Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Fallsupervision mit Hilfe von ROMPC® und Systemaufstellungen

Esther Weinz

29.01.2008

Esther Weinz 

Worum geht´s? 

Die Kombination von ROMPC® und Systemaufstellungen hat sich auch in der Supervisionsarbeit als fruchtbar erwiesen. Dieser Artikel beschreibt die Möglichkeiten eines gelungenen Prozesses in der Einzel- und Gruppensupervision für Supervisoren, die mit den Grundlagen von Systemaufstellungen und ROMPC® vertraut sind.

Hilfreiche Systeme

"Unser Getrenntsein ist Illusion; wir sind miteinander verwobene Teile des Ganzen; wir sind ein Gewässer, das sich bewegt und erinnert.cUnsere Wirklichkeit ist größer als du und ich und als alle Schiffe, die auf dem Gewässer segeln und als alle Gewässer, auf denen sie sich bewegen."

Quelle:
Gedichtstrophe von William James
zitiert aus: Ervin Laszlo
Bastei Lübbe Taschenbuch 2000

Wenn wir mit unseren KlientInnen im Coaching, in der Psychotherapie und im Training arbeiten, dann steigen wir ab dem ersten Moment der Begegnung in das System des Klienten mit ein. Ganz gleich wie hoch unsere Abstinenzansprüche sind. Gut ist, wenn wir uns darüber bewusst sind oder es werden.

Eine Möglichkeit der Klärung von Verwicklungen, Gegenübertragungen, Helfersyndromen, eigenen Bedürfnissen und Blockaden beim Klienten bietet die Supervision, bei der verschiedene Systeme Informationen liefern und Zugangsmöglichkeiten für Unterstützung bieten. 

Folgende Systeme haben sich in der Supervision als sehr hilfreich erwiesen: SystemaufstellungenIn einer Systemaufstellung werden Teile des Systems durch Stellvertreter (Menschen aus einer Gruppe oder Symbole/Platzhalter) dargestellt. Das Besondere und gleichzeitig das Geheimnis von Systemaufstellung ist, dass sie quasi die Brücke vom Sichtbaren und Bekannten zum Unsichtbaren herstellt.
(s. Karl-Heinz Rauscher, Weiterbildung in Systemaufstellungen, Glückshof Verlag 2003)

Eine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen, dass Informationen vom tatsächlichen Systemteil, z.B. einer nicht anwesenden Person aus dem Familiensystem in die Aufstellung einfließen, gibt es bisher nicht. Doch in jeder Aufstellung erleben wir diese Übertragungen aus den "unsichtbaren, wissenden, intelligenten Feldern".

Wie funktionieren Systemaufstellungen? - eine Hypothese

Der Wissenschaftler, Ervin Lazslo, Mitglied des Club of Budapest, erklärt, dass von über 70 % aller Energie, die im Raum/Universum vorhanden ist, nicht bekannt ist, welche Funktion diese Energie hat. Er nennt diese Energie das fünfte, unentdeckte, wieder vergessene Feld, das „Psi-Feld“ oder nach Rupert Sheldrake: das „morphische“ Feld. Dieses Energiefeld könnte Überträger von Informationen sein, die sich heute noch nicht messen lassen - und die uns oft genaue Hinweise geben, was im System fehlt oder unterdrückt ist, was ausgeklammert und abgespalten wurde. 
Wir erhalten somit Einblick in das Beziehungssystem (des Supervisanden und dessen Klienten) und das System des konkreten familiären und sozialen Umfeldes des Klienten und evtl. des Supervisanden. Und wir bilden gleichzeitig ein neues System mit Supervisor, Supervisand, evtl. der Gruppe und allen Systemen, die die einzelnen Menschen mit bringen.

ROMPC® nutzt folgende Systeme:

das Beziehungsfeld: 
der Supervisor tritt mit dem Supervisanden in eine - möglichst klare - Beziehung im körperlichen, seelischen und geistigen System. Der Supervisand sieht den Supervisor oft auch als Vorbild für seine eigene Arbeit.

das Meridiansystem der Traditionellen Chinesischen Medizin und der angewandten Kinesiologie:
Mittlerweile konnten Meridiane mit Infrarot-Kamera darstellt werden.das Körpersystem aller Beteiligten: Haltungen, Empfindungen und Gefühle geben durch Stellvertreter Hinweise auf die Probleme des Supervisanden und dessen Klienten.

Der Supervisionsablauf

Folgender praktische Ablauf der Supervision ist möglich:
Im einleitenden Gespräch lassen sich oft schon folgende Ausgangssituationen oder mögliche Probleme fassen:
- Supervisand (Therapeut/Coach) kann Situation des Klienten nicht nachvollziehen
- Supervisand spürt Blockaden des Klienten, konnte die Ursachen noch nicht erkennen
- Übertragungen des Klienten, die noch nicht fassbar sind
- Supervisand ist überfordert, kann sich nicht abgrenzen
- Supervisand ist in eine Gegenübertragung verstrickt
- Supervisand reagiert zu emotional auf den Klienten (Angst, Aggression ...)etc.

Durch Nutzung der Feldphänomene in einer anschließenden Diagnoseaufstellung kann der Supervisor Informationen über Haltung, Körperempfindungen und Gefühlshintergrund und damit über die Blockierungen erhalten. Der Supervisand hat die Möglichkeit Aspekte in der Arbeit mit seinem Klienten zu sehen, die bis jetzt verborgen waren. 

Die Testverfahren, die auch in ROMPC® angewandt werden wie kinesiologischer Muskeltest, Test mit dem Biotensor/Einhandrute, dem Diagnosefenster, Unterscheidung der horizontalen und vertikalen Ebene, Test der Funktionsfähigkeit der Chakren geben auch hier bei Bedarf Hinweise auf die Störungsebene.

Jetzt weiß der Supervisor um die Blockaden und behandelt die Stellvertreter, ausgehend von der Diagnoseaufstellung, mit den verschiedenen ROMPC®-Techniken.

Danach bittet er die Stellvertreter die Haltung und Position so zu verändern, dass sie sich richtig und gut im System fühlen und lässt sie aussprechen was passiert ist.

In der Regel hat sich das gesamte System verändert, auch wenn lediglich ein Repräsentant behandelt wurde. Nach meinen Erfahrungen werden die „guten Lösungen“ nach der Blockadebehandlung mit ROMPC® schneller und einfacher gefunden.

Fallsupervision in der Einzelsupervison

Supervisand (Therapeut/Coach) geht stellvertretend in die Rolle seines Klienten. Dabei haben sich für den Rollenwechsel Einzählen, Stuhlwechsel oder aufstehen und wieder setzen gut bewährt.

Dann klärt der Supervisor zuerst die Beziehung zwischen Klient und Supervisand und bearbeitet Störungen mit ROMPC®.

Folgende Fragen sind hilfreich:
- Wie nimmt der Klient seinen Therapeuten (Supervisanden) wahr?
- Was fehlt dem Klienten bei seinem Therapeuten?
- Was wollte der Klient dem Therapeuten schon immer mal anvertrauen?
- An wen erinnert der Therapeut den Klienten am meisten?

Auf der Körper- und Energieebene bietet sich jetzt ein Blockadecheck (s.o.) bei dem Supervisanden an, der sich ja noch in der Rolle seines Klienten befindet, sowie evtl. eine stellvertretende ROMPC®-Behandlung (Surrogat-Tapping).

Fallsupervision in einer Supervisions- oder Intervisionsgruppe

Nach der Darstellung seines Anliegens stellt der Supervisand sich selbst, seinen Klienten, evtl. andere relevante Personen und Strukturen mit Stellvertretern aus der Gruppe auf. 

Eine andere interessante Variante bietet, besonders für die Diagnose, die Aufstellung ohne vorherige Information der Gruppe durch den Supervisanden. Mit dem Supervisor wird ein Nummern- oder Zahlencode vereinbart. Die Stellvertreter werden durch den Supervisanden außerhalb des Feldes „inthronisiert“ und mit Person A, B oder C bezeichnet. Danach treten die Stellvertreter in ein zuvor bestimmtes Prozess-Feld ein, bewegen sich solange selbständig im Raum, verändern Abstand und Haltungen und drücken ihre Gefühle verbal oder nonverbal aus, bis sie den für sich im Moment passenden Standpunkt gefunden haben. Mit dieser Variante erhält der Supervisor eine Diagnosemöglichkeit, die ihre Information, ohne Trübung durch die Wissensbrille der Gruppenmitglieder, aus dem Feld bezieht.

In beiden Varianten werden die Stellvertreter, die sich noch an ihren Plätzen befinden, kurz befragt und evtl. mit ROMPC® behandelt. Danach ordnen sich die Stellvertreter selbständig neu, und der Stellvertreter des Supervisanden wird durch den Supervisanden ausgewechselt.

Weitere Aspekte der Aufstellung

Weitere Aspekte können aufgestellt und befragt werden:

Bedürfnis:
Was brauchen Supervisand und Klient, damit der Prozess gelingen kann?
Evtl. Behandlung des Mangels und der daraus resultierenden Unzufriedenheit bei beiden.

Relevante Personen:
Aufstellung und Behandlung von Mitgliedern der Ursprungsfamilien von Klient oder evtl. auch von Supervisand.

Anliegen:
Wenn der Supervisand sein eigenes Anliegen oder das seines Klienten nicht klar benennen konnte, kann das Anliegen dazu gestellt werden.

Ziel:
Eventuell hat sich das Ziel während der Aufstellung und ROMPC®-Behandlung verändert. Der Repräsentant für das Ziel gibt Auskunft darüber.

Zukunftsperspektive:
Was hat sich in 1 oder 5 Jahren verändert?
Wie zeigt sich das Problem/Situation dann?

Abschluss der Supervison

Zum Abschluss der Supervision werden in einem ausführlichen Integrationsgespräch die Ergebnisse besprochen. Dabei sind folgende Fragestellungen hilfreich: Was kann der Supervisand konkret für sich tun? Welche Schutzmechanismen muss der Supervisand aktivieren? Welche eigene Thematik muss der Supervisand weiter bearbeiten? Welche neuen Ziele/Aufträge wird der Klient haben? Nach welchem konkreten Behandlungsplan und mit welchen Methoden will der Supervisand mit seinem Klienten weiter arbeiten? Wieviel der Supervisions-Erkenntnisse sind sinnvollerweise mit dem Klienten zu besprechen?

Fazit

Nach einer Supervision mit vielen neuen Erkenntnissen aus den verschiedenen Systemen, geht der Supervisand sehr wahrscheinlich gestärkt in seinen Arbeitsalltag und ist neugierig, was im Prozess mit seinem Klienten in der nächsten Zeit geschieht.

Meines Erachtens ist die Neugier des Therapeuten/Beraters auf das was hinter der sozialen Maske des Klienten steckt, eine sehr gute Motivation diese Arbeit mit Menschen zu tun.

Die Verknüpfung von ROMPC® und Systemaufstellungen, auch in Therapie und Coaching, hat mir immer wieder überraschende Erfahrungen beschert.

Anmerkung

Im Verlauf des Textes benutze ich die männliche Form um den komplexen Sachverhalt etwas zu vereinfachen, Frauen fühlen sich bitte ebenso gemeint.