Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

ROMPC® in der Trauerarbeit mit Jugendlichen

Petra Franz

05.04.2008

Petra Franz

Worum geht´s?

Die Therapie mit Jugendlichen ist ein sehr interessantes Arbeitsfeld und stellt uns als Therapeuten und Therapeutinnen immer wieder vor spannende Herausforderungen. Seit dem Sommersemester 2007 leite ich eine Trauergruppe für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 18-25 Jahren. Die Jugendlichen haben alle eine nahestehende Person verloren und befinden sich in unterschiedlichen Phasen des Trauerprozesses. ROMPC® ist mittlerweile ein fester Bestandteil unserer gemeinsamen Arbeit geworden.

Wie Selbstabwertung erfolgreiche Trauerprozesse verhindert

Erstaunlich ist für mich bei der therapeutischen Arbeit mit Jugendlichen in der Trauergruppe immer wieder, welche enorme Reflexionsfähigkeit diese jungen Menschen in Bezug auf sich, ihre Gefühle und Erfahrungen mitbringen. Dadurch, dass sie sich viel früher als die meisten ihrer Altersgenossen mit dem Thema: Krankheit, Tod und Sterben befassen mussten, haben sie eine große psychische und emotionale Reife entwickelt.

Die Gruppe hilft ihnen, ihre Erfahrungen mitzuTEILEN und zu sehen, dass andere Jugendliche ähnlich fühlen, wie sie selbst. Dies und das vermittelte Wissen über Trauerprozesse und –phasen beugt Selbstabwertungstendenzen vor, die Jugendliche in dieser Situation oft haben: „Wieso bin ich nach einem Jahr immer noch so traurig, das müsste doch jetzt vorbei gehen“ – „Ich schäme mich, dass ich wütend auf den Verstorbenen bin“ - „Ich habe Schuldgefühle, dass ich nicht genug Zeit mit dem Verstorbenen verbracht habe“ etc.

ROMPC® stoppt die innere Selbstabwertung

Genau hier ist ein optimaler Ansatzpunkt für ROMPC®-Prozesse. Alleine die Behandlung der sog. „Psychologischen Umkehr“ (des Widerstandes gegen Veränderung) zu Beginn des Prozesses bringt bereits eine erste Entlastung für die Jugendlichen. Beim Aussprechen der Sätze wie: „Ich akzeptiere mich voll und ganz, mit meiner Trauer (meiner Wut, meinen Ängsten, meinen Schuldgefühlen)“, lösen sich bereits Anspannungen bei den Jugendlichen. Oft haben Jugendliche in ihrem Alltag wenig Zeit zu trauern. Schon kurz nach dem Tod des Angehörigen müssen sie zuhause und in der Schule wieder funktionieren.

Wenn ein Eltern- oder Geschwisterteil verstorben ist und auch die restlichen Familienmitglieder trauern, haben sie oft wenig Unterstützung in ihrem Trauerprozess. Dies führt dazu, dass sie Gefühle der Trauer oft mit sich alleine ausmachen müssen, oder verdrängen, um z. B. den verbliebenen Elternteil nicht noch zusätzlich zu belasten. Sie spüren, mit der den Jugendlichen eigenen großen Fähigkeit zur Intuition, dass auch der zurückgebliebene Elternteil an seiner Grenze angekommen ist und versuchen, ihn zu schonen. Damit kommt zum Gefühl der Trauer oft auch noch das Gefühl, alleine zu sein, hinzu.

Die Arbeit mit den sog. „Entkopplungstechniken“ des ROMPC® schafft die Möglichkeit, ins Stocken geratene Trauerprozesse wieder in Fluss zu bringen. Im Rahmen des beziehungsorientierten Ansatzes spüren die Jugendlichen, dass jemand da ist, der die Trauer mit ihnen aushält und ihnen zur Seite steht. Dadurch, dass die Therapeutin/der Therapeut nicht selbst in den Trauerprozess involviert ist, erleben sie auch, dass sie/er sich nicht aus Hilflosigkeit von ihnen abwendet, wie viele Gleichaltrige aus dem Freundeskreis, die meist nach der ersten kurzen und intensiven Hilfsbereitschaft nicht wissen, wie sie ihre Freundin/ihren Freund bei länger anhaltenden Trauerprozessen noch unterstützen können. Die Betroffenen erleben auch, dass die Therapeutin/der Therapeut im Gegensatz zum Elternteil keiner Schonung bedarf. Insofern ist die Beziehungsgestaltung in diesem Kontext in hohem Maße „antithetisch“.

Wenn Schuldgefühle den Trauernden belasten

Ein weiterer, wesentlicher Aspekt ist die Verarbeitung von Schuldgefühlen durch ROMPC®. Eine Besonderheit und das verbriefte Recht von Jugendlichen ist es, dass sie sich der Außenwelt intensiv und in besonderem Maße zuwenden möchten, neue, spannende Erfahrungen machen wollen und neu-erkämpfte Freiräume nutzen möchten. Ist ein Elternteil z. B. an einer lebensbedrohlichen Krankheit erkrankt, so schränkt das ihren Drang nach Freiheit und Ausprobieren massiv ein. Zum Glück erhalten sie sich meist trotzdem Tendenzen, von zuhause weg zu streben, um sich nicht pausenlos mit dem Thema Tod und Krankheit auseinandersetzen zu müssen. Um die widersprüchlichen Gefühle von Hilflosigkeit, Angst, Wut etc. aushalten zu können, gehen sie trotzdem in die Disco, treffen sich mit Gleichaltrigen und versuchen verzweifelt die Normalität ihres Lebens irgendwie aufrechtzuerhalten.

Stirbt dann der Elternteil oder das Geschwister, stellen sich massive Schuldgefühle ein: “ich hätte nicht weggehen dürfen“ - „Wieso habe ich die Zeit mit meinem Vater/Mutter/Schwester oder Bruder nicht noch mehr genutzt“ etc. Jugendliche haben noch nicht ausreichend in ihrem Leben die Erfahrung gemacht, dass man in keiner Beziehung all das zu Ende bringen kann, was man gerne gewollt hätte und plagen sich mit der Illusion, dass sie den Verstorbenen besser loslassen könnten, wenn sie nur mehr Zeit mit ihm verbracht hätten oder sich ihm gegenüber anders verhalten hätten. Im Fall von Suizid sogar mit der Vorstellung, sie hätten den Tod verhindern können, wenn sie sich intensiver um den Verstorbenen gekümmert hätten. Hier setzt das sog. „Verzeihungsritual“ des ROMPC® an: In dem ich mir und dem Verstorbenen verzeihen kann, kann ich Schuldgefühle, die mich am Weitergehen im Trauerprozess hindern können, loslassen. Hier kann das Verzeihungsritual erweitert werden, in dem man Informationen einfließen lässt, die den Jugendlichen helfen, sich selbst besser zu verstehen und sich damit selbst leichter zu verzeihen. Beispiel: „Ich verzeihe mir selbst, dass ich nicht mehr Zeit mit meiner Mutter verbracht habe. Es war mein Recht und auch meine Pflicht als junger Mensch auch an das Leben und die Zukunft zu denken und deshalb verzeihe ich es mir.“

Zusätzlich kann man auch den/die Verstorbenen als Verstärker des Selbstverzeihungsrituals einsetzen. Beispiel: „Ich weiß, dass auch meine Mutter es mir verzeiht, dass ich nicht mehr Zeit mit ihr verbracht habe, weil ich weiß, dass sie wollte, dass ich glücklich bin. Und weil ich weiß, dass meine Mutter es mir verzeiht, kann ich es mir selbst auch verzeihen.“

Dem Verstorbenen seine Unterlassungen und seinen Weggang zu verzeihen, hilft, Wut und Zorn loszulassen, die ein wichtiges Durchgangsgefühl im Trauerprozess sein mögen, aber blockierend werden können, wenn sie nicht irgendwann überwunden werden. Beispiel: „Ich verzeihe meinem Vater, dass er mir nicht gesagt hat, wie schlimm es um ihn steht. Ich weiß, er wollte mich aus Liebe zu mir schonen und deshalb verzeihe ich es ihm.“

Eine Betroffene kommt zu Wort

Saskia, 18 Jahre fasst ihre Erfahrungen mit ROMPC® in der Trauergruppe folgendermaßen zusammen: „ROMPC® hilft mir, auf mich einzugehen, mir in Momenten der tief sitzenden Verzweiflung wieder innere Ruhe zu geben. Es scheint, als würden die Gefühle durch den ganzen Körper wandern. Sie lösen Weinen, Lachen, wie auch andere Gefühlsausbrüche aus. Danach hat man das Gefühl sie sind erstmal fort, was sich sehr befreiend anfühlt. Es hilft mir im Umgang mit der Trauer, da es sehr vielfältig angewendet werden kann und man viele Themen danach in einem anderen Licht sehen kann.“

Fazit

Mit seinen vielfältigen methodischen Möglichkeiten und seinem beziehungsorientierten Ansatz bietet ROMPC® somit insgesamt einen hervorragenden Ansatz für die Trauerarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.