Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

ROMPC® und Pferde – (k)eine galoppierende Gruselfantasie

Susanne Hillebrecht

22.03.2012

Susanne Hillebrecht

Erfahrungen mit einer neuen  Methodenkombination in Beratung, Coaching und Psychotherapie

Seit etwa 5 Jahren arbeite ich in meinen Beratungen und Coachings gerne mit Hilfe meiner 4 Pferde, weil diese Methode mir wertvolle diagnostische Hinweise gibt und für den Prozess intensive Impulse setzen kann. - Und, weil es solche Freude macht!

Es gibt viele Anbieter in diesem Bereich, die methodisch sehr unterschiedlich vorgehen. In meinem Konzept spielen die Förderung der Körperwahrnehmung und des Körperausdrucks eine bedeutsame Rolle. Außerdem arbeite ich vorwiegend in sehr kleinen Gruppen oder in Einzelcoachings und Einzelberatungen, um der Komplexität der Abläufe gerecht werden zu können.Seitdem ich auch mit dem ROMPC arbeite, kann ich beide Methoden auf wirkungsvolle Weise miteinander verbinden, wobei es vom Prozess abhängt, an welcher Stelle die jeweilige Methode zur Anwendung kommt.

Warum eignen sich eigentlich Pferde für diese Arbeit?

Pferde sind Beutetiere und Fluchttiere, also hängt ihr Überleben von einer schnellen und präzisen Wahrnehmung von Körpersprache, Körperspannung und Ausstrahlung ihres Gegenübers ab.

Ihr extrem feines Gespür ermöglicht ihnen ein schnelles, tiefgehendes Erfassen ihres Gegenübers, was sich in ihren Reaktionen abbildet. Ihr Neocortex ist nicht dazu geschaffen, komplizierte Konzepte, moralische Systeme und Projektionen zu bilden, so dass sie auf Menschen völlig unverstellt reagieren. Sie leben in ständiger Präsenz im Hier und Jetzt und ihre Reaktionen sind wie ein Spiegel, den ich in dieser Arbeit nutze.

Pferdegestützte Beratung und Coaching mit ROMPC®

In der Arbeit mit Pferden können unterschiedliche, oft sehr grundlegende seelische Themenbereiche berührt, bewegt und dann bearbeitet werden. Durch die lebendige Interaktion mit dem Tier kommen die Themen der Klienten ganzheitlich ins Erleben, denn sie müssen gerade auch emotional und körperlich sehr präsent sein und wirklich in Beziehung treten.

Pferde machen sich nun mal nicht so viel aus Theorie und kognitiven Argumenten. Dies passt sehr gut mit dem ROMPC® zusammen, das ebenfalls viel Wert auf die limbische Ebene und auf die Körperwahrnehmung legt.Die Beziehungsorientierung des ROMPC® und der Arbeit mir dem Pferd ergänzen und verstärken sich gegenseitig.

Klienten können durch speziell abgestimmte Übungen mit dem Pferd durch viele unterschiedliche Interaktionssituationen begleitet werden und können z.B. Gefühle wie Sorge, Angst, Ärger etc. erforschen und durch die stützende Begleitung der Therapeutin bei Bedarf modifizieren.

Das ROMPC® kann hier ganz individuell zum Einsatz kommen. Gefühle, die als schwierig und beunruhigend erlebt werden, können gewürdigt und von blockierenden Bewertungen entkoppelt werden. Die Pferde verstärken dies, denn sie bewerten Gefühle nicht moralisch, sondern nehmen sie als bedeutsame, Orientierung gebende Signale.

Pferde reagieren positiv auf klare Gefühle, Inkongruenz und emotionale Verwirrung sind ihnen unangenehm, da sie als Fluchttiere stets sofort richtig reagieren müssen, um nicht gefressen zu werden. Unklare Signale wären für sie im Herdenverband in einer Gefahrensituation lebensbedrohlich. Deshalb verstärken sie bei Klienten die Klarheit des Gefühlsausdrucks, indem sie bei Inkongruenz beispielsweise mit Rückzug oder Genervtheit reagieren.

Pferde spiegeln so oftmals Gefühle beim Klienten, die ihm selbst nicht bewusst und der Therapeutin oft auch nur schwer zugänglich sind. Was hier ins Erleben kommt, kann mit ROMPC® hilfreich weiter bearbeitet werden. Wenn die Gefühle durch das Klopfen von Meridianpunkten klarer geworden sind, bildet sich das sofort in den Reaktionen des Pferdes ab und macht den Prozess real sichtbar. Dies erleben Klienten meist mit Freude und Verblüffung.

Pferde geben somit ein ständiges Feedback und trainieren Bewusstheit, Gefühlsmanagement und gute Kontaktgestaltung. ROMPC® bietet hier mit dem Trouble shooting ein geeignetes Instrument zur Verankerung und Vertiefung solch positiver Selbsterfahrung.

Am Pferd muss man seine Impulsivität kontrollieren, d.h. Klienten erhalten ein sofortiges, eindeutiges Feed back zu unangemessenen Gefühlsausdrücken . Sie sind gezwungen, ihr Gegenüber wirklich wahrzunehmen, es zu respektieren und dies sofort zu tun.

Dieser anti-narzisstische Effekt holt Klienten sukzessive aus ihrer möglicherweise überbetonten Eigendrehung. ROMPC® kann an dieser Stelle unterstützend bei der Affektdifferenzierung wirken und bietet verschiedene Instrumente zur vertiefenden Bearbeitung solcher Probleme. Insbesondere denke ich hier an die heilsame Beziehungserfahrung mit der Beraterin oder Therapeutin, an die Arbeit mit dem inneren Team und an Behandlungsrituale wie das Schließen der inneren Tür.

Selbstwirksamkeit wird intensiv erfahrbar, da Pferde Entschlossenheit in Verbindung mit Respekt sehr schätzen. Dies gibt ihnen als Fluchttieren Sicherheit und Sicherheit ist ein tiefes Grundbedürfnis.

Das Erleben von Selbstwirksamkeit ist durch geeignete Übungen am Pferd vergleichsweise schnell herzustellen und für die Klienten auch sichtbar. Hier werden oft intensive Gefühle von Vitalität ausgelöst und die Klienten merken manchmal gar nicht das Strahlen auf ihrem Gesicht. Ich konnte anschließend häufig erleben, dass  Klienten ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie bemerken, wieviel Freude es ihnen gemacht hat, mal „der Bestimmer“ zu sein. Dies kann gut bearbeitet werden, weil das Pferd positiv darauf reagiert, wenn der Klient klar zeigt, was er will. Die Klienten erfahren dabei, dass ihre Klarheit bzw. Entschlossenheit die Würde des Anderen nicht verletzt, sondern Sicherheit und Orientierung geben kann. ROMPC® ermöglicht eine differenzierende und vertiefende Nachbearbeitung dieser Erfahrungen im wertschätzenden Beratungsgespräch und dient zur Verankerung mithilfe passender Klopftechniken.

Angemessenes, respektvolles Grenzen Setzen und auch das Einfordern von Respekt ist zentrales Thema im Umgang mit Pferden und kann im Umgang mit ihnen erfahrbar gemacht und nachhaltig gefördert werden.

Um ein Pferd gut zu führen, braucht es klare Absichten und Ziele und einen klaren Selbstausdruck, so dass die Klienten angeregt werden, sich zu zentrieren und selbst stark zu spüren.

Klienten müssen Gefühle von Angst, Unsicherheit und Ambivalenz überwinden, um den Respekt des Pferdes zu erhalten. Den Umgang mit diesen Gefühlen kann man in angemessener Dosierung mit den Klienten üben, wobei es wichtig ist, den Angstpegel stets so niedrig zu halten, dass Lernprozesse nicht durch Stresshormone behindert werden. Hier begleite ich die Klienten eng am Pferd, biete positive – manchmal korrigierende – Beziehungserfahrungen, Sicherheit, Schutz und die Möglichkeit zur Vergewisserung.

Der Kontakt mit dem Pferd fördert also bei den Klienten, emotionelle und körperliche Erregungszustände zu handhaben. Auch hier liegt ein durch ROMPC® gut beeinflussbarer Einsatzbereich vor, weil es oft um Verunsicherungen durch alte Gruselfantasien geht.

Ein spezielles Trauma wird mir übrigens auffällig oft berichtet: Klienten sind als kleine Kinder von Bezugspersonen einfach so auf ein Pferd gesetzt worden mit den Worten: „Nun reite mal.“ Man kann sich vorstellen, wieviel Angst und Unwirksamkeit dabei meistens ausgelöst wurden, die zu einer tiefsitzenden Erfahrung von Ohnmacht führten.

Erfahrungen mit Nähe und Distanzregulierung können gemacht werden, wobei es von Vorteil ist, dass mögliche Kränkungen, beispielsweise wenn das Pferd Desinteresse oder Missfallen zeigt,  deutlich weniger schmerzlich empfunden werden als in der Interaktion mit Menschen. So können sie als Signale zum Lernen genutzt werden.

Oft habe ich Klienten beobachtet mit starken Symbiosewünschen, die sehr eindeutig und intensiv sind und auf die das Pferd meist auch intensiv eingeht. Es entsteht dann ein „Traumpaar“ und die Klienten wollen das Pferd am liebsten mit nach Hause nehmen. Es ist sehr wertvoll, diese Symbiosewünsche so klar zu erkennen und zu würdigen. Wenn diese „Traumpaare“ dann eine Aufgabe bekommen, die eine klare Führungsrolle des Klienten erfordert, z.B. als Chef, Elternteil, Pädagoge, wird sofort spürbar, wie schwer es sein kann, aus der Symbiose herauszutreten. Hier kann viel Bewusstheit über die eigene Nähe- Distanzregulierung entstehen. Durch ROMPC® können diese Beziehungswünsche bearbeitet werden. Die Arbeit mit dem inneren Kind, das vielleicht in verschiedener Hinsicht nicht „satt geworden“ ist, bietet sich an. Aber auch viele andere Mitglieder des Inneren Teams können hier auftreten.

Kontrollbedürfnisse können bearbeitet werden. Es kann erfahrbar werden, das Pferd so sein zu lassen, wie es ist. Es ist niemals perfekt kontrollierbar, sondern auf einer tieferen Ebene des Spürbewusstseins bleibt ganz klar, dass da ein 600 Kilo schweres Tier neben einem steht, das sehr impulsiv und triebgesteuert reagieren kann. Dies erfordert Respekt vor dem Sosein des Geschöpfes und Achtsamkeit und Kenntnisse im Umgang, wenn die Beziehung beiden Seiten Freude machen und kein unterdrückerisches Machtgebaren  im Mittelpunkt stehen soll. Das Bewusstsein der eigenen Grenzen wird hier spürbar und lehrt einen gelasseneren Umgang mit möglicherweise vorhandenen perfektionistischen Ansprüchen an sich selbst.

Hinweis

Wertvolle Anregungen für meine pferdegestützte Arbeit habe ich u.a. hier gefunden:

Linda Kohanov
Das Tao des Equus

Fachgruppe Arbeit mit dem Pferd in der Psychotherapie (FAPP) und
Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V. (DKThR).
Psychotherapie mit dem Pferd.
Beiträge aus der Praxis