Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Sprechstunde für die Liebe: Ein innovatives Gruppenkonzept zur Paartherapie mit ROMPC®

Martina Erfurt-Weil

04.12.2009

Martina Erfurt-Weil

Weshalb ROMPC® für Paare?

Liebe fördert Gesundheit und Intelligenz. Sie ist ein Hormoncocktail aus Endorphinen, Oxytocin, Dopamin u.a., macht munter und unternehmungslustig, senkt Stress und Schmerz, fördert Lust und Kreativität, sagen die Neurobiologen.

Auch wenn die Liebe eine gute Medizin ist, kann man sie nicht in der Apotheke kaufen. Man braucht eine/n PartnerIn, die/der sich einlassen kann. Wenn die innige Begegnung schwierig wird, wenn Fragen offen bleiben wie „typisch Mann? - typisch Frau?“, greifen Verwirrung, Frustration, Sprachlosigkeit um sich. Stresshormone haben alles im Griff. Sie müssen erst einmal abgebaut werden, damit man sich wieder finden kann.

Die Entstressungstechniken des ROMPC® durch achtsames Spüren, Berühren, Bewegen machen es möglich, eine Sprache der Wertschätzung und Verbundenheit zu finden und den positiven Hormoncocktail der Liebe anzuregen.

In einem paartherapeutischen Gruppenworkshop erhalten die Paare Gelegenheit dazu, ...

  • neue Begegnungsräume, die Nähe stiften, Vertrauen vertiefen und Zeichen der Liebe setzen, zu entdecken,
  • das eigene Beziehungssystem und dessen Streitkultur zu analysieren und
  • Alternativen zu entwickeln.

Angewandt werden systemische und körpertherapeutische Verfahren, insbesondere Methoden des ROMPC®, das dazu geeignet ist, Stress in der Beziehung zu reduzieren und alte verletzungsbedingte Blockaden zu lösen.

Der Workshop

Im ersten Teil des Workshops geht es darum, die Ressourcen des Paares wieder zu entdecken und sich gegenseitig dafür wert zu schätzen, was jede/r in die Beziehung einbringt. Gerade auch die Beiträge sind gefragt, die scheinbar nicht der Rede wert sind. Diese Übung, die wir Paaren auch außerhalb unseres Workshops immer wieder empfehlen, dienen dazu, das "Paarkonto" aus dem "Soll" ins "Haben" zu holen. Beziehungsbedürfnisse nach Anerkennung und Bestätigung können damit weitgehend erfüllt und der Beziehungsstress und die Konfliktanfälligkeit des Paares reduziert werden. Darüber hinaus dient der wechselseitige Austausch über das Beziehungsinvestment, das beide einbringen, als vertrauensbildende Maßnahme, die gerade beim Vorliegen erheblicher Partnerschaftskonflikte von Vorteil ist, wenn es im Folgenden darum geht, konstruktive Klärungen herbei zu führen.

Allerdings greifen diese Maßnahmen nur bedingt. Wenn chronische oder akute Verletzungsthemen im Vordergrund stehen, die von destruktiven Verstrickungen, negativen Gefühlen, Rückzug und Frustrationen begleitet sind, dann sind verhaltenstherapeutische Interventionen zur Psychohygiene des Paares meist nicht ausreichend. Bevor die Partner neues Verhalten im Umgang miteinander einüben können, brauchen sie Entstressung auf der limbischen Ebene. Durch vernünftige Einsicht allein sind die gewünschten Veränderungen kaum zu erzielen. Denn unter hohem Stress springen die automatisierten limbischen Stressreaktionen immer wieder an. Und das ist keine Sache des Willens und der Vernunft.

Die einen ziehen sich dann in ihr Schneckenhaus zurück, leiden still oder vorwurfsvoll vor sich hin. Die anderen geraten in eine ärgerliche vorwurfsvolle Stimmung und werden laut. Das beliebte Beispiel von dem Mann, der ins Wirtshaus geht und seiner schimpfenden Frau, die zu Hause bleibt, kann man hin und her deklinieren. Die Frau schimpft, weil er ins Wirtshaus geht. Er geht ins Wirtshaus, weil sie schimpft. Solche Regelkreisläufe zu durchschauen, ist vorerst hilfreich. Denn der Verzicht von Schuldzuweisungen ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, von dem beliebten Spiel "Du musst dich ändern, damit ich glücklich werde" weg zu kommen. Verantwortung für Veränderungen oder für Stillstand in der Partnerschaft tragen stets beide.

Die unproduktiven Konfliktverläufe, die jeweils dem anderen die Verantwortung geben, entspringen einem erlernten Verhaltensrepertoire, das in der Regel viel älter ist als die Paarbeziehung und schon in der Kindheit eingeübt und / oder kopiert worden ist. Wechselseitige Schuldzuweisungen dienen dazu, sich von der eigenen Angst und dem eigenen Schmerz abzulenken, der durch unerfüllte Beziehungsbedürfnisse häufig als Kind entstanden ist.

Um der eigenen Verletzungsgeschichte in einem stressreduzierten Rahmen auf die Spur zu kommen, werden die Paare in einem zweiten Teil des Paarworkshops in eine Frauengruppe und eine Männergruppe aufgeteilt. So kann jeder Partner im Schutze der Kleingruppe seine lebensgeschichtlichen Verletzungen mit Hilfe der Entstressungstechniken des ROMPC® bearbeiten. Nämlich jene lebensgeschichtlichen Verletzungen, die im Ursprung für das Entstehen der destruktiven Kommunikationsmuster verantwortlich sind und die in der gegenwärtigen Paarbeziehung immer wieder auf´s Neue reaktiviert werden.

Gewöhnlich stellen Teilnehmer unserer Paarworkshops fest, dass er / sie vielfach den gegenwärtigen Konflikt mit der Brille des kleinen Kindes oder eines früheren Elternteils anschaut. Das "emotionale" Gedächtnis des limbischen Systems innerhalb unseres Gehirns kann nämlich nicht zwischen der Angst einer Dreijährigen, die erlebt, dass sich die Eltern lautstark streiten und im Begriff sind, sich voneinander zu trennen, und der heutigen Angst der 50-jährigen Ehefrau bei einem lautstarken Streit mit ihrem Mann unterscheiden.

Um bei diesem Beispiel zu bleiben: In beiden Situationen hat die Ehefrau starke Verlustängste und Schuldgefühle und wird sich entsprechend so verhalten, wie es früher von Vorteil war - zum Bespiel: keinen Anlass zu zusätzlichem Ärger geben; sich klein und unscheinbar machen; verzweifeltes Klammern; krank werden; gekränkt vor sich hin schmollen; den Ärger zurückhalten und in sich hinein fressen etc. Denn die inzwischen 50-Jährige hat gelernt, ihre Verlustängste nur noch "verschlüsselt" zu kommunizieren, - so verschlüsselt, dass wiederum ihr Partner ihre wirklichen Gedanken und Gefühle nicht lesen kann und im Blick auf ihre eigentümlichen Verhaltensweisen seinerseits nur negativ reagieren zu können glaubt.

In diesem Fallbeispiel besteht die eigentliche Verletzung dieser Frau darin, dass die Gefühle des Kindes durch seine Eltern, die im Streit nur mit sich selbst beschäftigt waren, keine Beachtung fanden: die Angst, der Schmerz, die Einsamkeit. Um sich selbst drehend hatten sie sich nicht darum gekümmert, was ihr Verhalten bei ihrem Kind seinerzeit auslöste.

Kinder sind lernfähig. Was die von uns beschriebene Klientin notvoll lernte, war: “Ich darf nicht darüber sprechen, weil es niemanden interessiert und weil mir am Ende ohnehin nicht geglaubt wird. Es hat keinen Zweck, darüber zu sprechen, weil ich die anderen ohnehin nicht erreiche und ein Entgegenkommen nicht zu erwarten ist. Folglich muss ich alles mit mir alleine ausmachen." Mit diesem verinnerlichten Rückzugsverhalten ging sie später auch in andere sowie in ihre partnerschaftlichen Konfliktsituationen.

In traumatherapeutischer Einzelarbeit in der Kleingruppe werden solche und ähnliche Kindheitsverletzungen jedes Partners erarbeitet und mit ROMPC® behandelt. Zum einen werden auf diesem Wege die "inneren Kinder" in den Erwachsenen ernst genommen: das "Aua" wird ihnen geglaubt, und ihre Beziehungsbedürfnisses werden beantwortet, sodass sie sich jetzt nicht mehr ängstigen müssen. Zum anderen wird das limbische System durch geeignete Entkopplungstechniken beruhigt. In der eintretenden Entspannung wird es möglich, die Entscheidungen der Kinder von damals heute noch einmal zu überprüfen und sich als Erwachsene dahingehend Klarheit zu verschaffen, welche dieser Entscheidungen im Blick auf die aktuelle Partnerschaft hilfreich sind und welche nicht.

Im dritten Teil der Veranstaltung tauschen sich die Partner dann als Paar darüber aus, wie sie mit ihrer Verletzungsgeschichte immer wieder zu Mißverständnissen in der Partnerschaft beitragen und in welchen Situationen sie besonders verletzbar sind und weshalb. Beide Partner erarbeiten Vereinbarung darüber, ...

  • wie sie sich künftig gegenseitig unterstützen können, um nicht immer wieder in die alte Verletzungsdynamik zu geraten und
  • wie sich sich mitteilen, was sie eigentlich voneinander brauchen, - insbesondere dann, wenn die alten Wunden angetriggert werden.

Auf der Basis von klaren Absprachen ist es hierbei völlig legitim, auch als Erwachsener gelegentlich den regressiven Bedürfnissen des inneren Kindes Raum zu geben, um vom Partner darin verstanden und aufgefangen zu werden, - jedenfalls so lange bis diese Bedürfnisse soweit erfüllt sind, dass eine spürbare Entlastung eintritt und man sich wieder "erwachsen" aufeinander beziehen kann.

Fazit

Paartherapie in Kombination mit ROMPC® ist eine effektive und nachhaltige Herangehensweise, um Paaren zu einer glückenden Partnerschaft zu verhelfen.