ursache für die Symptome in Frage käme. In diesem Fall würden wir in ROMPC®- Termini von „fremden übernommenen Traumatisierungen“ sprechen und in der Terminologie der Familienaufstellung hätten wir es z.B. zu tun mit einer „Identifizierung“, mit der Dynamik „Ich folge dir“ bzw. „Lieber ich als du“, oder mit „angemaßter Schuld“. Natürlich können diese Begriffe nicht 1:1 gegeneinander ausgetauscht werden, dennoch stellen wir eine ähnliche Basis fest.

Gibt es noch einen Ausweg?

Was uns an dieser Stelle besonders interessieren soll, ist die konkrete Anwendbarkeit von ROMPC® innerhalb der Arbeit des Familienstellens. In der Familienaufstellungsarbeit werden Störungsphänomene sichtbar gemacht und mit dem Gesicht konkreter Personen versehen. Genau an diesem Punkt, wo die abstrakte „Störung im Feld“ ein persönliches Gesicht bekommt, finden wir die Schnittstelle beider Arbeitsweisen. Denn auch innerhalb der Persönlichkeit die für den unterbrochenen Energie- bzw. Liebesfluss im System steht, findet sich ein aus Verstrickungsgeschichten entstandenes, verzerrtes inneres Bild des Systems.

Oft gelingt es uns, die konkrete Beziehungsstörung mit Hilfe der uns zur Verfügung stehenden Interventionen zu beheben – mitunter aber auch nicht. Dieses „Scheitern“ hat in der Regel damit zu tun, dass wir die aus persönlicher Geschichte bei der Person entstandene Blockade nicht erreichen, die zu dieser Beziehungsstörung geführt hat. Ein Vater beispielsweise, der den Satz „Du bist meine kleine Tochter“ vielleicht gerade noch über die Lippen bringt, aber nicht in der Lage ist, etwas dazu zu fühlen. Oder das Kind, das im Trotz gefangen bleibt „Jetzt ist es zu spät“. Solche „Verweigerung“ liegt nicht an der Gleichgültigkeit oder dem bösen Willen des Einzelnen, sondern an dessen Unvermögen, sich mit dem emotionalen Gehalt der Worte zu verbinden. Da Gefühle energetisch bekanntermaßen wirksamer sind als Worte und Gedanken, kann es ohne Gefühle/Emotionen keine wirkliche Blockadelösung und Harmonisierung im System geben.

„Switch“ in eine andere Sichtweise

In der Einzelperson findet die Blockade im System ein persönliches Abbild, nämlich im Limbischen System. Dies entzieht sich dem Bewusstsein der Einzelperson genauso, wie sich das persönliche Schicksal der Einzelperson der Bewusstheit, aber nicht dem Wissen des Systems entzogen hat. Damit finden die Vorgehensweisen von ROMPC® hier an jeder konkreten Person Anwendung, die für eine Störung im Energiefluss steht. Als ROMPC®-Therapeuten sind wir in der Lage, mit unseren diagnostischen Methoden (Evaluierung der therapeutischen Hypothese durch Muskeltest) und geeigneten Interventionen (diverse Entkoppelungstechniken) unmittelbar am Limbischen System der betreffenden Person zu intervenieren, die für die Blockade im System steht. Dies funktioniert an der Person des Repräsentanten genauso wie bei allen anderen Interventionen in der Aufstellungsarbeit – da nämlich ROMPC® auf das energetische Feld abzielt und darauf einwirkt.

Beispiel

Jürgen (50) ist der Sohn eines erfolgreichen Top-Managers. Durch die Tätigkeit seines Vaters war die Familie ständig unterwegs, teilweise in den USA und anderswo im In- und Ausland, und er bekam seinen Vater selten zu Gesicht. Jürgen kam zur Aufstellung, weil er gerade wieder einen tiefen Karriereeinbruch hatte und seine Beziehung am Ende war. An seiner komplexen Aufstellungsarbeit soll uns hier nur der eine Aspekt interessieren: Es kam zu dem „klassischen“ Bild der unterbrochenen Hinbewegung, da der Sohn vor dem Vater stand (genauer gesagt kniete, um die Position des Kleinen einzunehmen) und die Arme nach dem Vater ausstrecken sollte. Er hatte extreme Widerstände dagegen, und erst die Behandlung eines eigenen lebensgeschichtlichen Trauma-Aspekts mit ROMPC® löste die Blockade, so dass er mit seinen ursprünglichen kindlichen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt kommen und seinem Bedürfnis nach dem Papa authentisch Ausdruck verleihen konnte.

Dies allerdings löste beim Vater eine Erstarrung aus. Der Stellvertreter des Vaters war nicht in der Lage, den geringsten emotionalen Impuls seinem Sohn gegenüber zu verspüren – außer einer gewissen Ablehnung. Und – auch wenn er als Stellvertreter dies nicht wollte – kamen ihm doch nur zynische Sprüche in den Sinn.

Für Jürgen, endlich in seiner Offenheit und somit Verletzbarkeit angekommen, kam dies einer Retraumatisierung gleich. Deshalb behandelten wir auch den Vater (repräsentiert durch seinen Stellvertreter) mit ROMPC®. Interessant hierbei war, dass es beim Vater genügte, eine einfache Behandlungssequenz durchzuführen, ohne vertikal dessen Traumawurzeln aufzuspüren, wie wir dies zuvor bei Jürgen getan hatten. Schlagartig konnte der Vater seine zynische Ablehnung gegenüber dem Sohn fallen lassen und diesen unter Tränen in die Arme nehmen. Für Jürgen war damit ein tiefer Heilungsprozess sinnlich erfahrbar, der den Anstoß zur Stabilisierung auch seines äußeren Lebens gab.

Fazit

Gestützt durch meine persönliche Erfahrung (ca. 15 Jahre in der Arbeit mit Familienaufstellungen, ca. 6 Jahre in der Arbeit mit ROMPC®, ca. 4 Jahre in der gezielten Koppelung beider Methoden) kann ich folgende Aussagen treffen: 
Durch Einsatz von ROMPC® in der Aufstellungsarbeit sind komplexere Aufstellungen möglich. In kurzer Zeit können auch komplexe emotionale Blockaden gelöst werden. Den Betroffenen fällt es leichter, Ressourcen anzunehmen bzw. auf vorhandene Ressourcen zurück zu greifen. Der Gefahr traumatischer Überflutung durch die Aufstellungsarbeit kann effektiv entgegen gewirkt werden.

Ein weiterer interessanter Faktor, den wir beobachtet haben, ist das Phänomen, dass emotionale Blockaden im System die Repräsentanten, die an dieser Stelle stehen, zwar oft vollständig lähmen können, dass die Blockade am Stellvertreter in der Aufstellungssituation jedoch oft ungleich leichter und schneller gelöst werden kann, als dies vergleichsweise in einer therapeutischen Einzelsitzung getan werden kann, in der mit den Patienten selber gearbeitet wird. Entscheidend ist, dass der Patient eine neue Erfahrung jenseits seiner inneren Blockaden machen kann. Dies ist dann nicht nur ein Heilungsbild, sondern emotional erfahrene Heilung.

Somit erweist sich gerade die Kombination beider Methoden als sinnvolle und fruchtbare Ergänzung.