Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

”Hilfe, ich muss es immer wieder tun”: ROMPC® bei Zwängen

Thomas Weil

27.12.2009

Thomas Weil

Worum geht´s?

Der innere Zwang, etwas immer wieder tun zu müssen - und zwar unabhängig davon, ob es Sinn macht oder nicht, macht Menschen zu Sklaven ihrer selbst. Zwänge ...

  • beeinträchtigen die Lebensqualität,
  • reduzieren die Lebenslust,
  • mindern die Fähigkeit, Herausforderungen spontan und flexibel zu meistern und
  • verhindern, Beziehungen offen und zugewandt zu gestalten.

Der beziehungsorientierte Ansatz des ROMPC® kann dabei helfen, frei von diesen irrationalen Zwängen zu werden.

Zwänge

Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden unter sog. „Zwangsstörungen“. Die Betroffenen berichten von einem inneren Drang, bestimmte Dinge denken oder tun zu müssen, die oft von ihnen selbst als übertrieben oder sinnlos erlebt werden. Wenn wir den Formenkreis der sog. „zwanghaften Persönlichkeitsstörungen“, der differentialdiagnostisch von den Zwangsstörungen in klinischer Hinsicht abzugrenzen ist, zu dem genannten Störungsbild hinzu rechnen, werden wir von einer weitaus größeren Bevölkerungsgruppe auszugehen haben, die unter heftigeren oder milderen Beeinträchtigungen durch Zwänge bzw. Zwangsthemen leidet.

Zwangsgedanken

Zwangsgedanken werden unterschieden in ...

  • Zwangsideen (z. B. die immer währende Befürchtung, etwas falsch gemacht zu haben)
  • Zwangsimpulse (z. B. beim Verlassen des Hauses wider besseren Wissens wiederholt zu überprüfen, ob der Küchenherd ausgeschaltet und die Haustür verschlossen ist)
  • Grübelzwang (z. B. das zwanghafte Durchdenken sich wiederholender Gedankenschleifen, ohne dass ein Entscheidung herbei geführt wird)

Zwangshandlungen

Zu den charakteristischen Zwangshandlungen gehören:

  • Reinlichkeitszwang
  • Kontrollzwang
  • Berührungszwang
  • Zählzwang
  • zwanghaftes Wiederholen von Sätzen und Melodien

Die zwanghafte Persönlichkeit

Zu den bekanntesten Phänomenen der zwanghaften Persönlichkeitsstörung gehören ...

  • übertriebener Perfektionismus
  • emotionale Rigidität
  • übertriebene Gewissenhaftigkeit
  • starre Moralität
  • Sammelwut
  • ausgeprägter Eigen- bzw. Starrsinn

Beziehungsdiagnostik

Während die klassische Diagnostik überwiegend symptomorientiert und somit auch „ein-personen-psychologisch“ ansetzt, lässt sich ROMPC® bei der Beurteilung von Krankheits- und Beschwerdebildern von einer „beziehungs-psychologischen“ bzw. „beziehungs-diagnostischen“ Betrachtungsweise leiten.

„Wir sind durch Beziehung krank geworden, also werden wir auch durch Beziehung wieder gesund.“ Im Einklang mit dieser ROMPC®-spezifischen Grundannahme stellen sich bei der Behandlung von Zwängen für den ROMPC®-Therapeuten zwei beziehungsdiagnostische Grundfragen:

  • Welche verletzenden Beziehungserfahrungen haben bei den betreffenden Patienten dazu geführt, im Sinne von „Schutz- und Schonhaltungen“ kompensatorisch Zuflucht in den beschriebenen Zwangsmustern zu nehmen?
  • Wie kann die professionelle Beziehung im Sinne „antithetischer Beziehungsangebote“! so gestaltet werden, dass das limbische System der betreffenden Patienten oder Klienten wirksam ent-stresst wird und der blockierte Ressourcen-Zugriff auf alternative Optionen des Denkens, Fühlens und Verhaltens frei wird.

Gegenübertragungsanalytische Aspekte

Patienten mit Zwangsthemen stellen meiner Erfahrung nach eine besondere Herausforderung für den Therapeuten dar. Der innere Druck, unter dem diese Patienten gewöhnlich stehen, provoziert - gegenübertragungsanalytisch betrachtet - bei den meisten Behandlern früher oder später ebenfalls eine unangenehme Druckreaktion: nämlich wachsenden inneren Druck, etwas machen zu müssen, um den Patienten von seiner lästigen Zwangssymptomatik zu befreien. Der wachsende Druck und die steigende Ungeduld im Therapeuten ist meines Erachtens nach oft das größte Problem bei der Behandlung von Zwangskranken. Wenn der Behandler selbst in die zwanghafte Druckspirale gerät, kann er nur dazu beitragen, die Zwangssymptomatik seines Patienten zu verstärken.

Beziehungsanalytische Aspekte

Wenn es uns nicht gelingt (z. B. durch eigene Selbstbehandlung mit ROMPC®), uns als Professionals von diesem übernommenen Druck und der Ungeduld zu befreien und zur eigenen Gelassenheit zu gelangen - auch und gerade was unsere therapeutische Dienstleistung betrifft, dann verbünden wir uns zwangsläufig auf unbewusstem Niveau mit den einstigen Elternfiguren dieser Patienten. Der Druck unter dem die Zwangskranken stehen, ist - beziehungsanalytisch betrachtet - in der Regel ein Reflex auf den Druck, dem die Betreffenden ausgesetzt waren und der jene “anale Fixierung” nahe legte, die wir eine Zwangsthematik nennen.

Kurz: Mit unserem eigenen Druck verstärken wir im Sinne eines destruktiven Parallel-Prozesses jenen inneren Druck, unter dem der Zwangskranke schon immer stand. Und damit ist überhaupt nichts gewonnen.

Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass den Zwangsstörungen Angst-Thematik zu Grunde liegt: von den Zwangssymptomen zu lassen, ist für die Betreffenden mit großer Angst verbunden. Beziehungsanalytisch wird man hierbei sicher davon ausgehen können, dass Zwangshandlungen einen kompensatorischen Versuch darstellen, erlittene Verunsicherungen (i.e. das frustrierte “Beziehungsbedürfnis nach Sicherheit”) auszugleichen und die damit verbundenen existentiellen Ängste zu kontrollieren: “Ich schaffe mir zwanghaft Sicherheit, weil ich zutiefst verunsichert bin / wurde.” Ent-ängstigende Interventionen in Gestalt der Entkoppelungstechniken des ROMPC® können dem Zwangskranken hier eine gewisse Erleichterung bringen.

Therapieplanerische Überlegungen

Bei Zwangskranken können wir nicht auf kurzfristige Behandlungserfolge hoffen. Und das hat meines Erachtens nach einen Grund, der in der Besonderheit dieser Störung zu suchen ist: Zwangskranke sind aus der Bindung gefallene Kinder. Der Druck, die Ungeduld und die Beschämung, denen die Betreffenden meist ausgeliefert waren, haben das Vertrauen in tragfähige Bindungen destruiert. Noch einmal beziehungsanalytisch betrachtet: Das “Beziehungsbedürfnis nach Vergewisserung”, durch dessen kontinuierliche Befriedigung Bindung erst aufgebaut und gehalten werden kann, wurde zutiefst missachtet.

Wenn der Zwangskranke uns damit “nervt”, dass er uns nach kurzen therapeutischen “Erfolgen” immer wieder dieselben Zwangsbeschwerden präsentiert, dann teilt sich uns damit seine “unerhörte Geschichte” mit. Eine unerhörte Geschichte, die durch konsequente Wiederholung der wiederkehrenden Beschwerden nach kontinuierlicher Vergewisserung, das heißt: nach Bindung geradezu schreit.

Hier sind therapeutische Konfrontationen und Vorwürfe an die Adresse des Patienten, er sei angeblich im Widerstand, absolut kontra-indiziert, weil wir uns damit ebenfalls in einen destruktiven Parallel-Prozess begeben, der bindungszersetzende Wirkung hat.

Antithetische Beziehungsgestaltung

Antithetische Beziehungsgestaltung im Sinne des ROMPC® bedeutet in diesem Zusammenhang: den beständigen Wiederholungsschleifen des Patienten geduldig, wohlwollend und kontinuierlich zu folgen - selbst dann, wenn wir uns dabei in dem was wir sagen und tun, wiederholen. Vergewisserung lebt eben von kontinuierlicher Wiederholung. Und das allein schafft die Bindung, die der Patient zu uns braucht, um an uns bzw. in der Beziehung zu uns genesen zu können.

Diese Vergewisserung braucht Zeit. Die Zeit, die wir dem zwangskranken Patienten schenken bzw. die wir ihm lassen, ist meines Erachtens nach das beziehungsorientierte Therapeutikum schlechthin. ROMPC®-Therapeuten, die es da eilig haben oder die ihren eigenen Erfolg daran messen, schnell zum Ziel zu kommen, müssen bei Zwangskranken zwangsläufig scheitern.