Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

ROMPC® bei Menschen mit geistiger Behinderung

Renate Neumann

12.03.2009

Renate Neumann

Auch Menschen mit geistiger Behinderung erleben Stress. Es wird über Erfahrungen berichtet, wie mit Hilfe von ROMPC® sehr effektiv Symptome, negative Befindlichkeiten und verletzte Gefühlen geheilt werden können.

Das Problem ist nicht das Problem

Menschen mit geistiger Behinderung reagieren genauso wie „gesunde“ Menschen. Sie sind in ihren Gefühlen verletzlich, haben Befindlichkeiten, die aus der Reaktion am „Du“ und „Gegenüber“ entstanden sind und entwickeln ihr Verhalten und auch ihre Schon- und Schutzhaltungen durch lebenslanges Lernen in Beziehungen der sie umgebenden Personen.Sie können jedoch mitunter ihre Probleme nicht so verbal beschreiben. Wenn sie jedoch des Sprechens fähig sind, schildern sie ihre Probleme und Schwierigkeiten sehr direkt. Vorausschauendes und logischen Denken sind nur in Ansätzen, mitunter gar nicht vorhanden. Zweckbetont gesteuertes Verhalten ist wenig zu beobachten. Sie erleben Stress im Umgang miteinander, in den Gruppen, in denen sie arbeiten, in der Werkstatt für behinderte Menschen oder im Wohnen (zumeist in einem Wohnheim oder im Ambulant betreuten Wohnen oder Zuhause). Oft geraten sie auch durch den Verlust von Bezugspersonen in stressige Gefühlszustände und entwickeln Verhaltensauffälligkeiten. Selbstwertprobleme sind bei mehrfachbehinderten Menschen (z.B. bei Lernbehinderung und körperlicher Schwerstbehinderung und damit verbunden auf den Rollstuhl angewiesen sein) oft das Lebensthema. Menschen mit geistiger Behinderung spüren Leidensdruck und möchten Veränderung und Hilfe. Oft ist es jedoch auch die Umgebung, die bestimmte Auffälligkeiten nicht mehr akzeptieren will und kann.Bevor ich die Methodik des ROMPC® kannte, habe ich meist mit einer Kombination aus entspannenden, verhaltenstherapeutischen und gesprächstherapeutisch orientierten Maßnahmen Hilfe angeboten. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen sind sehr zeitaufwendig, erfordern ein abgestimmtes Verhalten in der Gruppe und im Betreuungsteam und das Belohnungssystem muss konsequent von allen betreuenden Personen umgesetzt werden. Gesprächstherapeutische Interventionen sind durch Menschen mit geistiger Behinderung nur begrenzt versteh- und nachvollziehbar. Mit dem ROMPC® kann ich jetzt in relativ kurzer Zeit bei Menschen mit geistiger Behinderung Stress abbauen und Erleben und Verhalten positiv verändern.

Vorgehensweise

Die von mir betreuten bzw. begleiteten Personen erlebe ich im Arbeitsumfeld der Werkstatt für behinderte Menschen, mitunter auch im Wohnumfeld.Verhalten, das auf Stress schließen lässt, kann ich oft direkt beobachten und/oder die betreuenden Bezugspersonen berichten darüber und wenden sich an mich. Die meisten kenne ich seit längerer Zeit und es ist zumeist eine gute Vertrauensbasis vorhanden.Wir vereinbaren einen Termin und ein Gespräch und bestimmen gemeinsam, was zur Zeit „schwierig ist“, „Stress macht“, auffällt oder wo ein Leidensdruck besteht. In weiteren Zusammenkünften (meist schon beim 2. oder 3. Termin) setze ich ROMPC® gezielt ein.

Ich benutze meist die erprobten und als valide beurteilten Vorgehensweisen, zum Beispiel ...

  • Das ROMPC®-Behandlungsritual „Die Offenen Tür schließen“ nach Thomas Weil bei leichter Verletzlichkeit, Abgrenzungsnotwendigkeit
  • BSFF-Prozeduren nach Lary Nims bei Selbstwert- und Lebensproblematiken sowie
  • die Erweiterung nach Erfurt-Weil und Weil mit „Doppeltem Verzeihungsritual“ und
  • Behandlung der „Selbstallergie“
  • Die ROMPC®-Prozedur des „Troubleshooting“ nach Thomas Weil bei Krankheits- und Leidensgewinn und bei Fremdbezogenheit
  • Spezielle Trauma-Sequenzen nach R.Callahan bei speziellen negativen Gefühlszuständen im Sinne einer symptomorientierten TFT- Behandlung

Ich kann durchgehend von sehr erfolgreichen Behandlungen berichten.

Ein Beispiel

Annette, eine junge Frau mit Lernbehinderung kommt nach dem Tod ihres Stiefvaters immer wieder in Situationen, in denen sie tieftraurig ist, sich verlassen fühlt und über das übliche Maß hinaus Zuwendung einfordert. Es werden Weinattacken beobachtet und sie kann sich schlecht auf die Arbeit konzentrieren. Der Zustand hält noch Monate nach dem Verlust an. Annette lebt schon lange Zeit in einer Wohngemeinschaft der Lebenshilfe. Die Mutter und der verstorbene Stiefvater leben an einem anderen Ort in der Nähe. Annette besucht sie am Wochenende. Im Gespräch wurde deutlich, dass ihre Trauer eine Mischung aus Angst, Wut,“ irrealen Vorstellungen über den Tod, „Nicht loslassen können und wollen“ ist. Es dominierte das Gefühl der Trauer, es hatte die höchste Behandlungswertigkeit und war aus meiner Sicht zuerst und vordergründig zu behandeln.

Ich arbeitete symptomorientiert mit der sog. Trauma- Sequenz. Ich ließ die Klientin die Neurolymphatische Reflexzone mit der Affirmation „Ich akzeptiere mich voll und ganz, auch wenn ich im Moment traurig bin“ im Uhrzeigersinn streichen. Anschließend tappte ich, nachdem ich mir die Erlaubnis der Klienten eingeholt hatte, folgende Punkte an der linken Körperseite: AB, AW, UA, ZF, KF, Ar, Sc. Die Klienten sprach dabei die Worte „meine Trauer, meine Trauer…..“. Nach Entkoppeln über tiefes Ausatmen, Bubbling, Stampfen, habe ich mit den bekannten Brainbalancing–Übungen die Verarbeitung in beiden Gehirnhälften stimuliert. Anschließend wurde mit der oben beschriebenen Tapping-Sequenz die rechte Körperseite behandelt. Nach erneutem Entkoppeln war die Behandlungsbedürftigkeit deutlich auf „Eins“ gesunken. Auch nach einem Jahr sind die Symptome nicht mehr beobachtet worden.

Besonderheiten bei der Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung

Es gibt jedoch eine Reihe von Besonderheiten, die bei der Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung bedacht werden müssen: Der Muskeltest ist nicht in jedem Fall valide, um die diagnostizierten Hypothesen zu überprüfen. Der Muskeltest ist jedoch nur ein von mehreren Hilfsmittel für den Therapeuten, so dass auch auf ihn verzichtet werden kann und sich nichts am Behandlungserfolg ändert, wenn man prozessorientiert arbeitet. Die Befindlichkeitsskala als Wert des Unbehagens habe ich analog einer Zensurenskala von 1 bis 5 modifiziert, da die Differenzierung und Einordnung von 1 – 10 zu große geistige Anforderungen stellt. Manchmal können die Klienten die Klopfsequenzen nicht selbst ausführen, so dass der Therapeut das übernehmen oder die Hand und den Finger führen muss. Mitunter können die Affirmationen nicht nachgesprochen werden, so dass der Therapeut sie in jedem Falle vor- und mitsprechen muss. Zweifel können sich bei der Vorstellungskraft und -fähigkeit bei Menschen mit geistiger Behinderung ergeben. Es ist deshalb notwendig, lange am „Thema“ zu bleiben, es sich hinreichend darstellen zu lassen, um sich situationsgemäß wieder hineinzuversetzen und die entsprechenden Vorstellungen aufzubauen. Dynamisches ROMPC® mit prozessorientiertem Vorgehen setzt eine gewisse Konzentration und Ausdauer sowie ein Durchhaltevermögen voraus. Das ist oft nicht in einer Sitzung zu leisten.Die Behandlungserfolge lassen jedoch keinen Zweifel aufkommen. ROMPC® wirkt bei Menschen mit geistiger Behinderung wie bei „normalen“ Menschen schnell, effizient und nachhaltig.