Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Psychoonkologie im Krankenhaus mit ROMPC®

Ingrid Schmidt-Döring

05.04.2008

Ingrid Schmidt-Döring

Worum geht´s?

Bei Patienten, die auf der onkologischen Station eines Krankenhauses behandelt werden, erfolgt deren innere Auseinandersetzung mit dem eigenen Krebsleiden meist in charakteristischen Verarbeitungsphasen. In jeder dieser Phase stellen sich spezifische Herausforderungen im Blick auf die Bewältigung der ihre Krankheit begleitenden seelischen Konflikte. ROMPC® leistet hier wertvolle Hilfe, wenn es darum geht, den Verarbeitungsprozess der Betroffenen zu unterstützen und ein „Steckenbleiben“ innerhalb dieses Prozesses zu verhindern.

„Psycho“-Onkologie in einer interdisziplinären Einrichtung eines Krankenhauses

Die „Psycho“-Onkologie in einem Krankenhaus ist eine ergänzende Maßnahme zur medizinischen Behandlung im stationären und ambulanten Bereich. Dieser nahtlose Ansatz dient dazu ...

  • während der Diagnostik,
  • nach der Diagnose Krebs,
  • während der medizinischen Behandlung und
  • in der Phase der ambulanten Nachbetreuung

dem betroffenen Patienten und deren Angehörigen beizustehen.

Dabei geht es darum, den Heilungsprozess zu unterstützen und die Haltung zu sich selbst und zu der Krankheit in heilsamer Weise zu verändern. Im Zentrum dieser Begleitung steht der Mensch mit seiner Erkrankung und die damit verbundenen offenen Fragen, Ängste und persönlichen Schwierigkeiten.

Meine Erfahrung als Psychoonkologin

Meine Erfahrung als Psychoonkologin ist, dass diese Betreuung durch vier Phasen gekennzeichnet ist:

In der ersten, der diagnostischen Phase, sind die Ängste das beherrschende Thema:

  • Angst vor den Untersuchungen
  • Angst vor der Operation
  • Angst vor den Visiten und die damit verbundene Nachricht
  • Angst und Erleichterung, wenn endlich die Diagnose ausgesprochen ist.

In der zweiten Phase hat der Patient die Diagnose Krebs bereits erhalten. In dieser Situation sind die Patienten mit der Bewältigung der Diagnose und deren Folgen beschäftigt - wie:

  • ihre diffusen Vorstellungen von der Erkrankung
  • die Angst, dem Partner oder den Kindern die Diagnose mitzuteilen
  • die Auseinandersetzung mit der Arbeit und den daraus resultierenden Folgen
  • das Infrage-Stellen des bisherigen Lebens
  • die Bewältigung der vielen Informationen und
  • die Art der Behandlung und die Folgen der Chemotherapie (keine Haare und Übelkeit)

In der dritten Phase sind die Patienten mit der Diagnose Krebs vertraut. Sie haben bereits eine Chemotherapie bzw. mehrere Aufenthalte im Krankenhaus hinter sich. In dieser Situation sind die Themen:

  • die Angst vor einer Neuerkrankung
  • die Angst vor Verfall und Schwäche
  • die Angst vor Sterben und Tod
  • die Angst, sich nicht mehr delbst versorgen zu können und
  • die Angst, dass der pflegende Partner den Erkrankten nicht mehr alleine versorgen kann.

In der vierten Phase haben die Patienten und Angehörigen bereits die Gewissheit, dass es keine Heilungschancen mehr gibt und die Betroffenen austherapiert sind. Die Themen zu diesem Zeitpunkt sind:

  • ich möchte zu Hause sterben
  • ich kann die letzte Phase meinem Partner nicht mehr zumuten
  • was gibt es noch zu regeln
  • was ist noch offen
  • Einbindung der Institution Hospiz.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Patient in allen vier Phasen an seine Grenzen gelangt. Bei der Diagnose Krebs kann man von einer psychischen Traumatisierung sprechen, da es sich um eine bedrohliche Erkrankung handelt. Da dieser bedrohliche Einfluss nicht von außen kommt, sondern aus dem eigenen Inneren stammt, kommt es zu einer neuro-vegetativen Reaktion im Sinne von „fight“ oder „flight“. Da es nicht möglich ist, vor etwas zu fliehen, was in dem Betroffenen selbst liegt, kann dieser Konflikt und der damit verbundene unkontrollierbare Stress in der Regel nicht wirlich aufgelöst werden. Mit dieser Schockphase gehen Gefühle wie Verzweiflung und Hilflosigkeit einher und lassen keine Möglichkeit mehr zu, auf seine sonstigen Ressourcen zurück zu greifen.

Wie ich ROMPC® nutze

In allen vier Phasen habe ich ROMPC® erfolgreich eingesetzt, da die „Entkopplungstechniken“ dieses Verfahrens dazu in der Lage sind, den Teufelkreis der spezifischen Stress- Spirale zu unterbrechen. Dies möchte ich anhand von Beispielen aufzeigen:

Erste Phase
In der ersten Phase der Diagnostik sind diffuse Ängste vorrangig. So verhielt es sich auch bei diesem Patienten: Nachdem sein aktueller Stressor, nämlich die Ambivalenz zwischen Hoffen und Bangen, dass es sich nicht um eine bösartige Erkrankung handeln möge, identifiziert war, habe ich diese Ambivalenz aufgegriffen und mit ROMPC® behandelt. Nach der Behandlung trat sichtliche Entspannung ein: Der Patient hatte wieder Zugang zu sich selbst. Er konnte die noch anstehenden Untersuchungen gelassener auf sich zukommen lassen, und dem Ergebnis erwartungsvoll entgegensehen.

Zweite Phase
Auch in der zweiten Phase, in der die Diagnose Krebs bereits gestellt war, ging es bei diesem Patienten um die Angst vor der nächsten Chemotherapie. Es gab keinen ersichtlichen Grund für die Heftigkeit seiner Ängste: Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei schlechte Erfahrung mit der Therapie gemacht. Es gab keine Nebenwirkungen. Er konnte sogar seiner Arbeit weiter nachgehen. Trotzdem kreisten seine Gedanken nur um die bevorstehende Chemotherapie. Der Stressor in diesem spezifischen Fall waren die ständigen Einstiche durch die Blutabnahme und Infusionen. Dieses bedeutete für ihn, schwer zu ertragende immer wiederkehrende Verletzungen. Durch die ROMPC®-Behandlung dieses Stressors und der damit einhergehenden Gruselfantasien verlor er seine Angst und konnte der nächsten Chemotherapie gelassen entgegen sehen.

Dritte Phase
Die dritte Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Erkrankung fortgeschritten ist und eine eigenständige Versorgung sich als schwierig oder sogar als unmöglich erweist. Dieses war das Thema einer weiterenPatientin: Die Tochter wollte die Pflege übernehmen. Jedoch die Mutter blockte jedes Gespräch mit der Tochter ab, wenn von einer notwendigen Hilfe gesprochen wurde. Als Mutter hatte sie immer alles alleine geschafft, war nie abhängig, hatte für die Tochter gesorgt und sogar das Enkelkind noch mit groß gezogen. Alles mit großer Selbstverständlichkeit. Es war beschämend für sie, jetzt etwas annehmen zu müssen und dann auch noch von der eigenen Tochter. Eltern haben für die Kinder Sorge zu tragen und nicht umgekehrt, das war ihr Motto. Dieses Thema und der Stressor Scham standen deshalb im Vordergrund der Behandlung. Dies löste große Trauer bei der Patientin aus. Trauer und Scham waren somit die zentralen Aspekte, die die ROMPC®-Behandlung in diesem speziellen Fall focussierte. Nach der Behandlung trat große Erleichterung ein. Die Mutter konnte nun mit der Tochter offen nach einer geeigneten Lösung suchen und diese schließlich auch finden. 

Vierte Phase
In der vierten Phase wird die Endlichkeit nicht mehr verleugnet wird, weil es keine Heilungschancen mehr gibt. Die Patientin hatte mit ihrem Leben abgeschlossen. Sie hatte keine Angst vor dem Sterben und vor dem Tod. In ihrer Vorstellung war sie nach dem Tod mit ihrem Mann wieder vereint. Trotzdem war es für sie nicht möglich, aus dieser Welt zu scheiden. Sie war von großer innerer Unruhe geplagt und schaute ständig auf die Uhr. Ich möchte meine Ruhe finden und mich entspannen, sagte sie. Ich griff dieses Thema auf und fragte, ob ich etwas für ihre Entspannung tun dürfte. Sofort kam ein „Ja“. Ich begann, sie mit ROMPC® zu behandeln. Sie wurde unmittelbar ruhiger. Nach einer Weile wurde sie traurig und sagte, es gäbe da noch etwas für sie zu erledigen. Danach schlief sie erschöpft, aber entspannt ein.