Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

“Der Ritter mit dem Zauberschwert”: ROMPC® in der Arbeit mit kleinen Kindern

Petr Franz

01.06.2009

Petra Franz

Worum geht´s? 

ROMPC® eignet sich hervorragend für die Arbeit mit kleinen Kindern. Dazu ist es allerdings nötig, einige der ROMPC® Behandlungs-Techniken und -Rituale kindgemäß anzupassen.Manchmal passieren dabei Dinge, die man als Erwachsener nie hätte erfinden können, weil nur die kindliche Fantasie zu solchen Abenteuern in der Lage ist. Wenn ich aber als Therapeutin oder als Therapeut an diesen Abenteuern teilhaben darf, dann ist das immer eine Bereicherung und ein Geschenk für mich.

Entkoppelungsrelikte in “Reinkultur”

Ein großer Vorteil bei der Behandlung von kleinen Kindern liegt zum Beispiel darin, dass deren Entkoppelungsrelikte meist unverfälscht und kaum “gecovert” (das heißt: verdeckt) vorliegen. Sie sind daher schnell und einfach zu identifizieren und ebenso leicht zu nutzen, wenn es darum geht, den kindlichen Stress unmittelbar zu reduzieren.

Beziehungsbedürfnisse offensichtlich

Auch die Beziehungsbedürfnisse der Kinder kommen in der Regel sehr direkt und unmittelbar zum Ausdruck. Der Therapeut/die Therapeutin kann sie klar erkennen und sofort beantworten. Mit Blick auf die diagnostizierten unbeantworteten Beziehungsbedürfnisse der Kinder ist es freilich sehr wichtig, mit den Eltern zu sprechen und zu thematisieren, wie auf diese Beziehungsbedürfnisse anders reagiert werden kann. Denn im Gegensatz zu Erwachsenen sind kleine Kinder noch voll und ganz auf die Beantwortung ihrer Beziehungsbedürfnisse durch die direkten Bezugspersonen angewiesen. Wenn Eltern besser verstehen, welche Beziehungsbedürfnisse hinter einem für sie zunächst unverständlich erscheinenden Verhalten ihrer Kinder liegen können, ist das für sie oft sehr hilfreich.

Kinder wissen, was ihnen gut tut

Eine weitere Besonderheit bei ROMPC® mit kleinen Kindern liegt darin, dass sie oft ganz spontan äußern, was sie brauchen und was ihnen gut tut. (Beispiel: „Du sollst mir auch auf die Lippen klopfen“, so etwas würde ein erwachsener Klient kaum äußern). Oft weichen die Stellen dann auch von den üblichen Meridianpunkten der Klopfakupunktur ab. Aber man merkt sehr schnell, dass Kinder intuitiv spüren, welche Punkte ihnen in diesem Moment gerade gut tun. Man kann das bei der Behandlung auch ganz direkt erfragen. Wenn ich mit Geschichten, Figuren oder Tieren arbeite,frage ich beispielsweise: „Wo soll der Specht denn jetzt noch hin klopfen?“

Behandlung der Psychologischen Umkehr kindgemäß

Eine ROMPC®-Behandlung wird gewöhnlich eröffnet mit der Behandlung der Psychologischen Umkehr durch Reiben auf die neurolyphatische Reflexzone über dem Herzen. Dadurch wird der mögliche Widerstand gegenüber der angestrebten Veränderung auf limbischer Ebene außer Kraft gesetzt.

In der Arbeit mit kleinen Kindern muss die Behandlung der psychologischen Umkehr altersgemäß umformuliert werden. Ein kleines Kind würde z. B. die Aussage: „Ich akzeptiere mich voll und ganz, auch mit meinem schlimmen Husten“ eher irritieren, da es keinen Zusammenhang zwischen Selbstakzeptanz und Husten herstellen kann. Aber der Satz: „Ich bin eine ganz, ganz tolle Simone und kann gleich ganz gut schlafen, obwohl ich Husten muss“, ist auch für kleine Kinder verständlich und nachvollziehbar. Für Schulkinder kann dagegen die Formulierung durchaus lauten: „Ich bin ein toller Kerl, auch wenn mich meine Klassenkameraden ärgern.“ Voraussetzung dafür ist, dass das Kind selbst seinen Selbstwert in Verbindung mit dem belastenden Ereignis bringt.

Interessant ist, wie Kinder bereits auf die Behandlung der psychologischen Umkehr reagieren: Sie strahlen, sie richten sich körperlich auf oder sie fangen an zu lachen. Es wird schnell deutlich, dass sie sich noch ungefiltert über die positiven Affirmationen freuen können.

Bei manchen Kindern wird aber auch schon während der Behandlung der psychologischen Umkehr so etwas wie Scham sichtbar: Sie freuen sich zwar, versuchen diese Freude aber bereits zu verstecken, weil sie schon gelernt haben, Lob nicht einfach anzunehmen, sondern Bescheidenheit vorzutäuschen. 

Dann ist es in der Behandlung hilfreich, hier gleich den Schampunkt unter der Unterlippe in der Kinnfalte mit einzubeziehen und die schambesetzte einschränkende Grundüberzeugung aufzunehmen und zu kommentieren. Zum Beispiel: „Es ist gar nicht so leicht, so was tolles über sich zu denken, stimmts? Aber weißt Du, manchmal darf man auch einfach nur Gutes über sich denken und sagen.“

Kinder lieben Geschichten

Für Kindergartenkinder empfiehlt es sich, die Klopfsequenzen des ROMPC® sowie die Arbeit mit den körpereigenen Entkopplungsrelikten in Geschichten zu verpacken und auch Stofftiere dabei einzusetzen. Auf diese Weise kann man das magische Denken der Kinder wunderbar zur Hilfe nehmen. Der Therapeut, die Therapeutin kann zum Beispiel eine Geschichte vom Specht Rudi zu erfinden, der den Husten oder den Ärger oder die Angst einfach weg klopft und dann in sein Sommerquartier in den Süden fliegt und alles mit sich nimmt. Unterwegs lässt er die unangenehmen Belastungen ins Meer fallen: Die ganze Angst, den ganzen Ärger, die ganzen Tränen. Dort verwandelt sich alles in wunderschöne Wasserblumen, die in allen Farben leuchten. Die Fische bestaunen diese wunderschönen Blumen und freuen sich über ihre leuchtenden Farben.

Während der Therapeut die Geschichte erzählt, werden die entsprechenden Stellen beklopft. Die Verwandlung der Gefühle zu erzählen, ist meiner Erfahrung nach auch deshalb besonders wirkungsvoll, weil Kinder oft sehr einfühlsam und rücksichtsvoll sind und nicht wollen, dass ihre Ängste oder ihre Wut bei anderen Kindern landen. Wenn die unangenehmen Gefühle bzw. belastenden Erfahrungen verwandelt sind, können sie keinen Schaden mehr anrichten.

Bei Kindern scheint mir diese Vorgehensweise ganz besonders wichtig, da ihre Loyalität zwangsläufig immer sehr hoch ist und sie zudem manchmal die Idee haben, die Angst könnte ja wieder aus dem Meer heraus schwimmen und zu ihnen zurückkehren. Wenn sie sich in schöne Wasserblumen verwandelt, ist diese Gefahr gebannt.

Darüber hinaus kann man bei Kindern in der magischen Phase auch direkt erfragen, welche hilfreichen Gestalten sie selbst in ihrem eigenen Repertoire haben und diese dann in die Geschichten einbinden. Wenn die hilfreiche Gestalt beispielsweise ein Hase ist, dann kann man ihn therapeutisch utilisieren, indem man erzählt, wie er angehobbelt kommt und mit seiner weichen, kuscheligen Nase auf die entsprechenden Punkte stupst.

Wenn die hilfreiche magische Figur ein kleiner Ritter ist, dann nimmt dieser sein Zauberschwert und berührt mit diesem die jeweiligen Punkte. Kaum hat der Ritter zum Beispiel den Punkt unter dem Auge mit dem Zauberschwert berührt, fangen die Angstgefühle an, zu zischen und lösen sich dann ganz einfach auf.

Der Fantasie der TherapeutInnen sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass man das Kind immer in die Geschichte mitnimmt und im Dialog nachfragt: „Was soll der Ritter jetzt noch machen?“ oder „Was soll mit der Angst passieren, wenn der Ritter mit seinem Zauberschwert unter dem Auge klopft.“ Auch magische Ängste von Kleinkindern lassen sich behandeln, in dem man erzählt, dass Gespenster immer dann zu Kindern kommen, wenn sie selber Angst haben. Man hilft dem Gespenst, in dem man in der Fantasie das Gespenst gemeinsam „beklopft“.

Die Geschichte kann dann wie folgt enden: “Ach“, sagt das Gespenst, „bin ich erleichtert, dass ich jetzt keine Angst mehr haben muss und endlich hier weg kann und wieder zurückfliegen kann in mein gemütliches Schloss.“ Und so macht sich das Gespenst auf und fliegt singend und pfeifend zurück in sein Schloss. Dort setzt es sich gemütlich in seinen Sessel und schläft auf der Stelle ein.

Fazit

Kleine Kinder reagieren in der Regel sehr schnell und nachhaltig auf eine ROMPC®-Behandlung und genießen die Zuwendung, die damit verbunden ist. Es braucht auch keine langen Erklärungen vorab, außer ihnen zu sagen, dass man etwas mit ihnen ausprobiert, was ihnen ganz bestimmt hilft.

Selbstverständlich gilt die Vertragsorientiertheit des ROMPC®, wie sie um Umgang mit Erwachsenen üblich ist, in ähnlicher Weise auch für den Umgang mit Kindern. So ist es meines Erachtens auch bei der Behandlung von Kindern unerlässlich, das Kind vor der Behandlung zu fragen, ob es in Ordnung ist, es zu berühren.

ROMPC®-Behandlungen mit kleinen Kindern sind auf alle Fälle immer ein spannendes Unterfangen, bei dem man vorher nie so ganz genau weiß, wohin die Reise geht. Manchmal passieren Dinge, die man als Erwachsener nie hätte erfinden können, weil nur die kindliche Fantasie zu solchen Abenteuern in der Lage ist. Wenn ich aber als Therapeutin oder als Therapeut an diesen Abenteuern teilhaben darf, dann ist das immer eine Bereicherung und ein Geschenk für mich.