Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

"Das ist cool": ROMPC® für Heilpädagogen

Martina Erfurt-Weil

18.05.2009

Martina Erfurt-Weil

Worum geht´s?

“Ich hatte schon Angst, dass ich mich zwischen ROMPC® und meinen sonstigen Methoden entscheiden müsste. Ich bin jetzt froh, eine Schnittstelle gefunden zu haben, an der ich beides gut verbinden kann: Heilpädagogik und ROMPC®. Ich kann den Kindern (und auch mir) jetzt zu einem anderen Selbstvertrauen verhelfen als früher. Das ist echt cool.“ So eine Seminarteilnehmerin des ROMPC®-Trainingsworkshops für Heilpädagogen.

ROMPC® in der heilpädagogischen Praxis 

Wie können Heilpädagogen mit ROMPC arbeiten, auch wenn sie keinen psychotherapeutischen Auftrag haben? Die Heilpädagogik beinhaltet in ihrem Wort nicht den Wortstamm „heilen“ sondern kommt ursprünglich von „holos“ , d. h. ganz. Holos steht für die ganzheitliche Begleitung, Beratung und Förderung von Menschen insbesondere von Kindern und Jugendlichen mit Einschränkungen im geistigen, körperlichen, sprachlichen oder sozialen Bereich und einer angegliederten Elternberatung nach einem systemisch-famiientherapeutischen Ansatz.

In diesem Sinne werden pädagogische Lernsituationen geschaffen, in denen die Betroffenen im Einzel- oder auch Gruppenbezogenen Erleben und Erarbeiten in ihren Ressourcen abgeholt und mit Herausforderungen konfrontiert werden, die ihnen sowohl Selbstvertrauen in gesteckte Lernschritte als auch Vertrauen in ein neues Gruppenverhalten ermöglichen. Ob sie bei einem Spiel Erfolg haben, in einem Bild ihre Gefühle beschreiben können, in Aktivitäten ihre Wut kanalisieren oder in Entspannungsübungen Ruhe finden, mit Materialien ihrer Kreativität Ausdruck verleihen oder Selbstvertrauensübungen machen – dies sind nur Ausschnitte aus dem großen heilpädagogischen Programm, das auch gut „ohne ROMPC® “ auskommt.

Wo aber kommt ROMPC® zum Einsatz, ohne dass die Heilpädagoginnen die Befürchtung hegen müssen, etwas mit dieser Methode auszulösen, das sie dann nicht mehr handhaben können?

Jeder erfolgreiche Lehrer ist gut beraten, wenn er über psychologisches Know-How verfügt, auch wenn er keinen therapeutischen Auftrag hat: Wir unterscheiden zwischen einem psychotherapeutischen Auftrag und psychotherapeutischem Wirken in der heilpädagogischen Arbeit. Hier ist das sog. „horizontale ROMPC®“ angesagt, das sich ganz auf das Hier und Jetzt-Erleben bezieht. Wir nehmen die Konzepte der Lernpsychologie und Neurobiologie in Anspruch: Lernen braucht selbstbestimmte Lernziele, die erreichbar sind und gerade einen kleinen Schritt über das hinaus gehen, was man schon kann.Lernen braucht eine gute soziale Lernatmosphäre mit dem Gefühl, verstanden und motiviert zu werden und positives Feedback zu bekommen.

Der Ansatz, mit ROMPC® zu arbeiten, ergibt sich gerade in Situationen, in denen das Kind bzw. der Jugendliche mit Lernblockaden in Kontakt kommt und sich selbst oder auch andere emotional abwertet. Indem er Schlüsselsätze wie: „Ich bin eh zu doof..“ – „Ich bin immer der Doofe.“ – „Ich bin doch nicht doof“ oder ähnliches benutzt, gibt er genügend Hinweise auf seine innere Not, ohne diese biographisch aufdecken zu müssen.

Wir arbeiten in diesen Situationen beziehungsorientiert und nutzen das Konzept des „emotionalen Abholens“ bzw. „emotionalen Spiegelns“, um Frustrationen und Widerstände abzufangen, den Betroffenen zu ermutigen, den eigenen Kipp-Punkt von Angst oder Abwehr zur Neugier und Lust zu finden, und ihn in die Kooperation einzuladen.

Dazu müssen wir auch wissen, dass gerade traumatisierte Kinder und Jugendliche selbst bestimmen, was sie preisgeben und was nicht. Und dass es normal ist, kooperative und hilfesuchende Anteile aber auch misstrauische, ängstliche, abwehrende und familiensystem-konforme Anteile mit in die Kommunikation zu bringen.

Lernen braucht Erfolgserlebnisse, die nicht Gipfelstürmer, Marathonläufer oder Einserkandidaten haben, sondern jeder, der erlebt „ich kann mehr, als ich erwartet habe“. ROMPC® kann diese Erfolgserlebnisse durch eine bewusst gestaltete Beziehung von „ich gehe mit dir dadurch und bleibe bei dir, auch wenn es unangenehm ist“ - und durch die Entkopplungstechniken auf sehr nachhaltige und wiederholbare Weise herbei führen. Wir bieten dem Kind und Jugendlichen die Entkoppelungstechniken an, um ihn die Erfahrung machen zu lassen, wie er mit seinen negativen Gefühlen besser umgehen und vor allen Dingen Selbstvertrauen nicht nur kognitiv verstehen, sondern ganz intensiv fühlen kann: „Ich fühl mich cool“. Und das ist für ihn wiederholbar... auch zuhause. Das Gefühl und die körperlichen Empfindungen stehen im Mittelpunkt. Bewertungen und Schubladenargumente treten zurück.

ROMPC®-Trainingsworkshop für HeilpädagogenIn diesem Workshop beginnen wir, uns über unsere eigenen Erfolgserlebnisse auszutauschen. Wir stellen fest, dass es Erfahrungen sind, wie „ich kann nach drei Jahren Pause noch Schlittschuh-Fahren“ oder „ich musste in dem Seminar neulich mal nicht der Lehrer sein sondern konnte mich einfach mal gehen lassen“ oder „ich habe mit dem guten Ergebnis meiner Prüfung nicht gerechnet“. Immer ist es die Erfahrung von „mehr als erwartet“.

Wir erkennen, dass unser Erfolgsempfinden sehr abhängig davon ist, was wir an realistischen oder überhöhten Selbstansprüchen haben und was uns andere zurückmelden. Auch unsere Misserfolgsgeschichte ist in der Beurteilung unter Umständen mitbeteiligt. „Ich war in der Schule immer ein Einserkandidat. Deshalb konnte ich mich nicht über meine Zwei im bestandenen Diplom freuen.“ – „Es muss reiner Zufall gewesen sein, dass ich mal Glück hatte.“

Mit diesen Beispielen sind wir den Kindern und Jugendlichen ganz verbunden, weil sie manchmal ähnliches fühlen. Unsere innere Haltung ist entscheidend, mit den Betroffenen auch auf Augenhöhe arbeiten zu können.

Auffällig in den Fallberichten der Workshop-Teilnehmer ist, dass die heilpädagogischen Mitarbeiter weniger beschreibend als beurteilend und bewertend schwierige Situationen ihres Berufsalltags schildern. Sie sind gewohnt, in diagnostischen Kategorien zu denken. Auffällig ist auch, dass viele der Betreuer, ob Eltern oder Schule oder Jugendamt diagnostisch bewertend mit den Betroffenen umgehen, anstatt in guter Weise erst einmal zu spiegeln.

Der erste Schritt, den wir in Rollenspielen tun, ist, uns wieder in die Situation des betroffenen Kindes bzw. Jugendlichen hinein zu versetzen und damit emotional an sein Gefühl anzukoppeln.

Fallbeispiele im Rollenspiel

Kevin, 12 Jahre alt, kommt mit seiner Mutter zum ersten Mal in die heilpädagogische Praxis. Sie lässt ihn dort, um ihn nach einer Stunde wieder abzuholen. Nach seinem anfänglichem Zögern bricht er in Tränen aus und weint wie ein kleines Kind: “Ich will zu meiner Mama“. Die Heilpädagogin versucht, ihn an die Absprache mit seiner Mutter zu erinnern. Sie macht ihm Vorschläge. Seine Weigerung und Verzweiflung wird immer stärker. Sie wird immer hilfloser und immer ärgerlicher.

Die Heilpädagogin wird im Blick auf ihre Hilflosigkeit und ihren Ärger mit ROMPC® behandelt. Als sie entspannter ist, kann sie wieder ins Rollenspiel einsteigen. Wir stellen fest, dass der Junge sich erst beruhigen kann, als die Heilpädagogin sich auf ihn einlässt und ihm sagt, dass er sich wohl ganz verlassen und wie ausgesetzt fühlen muss und wie schlimm es für ihn jetzt sei. Dann ist es für ihn möglich, aus der Verspannung herauszufinden und wieder in den Blickkontakt zu gehen. Jetzt ist er auch empfänglich dafür, dass die Heilpädagogin etwas für seinen Kloß im Hals tun darf. Sie zeigt ihm, dass er sich die Hand auf sein Herz legen und massieren kann und dabei denken darf: “Ich mag mich, auch mit meinem Kloß im Hals.“ Und mit der Einladung “Möchtest du, dass dieser Kloß im Hals verschwindet?“ darf sie ihn auch an den Meridianpunkten klopfen, bis er sich neugierig auf eine neue Aufgabe einlässt.“

Diese Zugangsweise wird als Möglichkeit diskutiert, sie auch auf die Mutter anzuwenden und damit Entlastung in das familiäre System zu bringen.

Wichtig ist den Heilpädagoginnen, dass sie im Prozess des Entkoppelns ganz im Spiegeln bleiben dürfen, kein Interview, keine Deutung, keine pädagogische Anleitung geben brauchen, sondern jede Empfindung und jedes Gefühl als neues Thema zur Weiterbehandlung aufgreifen und so ganz dicht am Gefühl des Kindes bzw. Jugendlichen dran bleiben können, ohne sich anzustrengen, ohne auf Abstand zu gehen, ohne sich unter Druck zu fühlen. Und die Erlaubnis tut ihnen gut, dass sie solange entkoppeln, bis die Entspannung einsetzt. Und dies geschieht schneller als sie denken.

Oliver, 11 Jahre alt, ist ein Junge, der Spaß daran hat, andere zu ärgern bis die Situation eskaliert und er das Gefühl hat, dass die anderen ihn nicht wollen. In der nächsten Einzelstunde beschließt die Heilpädagogin, ihn darauf anzusprechen. In diesem Gespräch kommt heraus, dass er sich zuhause häufig so fühlt, wenn seine Eltern sich streiten. „Dann bin ich der Doofe.“

Mit der Erklärung, dass es etwas gibt, damit er nicht immer mit diesem Gefühl herumlaufen muss, lässt er sich auf eine ROMPC®-Behandlung ein. Es wird dabei ganz dicht an seinen körperlichen Empfindungen wie Druck im Bauch, Druck auf den Schultern, Schmerz im Kiefer etc. mit den Meridianpunkten gearbeitet, bis Oliver zu dem Satz kommt: „Ich habe doch gar nichts mit dem Streit meiner Eltern zu tun.“ Als Affirmation wird dieser Ausspruch wiederholt. Am Schluss ruft er aus: Das ist coooool!!!

Schlussbemerkung

Eine Teilnehmerin des Workshops äußert ganz offen in der Schlussrunde: “Ich hatte schon Angst, dass ich mich zwischen Heilpädagogik und ROMPC® entscheiden müsse. Ich bin jetzt froh, eine Schnittstelle gefunden zu haben, an der ich beides gut verbinden kann. Ich kann den Kindern (und auch mir) jetzt zu einem ganz anderen Selbstvertrauen verhelfen als früher. Das ist echt cool.“