Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Brennende Fackel - Wegweiser in der Dunkelheit. ROMPC® Fallskizze

Sandra Götzinger

Sandra Götzinger

Heinz-Günter Andersch-Sattler

Heinz-Günter Andersch-Sattler

21.04.2015

Brennende Fackel - Wegweiser in der Dunkelheit
ROMPC® Fallskizze von Sandra Götzinger
mit einem Vor- und Nachwort von Heinz-Günter Andersch-Sattler

1. Vorwort zur ROMPC® Fallskizze
Die folgende Darstellung einer Psychotherapie mit ROMPC® entstammt einer Präsentation aus einem Abschluss-Kolloquium der Ausbildung am SynTraum-Institut. Die anonymisierte Veröffentlichung geschieht mit Erlaubnis der Patientin. 
Ich fand es wert, die Darstellung anderen zugänglich zu machen, weil es sich um eine exemplarische Dokumentation der schnellen Wirksamkeit von ROMPC® handelt. Innerhalb von gut drei Monaten fanden sechs Sitzungen statt, die hier dokumentiert werden. 
Die vorliegende körperliche Symptomatik der Patientin ließ sich mit den üblichen medizinischen Therapien nicht beeinflussen. An dieser Stelle war es hilfreich - wie gleich in der ersten Sitzung zu sehen ist -, dass die Therapeutin durch Tests herausarbeiten konnte, dass die vorliegende Symptomatik am besten über den Lungenmeridian zu bearbeiten sein sollte. Das heißt: es zeigte sich, dass das Beschwerdebild eher Ausdruck einer psychischen Belastung war, die in den folgenden Sitzungen an die Oberfläche tritt und erfolgreich behandelt wird. 
Die Kollegin, Sandra Götzinger praktiziert in eigener Praxis in München und arbeitet dort auch mit Verfahren wie miasmatische Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Shiatsu.

2. Fallskizze “Wie die brennende Fackel zum Wegweiser in der Dunkelheit wird"

Die Patientin
Petra K. (Name geändert)
Mutter von zwei Kindern 18 und 15 Jahre
verheiratet, meist glücklich
sehr tierlieb
hohes Verantwortungsbewusstsein
Krebstod der Mutter vor 1,5 Jahren
plötzlicher Tod der Schwester nach OP vor 6 Monaten

Anliegen und Diagnose
schon seit längererer Zeit Schmerzen hinter dem Brustbein

Ärzte finden keine Ursache
Patientin wurde auf Helicobakter Pylori behandelt

(ein Bakterium, das den Magen besiedeln kann und häufig vorkommt)
Herz- und Lungenerkrankungen wurden medizinisch ausgeschlossen
Angst, dass "etwas Ernstes" sei und ihr niemand helfen könne
wie sich noch zeigen wird, handelt es sich bei den genannten Beschwerden
 um einen körperlichen Ausdruck unverarbeiteter Angst und Trauer um den Tod der Mutter. 
Der psychosomatische Zusammenhang ist der Patientin nicht bewusst, zumal sie angibt, die zurückliegenden Verlusterfahrungen gut verkraftet zu haben.

1. Sitzung

Subjektives Beschwerdebild:
Schmerzen hinter dem Brustbein
Angst, dass es "etwas Ernstes" sei

Muskeltest:
Die kinesiologische Testung ergab, dass der Lungemeridian betroffen war, was zur ersten Beruhigung der Patientin beigetragen hat und für mich ein weiterer Hinweis darauf war, dass hinter dem körperlichen Symptom wohl die Trauer um die Mutter stehen wüde.


Interview: 

Angst, dass da etwas „ist“ - vor allem 
beim Autofahren, Reiten, …
Beschwerden schon seit längerer Zeit vorhanden

keine näheren Angaben möglich


Eigene Lebensgeschichte: 

9 – 10 Jahre, alleine
Die Patientin erinnert sich, dass Sie sich bei einem Fahrradunfall den Hals aufgeschnitten habe.
Ihr Vater habe Ihr daraufhin ein Handtuch gegeben und sie ins Krankenhaus gefahren.

ROMPC®-Behandlung: 

Trauma (BL), Angst (Mg) , Unsicherheit(UN)
Ich klopfe und spreche über den damaligen Unfall und erkenne Ihre Angst und Unsicherheit an. Die Patientin fühlt sich danach leichter. 

Schmerz hinter der Brust etwas weniger. 

Die Patientin ist allerdings darüber verwirrt, dass dieser Unfall von damals etwas mit den Problemen von heute zu tun haben könne - vor allem weil sie das Ereignis als "nicht so tragisch" in Erinnerung habe.
Die Patientin will in zwei Wochen wieder kommen.

2. Sitzung

Subjektives Beschwerdebild:
Die Patientin gibt an, dass die Schmerzen hinter dem Brustbein wieder schlimmer geworden seien.

Chips, Kaffee, familiärer Ärger würden die Beschwerden verschlimmern.

Die Angst, dass es "etwas Schlimmes" sei, sei allerdings nur noch reduziert vorhanden.


Interview:
Die 
Patientin fühle sich "immer für alles zuständig" seit sie 16 Jahre alt sei. 

Die ältere Schwester sei das „Schwarze Schaf“ der Familie gewesen.
Die Mutter sei immer sehr stolz auf die Patientin gewesen, weil Sie “so vernünftig” gewesen sei und sich “um alles gekümmert” habe.
Die Patientin fühle sich alleingelassen mit der ganzen Verantwortung für ihre jetzige Familie und von Ihrem Mann und von ihren Kindern nicht gewertschätzt. 


Primärer Behandlungsfokus:

Alleingelassen vom Ehemann

Muskeltest: 

schwache Testung bei eigener Lebensgeschichte
17 -18 Jahre
damaliger Freund (= erster richtiger Freund)
Patientin erinnert sich, dass immer der beste Freund Ihres damaligen Freundes mit dabei gewesen sei.

Hypothese:

Die Patientin hat sich nicht „ausreichend“ bzw. gut genug gefühlt
validiert durch Belastungsskala (9)

ROMPC®-Behandlung:

Traurigkeit (BL), Wut (Gb), Scham (UL), Selbstwert (AR) auf der rechten Seite

Selbst- und Fremdverzeihung auf der linken Seite

ergänzend zur Klopfbehandlung Entkoppeln durch induzierte Augenbewegungen und Blinzeln
Die Gedanken der Patientin richteten sich während der Behandlung auf lebensgeschichtliche Ereignisse, die der dieser ersten freundschaftlichen Beziehung folgten.
Im Blick auf die Zukunft bleibt die Verantwortung für Ihren Mann noch offen. 
Erneute Validierung auf der Belastungsskale (3)

3. Sitzung

Subjektives Beschwerdebild:

Die Patientin gibt an, sehr schlecht zu schlafen


Interview: 
Patientin wache nachts auf und dann käme die Angst vor der Angst
das führe bei ihr zu Enge in der Brust (Beklemmung)

Muskeltest: 
schwache Testung bei eigener Lebensgeschichte

Mutter im Krankenhaus, die keine Luft bekommt
große Angst der Patientin davor, dass die Mutter qualvoll ersticken müsse und weder Sie noch die Ärzte ihr helfen oder dies verhindern könnten

ROMPC®-Behandlung: 
Hilflosigkeit (Scheitel), Trauma (BL), Angst (Mg), Schuldgefühl und Selbstverzeihung (Di)
ergänzend zur Klopfbehandlung Entkoppeln durch induzierte Augenbewegungen und Blinzeln sowie tiefes bewusstes Ein- und Ausatmen.
Die Patientin muss während der Behandlung sehr weinen, berichtet jedoch, sich danach sichtlich erleichtert zu fühlen.

Hausaufgabe: 
bei nächtlichem Erwachen tief über die Nase einatmen und über den Mund ausatmen mit dem Gedanken des Loslassens - dabei gleichzeitiges Thymusklopfen 

4. Sitzung

Subjektives Beschwerdebild:
Die Patientin gibt an, dass der Schlaf besser geworden sei.
Im Vordergrund stände jetzt vor allem das “Brennen” (“wie eine Fackel”) hinter dem Brustbein bis hoch zum Hals.

seit ca. 3 – 4 Tagen

Pantoprazol helfe nicht

Das Weglassen von Chips, Kaffee würde auch nichts helfen.
Die genannten Beschwerden träten vermehrr auf, wenn sie sich aufrege: "Wenn ich mich über etwas aufrege, wird alles schlimmer."
Aktueller Anlass der Aufregung: Streit der älteren Tochter mit ihrem Freund

Interview: 
Da nichts helfe, was sie ausprobiert habe, habe Patientin große Angst, ...
- dass Sie evtl. doch Krebs habe
- dass sie sterben würde und ihre Kinder das gleiche aushalten müssten wie sie mit ihrer Mutter
- dass sie ausgeliefert sei und qualvoll „verrecken“ müsse wie Ihre Mutter.
Patientin berichtet, “so eine Ahnung" zu haben, dass es etwas Schlimmes sei. 
Und ihre Ahnung sei ja damals bei Ihrer Mutter auch zutreffend gewesen.

Muskeltest: 
schwache Testung bei Glaubenssatz: „Ich habe Angst davor, dass ein „einfaches“ Symptom plötzlich eine tödliche Krankheit ist / Wendung nimmt.“

ROMPC®-Behandlung: 
Die Patientin spricht den Glaubenssatz, und ich klopfe alle Punkte auf beiden Seiten.
Ergänzend zur Klopfbehandlung: Entkoppeln durch induzierte Augenbewegungen
Das Brennen sei deutlich weniger geworden, sagt die Patientin.
Die Fackel ist der Indikator für die Themen die es zu behandeln gilt und zeigt den Weg auf.
Damit bekommt das Brennen eine positivere Verknüpfung.
Außerdem wird die Fackel in einer Halterung abgelegt, wenn es gerade zu störend ist - z.B. wenn die Patientin gerade beim Reiten ist.
Somit hat sie jetzt die Kontrolle über die Fackel, was ihr Sicherheit gibt.

5. Sitzung

Bericht der Patientin:
Die Fackel sei nicht mehr aufgetaucht

Interview: 
Die Patientin kommt nur schwer zum Punkt.
Sie berichtet, dass die älteste Tochter alleine nach Kanada will. 
Die Patientin habe irgendwie ein großes Problem damit, verstehe dies aber nicht wirklich, zumal sie es eigentlich super fände, was die Tochter da vorhabe.
Nach längerem Nachfragen ist klar, dass die Patientin Angst hat, dass ihre Tochter es dort nicht aushielte und frühzeitig zurück käme.
Die Befürchtung der Patientin: sich dafür verantwortlich zu fühlen. 
Die Befürchtung der Patientin, dass Ihre Tochter damit nicht umgehen könne und so abstürzen würde wie ihre große Schwester.
Gefundener Satz: Angst, dass das Kind "mit einer Niederlage zurück kommt"

Muskeltest: 
schwache Testung bei eigener Lebensgeschichte
13 – 14 Jahre
eine bekannte Person
Die Patientin kann sich auch nach längeren Überlegungen an nichts erinnern, was in diese Richtung geht.

Erweiterter Muskeltest mit Hypothesen: 
schwache Testung bei: “Es geht um jemanden, der Ihr sehr nahe stand und eine große Niederlage einstecken musste”
Die Patientin erinnert sich langsam an eine ihrer besten Freundinnen: Carla.
Carla sei damals zur Sonderschule gegangen und habe die Gelegenheit gehabt, die Schule zu wechseln, habe dies aber leider nicht geschafft. 
Die Patientin kann sich aber überhaupt nicht daran erinnern, dass sie das sehr belastet hätte.

Weitere Testungen mit Hypothesen: 
Dieses Erlebnis war für die Patietntin weitaus belastender , als sie sich eingestand.
schwache Testung bei Hauptsatz: “Petra will Carla das Leid abnehmen”

ROMPC®-Behandlung: 
Verzweiflung (BL), Wut (Gb), Scham (UL) auf der rechten Seite
Ambivalenz (Ni), Schuldgefühle (Di) und Sorgen (HK) auf der liken Seite
ergänzend zur Klopfbehandlung Entkoppeln durch induzierte Augenbewegungen und Blinzeln
Ich arbeite damit, dass die Patientin ihr großes Mitgefühl beibehalten darf, solange es gut für sie ist und sie nicht anfängt, das Leid der anderen zu tragen.

Meine eigene Wahrnehmung bei der Behandlung:

Ich war verunsichert, weil sich die Patientin mit dem Belastungsthema zunächst nicht verbinden konnte und ich hypothetische Angebote machen musste. Die Rückmeldungen der Patient bestätigten allerdings diese Vorgehensweise: „Die Sätze haben sich passend angefühlt, obwohl ich mich gar nicht wirklich erinnern kann so gefühlt zu haben.”

Troubleshooting: 
“Ich habe ein Recht darauf, das Leid anderer loszulassen.”

Die Patientin hat diesen Satz gemurmelt, und ich habe alle Meridian-Punkte auf beiden Körperseiten geklopft.

Validierung durch erneuten Muskeltest: 
Der Arm der Patientin ist bei allen getesteten Punkten stark. 
Beim Blick in die Zukunft wird allerdings noch eine gewisse Schwächung getestet.

Rückmeldung der Patientin: 
“Ich bin während der Behandlung fast eingeschlafen“ (leichter Trancezustand)
Sie fühle sich gut, und es fehle ihr im Moment nichts.

6. Sitzung

Subjektives Beschwerdebild:
vermeintlicher Rückfall
Seit 3-4 Tagen ginge es ihr wieder schlecht.
Sie fühle sich “wie in einen Panzer gequetscht”.
Sie würde gerne tief durchatmen, das ginge aber nicht.
Druck am unteren Brustbein
Ablenkung am Tag und Essen besserten kurzfristig
Die Patientin äußert erneut die Sorge, dass es etwas Schlimmes sei.
Sie schlefe aber jetzt gut.

Interview: 
Letzte Woche habe die Schwiegermutter einen kleinen Schlaganfall erlitten.
Patientin sähe da eigentlich keinen Zusammenhang zu ihren aktuellen Beschwerden.

Muskeltest:
schwache Testung bei eigener Lebensgeschichte
43-44 Jahre
Mutter
Die Mutter hat Ihre Krebsdiagnose im Januar 2012 bekommen. 
Im Februar war die OP - danach acht Wochen Krankenhaus mit offener Bauchwunde. 
Im Februar hatte die Patientin vermutlich auch einen kleinen Schlaganfall beim Autofahren.

Muskeletest:
schwache Testung bei “OP im Februar”
extrem große Verlustängste 15-16 Jahre 
Auszug der älteren Schwester
Vater habe dadurch keine Kontrolle mehr über seine Problemtochter gehabt, die er immer nur beschützen wollte.
Die Patientin erklärt, "genau diese Verlustängste des Vaters" seinerzeit übernommen zu haben.

ROMPC®-Behandlung: 
Introjekt-Arbeit mit dem inneren Vater: Behandlung seiner Verlustängste
Rückgabe der Ängste an den Vater und innere Türe schließen.

Validierung durch Muskeltest:
alle kritischen Sätze testen jetzt stark
Die Patientin berichtet, wieder frei atmenzu können

Fazit

Bis heute ist die Fackel nicht mehr aufgetaucht.
Die Patientin kann gut schlafen und hat keine Atemprobleme mehr.
Die Patientin weiß, wie sie sich helfen kann, falls ein bekanntes Symptom noch einmal auftauchen sollte.

3. Nachwort zur ROMPC® Fallskizze
Ich finde es faszinierend, wie rasch diese körperliche Symptomatik mit den Mitteln von ROMPC® zur Ruhe kam. Wir erleben in letzter Zeit häufig, dass Mediziner vorschnell eine schwer begreifbare Symptomatik als psychisch bedingt bewerten, teilweise sogar auf entsprechende physische Untersuchungen verzichten. Hier war es aber so, dass die Bearbeitung der hinter den physischen Symptomen liegenden psychischen Problematik den Durchbruch bewirkt hat.
Dieses psychosomatische Phänomen tritt dann auf, wenn eine psychische Verarbeitung des Problems nicht oder nicht ausreichend möglich ist. Im Falle von Petra K. wäre es vermutlich für sie nicht aushaltbar gewesen, wenn sie der Konfrontation mit ihrem Muster der übermäßigen Übernahme von Verantwortung ausgesetzt gewesen wäre. Dieses war lange Zeit für sie überlebenswichtig. Die Belastung durch die als Katastrophe erlebte Erkrankung der Mutter damals, die sicher durch die neuerliche Krebserkrankung der Mutter wieder ausgelöst wurde, hätte auch emotional wieder das Ausgeliefertsein und die Hilflosigkeit von damals aktiviert. Mit dieser psychischen Komponente musste sie sich nicht auseinandersetzen, weil sie das Problem zunächst rein körperlich verstehen konnte.
Erst die Begleitung durch die Therapeutin machte zum einen ein Aufdecken und zum anderen eine Verarbeitung im Beisein von einer emotional zugewandten Person möglich. Bis dahin war die Patientin mit diesen Vorgängen allein geblieben. Und allein kann man sich weder als Kind noch als erwachsene Person diesen hoch existenziellen Themen stellen.