Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Traumatisierungen und ihre körperlichen Folgen

Ingrid Schmidt-Döring

17.06.2009

Ingrid Schmidt-Döring 

Worum geht´s?

Traumatisierungen beeinflussen nicht nur unseren emotionalen und mentalen Zustand, sondern auch unseren physische Gesundheit.Wenn keine andere Ursache für eine körperliche Krankheit zu erkennen ist, muss in Betracht gezogen werden, dass nachhaltiger Stress und/oder traumatische Erfahrungen maßgebliche Auslöser dieser Störungen sein können. Ein Trauma kann einen Menschen stumm und taub machen und viele unzählige sogenannte psychosomatische Störungen auch noch lange Zeit nach der erlittenen Verletzung hervorbringen.

Wenn sich Traumatisierungen im Körper manifestieren

Traumatisierungen können nicht nur viele, viele Jahre, sondern jahrzehntelang im Körper verkapselt bleiben, bevor sie die Betreffenden akut krank machen bzw. die krankhaften Körpersymptome sichtbar werden.

Durch ROMPC® lassen sich traumatische Erfahrungen, die sich auf der psychosomatischen Ebene manifestieren, transformieren. Dieses möchte ich anhand von zwei anonymisierten Fallbeispielen aus meiner psychotherapeutischen Praxis beschreiben.

Erstes Fallbeispiel

Eine 85jährige rüstige Dame, die in ihrem Leben ihren Mann bzw. ihre Frau gestanden hatte, litt seit ungefähr einem halben Jahr unter diffusen Schmerzen im Unterleib. Bevor ich mit ihr arbeitete hatte sie bereits eine medizinische Odyssee mit vielen Untersuchungen bei diversen Ärzten hinter sich. Die Schmerzen der Patientin verstärkten sich während dieser Zeit nicht nur, sondern sie nahmen ein immer größeres Ausmaß an. Eine Ursache hierfür konnte jedoch nicht gefunden. Die alte Dame war verzweifelt und zweifelte auch an sich selbst. Sie schämte sich dafür, dass es für ihr Leiden keine Erklärung gab.

Als sie zu mir kam, waren ihre Schmerzen besonders heftig. Eine weitere Untersuchung sollte am nächsten Tag in Form einer Computertomografie erfolgen. Davor fürchtete sie sich. Und zugleich war die Angst gegenwärtig, die Ärzte könnten wieder einmal keine nachvollziehbare Ursache für ihre unerträglichen Schmerzen finden. Außerdem hatte man ihr bereits gesagt, dass alle möglichen Untersuchungsmaßnahmen nun ausgeschöpft seien und dass man drüber hinaus nichts mehr für sie tuen könne.

In der Aussichtslosigkeit ihrer Lage sagte mir die Patientin: “Und wenn die jetzt auch wieder nichts finden, wer glaubt mir dann noch? Ich bilde mir meine Schmerzen doch nicht ein. Ich bin doch nicht verrückt.”

Ich bot der Frau an, Sie mit ROMPC® zu behandeln. Sie war zunächst skeptisch, willigte jedoch ein.

Nachdem ich ihre Geschichte gehört hatte, bat ich sie, das Ausmaß ihrer Schmerzen auf einer Belastungsskala von “null” bis “zehn” subjektiv einzuschätzen. Sie nannte mir dabei als Belastungswert die volle Punktzahl von “zehn”.

Nachdem ich mit der ROMPC®-Behandlung in Gestalt einiger Klopfsequenzen begonnen hatte, wurde die Patientin ruhiger. Ihre Schmerzen kamen nun in Intervallen, mehr oder weniger stark. Nach einer Weile ließen die Schmerzen sogar nach, und es tauchten innere Bilder auf.

Auf Rückfrage berichtete sie mir: “Es ist Krieg. Bomben fallen. In den Gräben liegen Verletzte und Tote. Ich bin 18 Jahre alt. Meine Mutter und ich, wir sind auf der Flucht. Wir befinden uns in Begleitung eines Obersts. Nach einem langen elenden Marsch gelangen wir an einen Ort, der mir fremd ist: eine Schlafstätte einen sicheren Ort für eine Nacht. Da erreicht uns die Nachricht, dass der Oberst abberufen wird. Das bedeutet für uns: wir müssen alleine weiter. Panik kommt auf. Und ich stelle mir immer wieder die quälende Frage: Wie kann ich uns retten?”

Dann fährt die Patientin fort: ”Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, um den Oberst an uns zu binden, damit er nicht weg geht, sondern bleibt, und uns beschützt, ist: Ich muss mit ihm schlafen.”

In der Folge berichtet die Patientin von der sexuellen Begegnung, die sie wie eine Vergewaltigung erlebt: “Es ist schrecklich, beschämend und erniedrigend für mich. Doch ich muss tun, was ich nicht wirklich will, um uns zu retten.”

Als mir die Patientin, ihre “unerhörte Geschichte” erzählte, die sie vergessen zu haben schien und die sie noch keinem Menschen mitgeteilt hatte, war sie im Kontakt mit heftigen Gefühlen von Trauer, Wut, Scham, Angst, Entsetzen, Ohnmacht und Hilflosigkeit. 

Im Rahmen der ROMPC®-Behandlung vergewisserte ich sie immer wieder, dass der Horror von einst, vorüber sei, dass ich jetzt bei ihr sei und dass ich ihr glaube, wie furchtbar das alles für sie sei, was sie mir gerade erzählt.

Unter beständigem Klopfen spezifischer Meridianpunkte fordere ich die Patientin dazu auf, mir zu erzählen was aufsteigen will - jedenfalls so lange bis sie sich allmählich beruhigt und vollends entspannt. Die Meridianpunkte, die ich dabei stimuliere sind:

  • Augenbrauen-Punkt = Trauma und Trauer
  • Augenwinkel-Punkt = Wut
  • Punkt unter dem Auge = Angst und Entsetzen
  • Punkt unter der Lippe = Scham
  • Gammut-Punkt = Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Während der Behandlung war das Gesicht der Patientin immer wieder schmerzverzerrt. Der Atem stockte. Und sie wand sich. Nach einiger Zeit flossen die Tränen. Sie zitterte am ganzen Körper. Ich hielt sie fest. Sie legte den Kopf an meine Schulter und kam langsam zur Ruhe. Ihre Schmerzen waren unterdessen vollständig verschwunden.

Vor dem Hintergrund der erlittenen Traumatisierung bekamen die schmerzhaften Körpersymptome, unter denen Sie so lange gelitten hatte, jetzt einen Sinn, indem sie sich unter der ROMPC®-Behandlung als die körperlich “eingefrorene” Verletzung, Trauer, Wut, Angst, Scham und Ohnmacht erwiesen: Gefühle, die niemals zuvor kommuniziert worden waren, die niemals zuvor ein emotionales Echo gefunden hatten und die das limbische System der Patientin über Jahrzehnte hinweg in einem chronifizierten Alarmzustand hielten, der sich über die Jahre psychosomatisch manifestierte.

Zweites Fallbeispiel

Bei dem Klienten handelte sich um einen vierzigjährigen Mann, der ein Unternehmen mit sechzehn Angestellten leitete. Der Betrieb war durch einen zahlungsunfähigen Kunden in eine Krise geraten. Da der Klient jedoch niemand entlassen wollte, suchte er nach gangbaren Möglichkeiten, um die Krise zu überwinden.

Der schwierige Prozess mit den Banken, die ihm keinen Kredit mehr gewähren wollten, brachte ihn in eine verzweifelte Situation. Aus seiner Sicht gab es für ihn offensichtlich keine befriedigende Lösung. Um sich unter dem Stress dieser äußeren Belastungen, innerlich vorübergehend Entspannung zu verschaffen, steigerte er seinen Alkoholkonsum in erheblichem Maße. Der Teufelskreis der Abhängigkeit, in den er sich dabei begab, hatte schließlich zur Folge, dass er wegen seiner schlechten psychischen und physischen Verfassung in die Klinik eingeliefert wurde.

Nachdem die medizinische Seite abgeklärt, die erhöhten Leberwerte sich normalisiert hatten und die körperliche Verfassung wieder hergestellt und es keine medizinischen Anhaltspunkte für seine zitternden Hände gab, wurde er aus der Klinik entlassen.

In dieser Verfassung kam er zu mir. Seine Hände hatte er kaum unter Kontrolle. Im Gespräch mit mir betonte er immer wieder, wie wichtig es für ihn sei ”um jeden Preis” zu verhindern, dass er seine Mitarbeiter entlassen müsse. Sie seien hervorragende Fachkräfte. Und er fürchte, die Betreffenden würden bei einer Entlassung “zusammenbrechen” und “den Boden unter den Füßen verlieren”. Und die Verantwortung hierfür wolle er nicht übernehmen. Er könne das, was er da anrichten würde, nicht ertragen. Er könne mit dieser Schuld nicht leben. Während er mir das erzählte, wurde das Zittern der Hände sichtlich heftiger und unkontrollierbarer für ihn.

Ich fragte ihn, ob er das Thema “Boden unter den Füssen zu verlieren“ kennen würde, was er unter Tränen bejahte: ”Im Alter von acht Jahren haben mich meine Eltern in ein Heim gegeben, und ich verlor jeglichen Halt. Da hatte ich keinen Boden mehr unter den Füssen. Ich fühle mich allein, und keiner ist da. Papa, Mama - alle sind weg. Ich fühle mich verlassen. Und es ist dunkel um mich herum.

Als seine Stimme versagte und die große Verzweiflung erkennbar war, in der er sich befand, reichte ich ihm meine Hand. Er schüttelte sich. Und der Sessel, in dem er saß, bebte mit einer Heftigkeit, die ich noch nie in meiner langjährigen Praxis erlebt hatte. Der zurückgehaltene Schmerz, der viele Jahre nicht ans Tageslicht kommen konnte, fand nun seinen Weg nach außen. Ich klopfte den Thymuspunkt auf dem Brustbei, gab dem Patienten Halt und sprach beruhigend auf ihn ein. Tränen flossen, und langsam kam er zur Ruhe. In dem Maße, in dem er wieder Zugang zu seiner unterdrückten Gefühlen fand, ließ das Zittern immer mehr nach. Erschöpft und überaus glücklich fing er an, mich und die Umwelt um uns herum wieder wahr zunehmen.

Auf die anstehenden unternehmerischen Entscheidungen blickte er jetzt nicht mehr in Panik. Er fand wieder Zugang zu seinen Ressourcen, indem er diverse Optionen durchspielte, wie es in seinem Betrieb weiter gehen könnte. Dabei taten sich Alternativen auf, die er zuvor nicht im Blick gehabt hatte. Das manifestierte Trauma, das den Blick für konstruktive Lösungsansätze verstellt hatte, war überwunden.