Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

“Finde das Zauberwort” - Reizworten die Energie entziehen

Thomas Weil

12.07.2007

Thomas Weil 

Worum geht´s? 

Die Reizworte, auf die wir gewöhnlich reagieren, wirken wie „Trigger“, die unser limbisches System in Aufruhr versetzen und die den Zugriff auf unsere „bewährten“ Stressmuster provozieren. Die Technik „Finde das Zauberwort“ kann in therapeutischen und außertherapeutischen Settings spielerisch eingesetzt werden, um diesen Triggern die Macht über uns zu entziehen.

Reizworte

Beziehungsstress kann schnell eskalieren. Dann gibt ein Wort das andere. Und viele Paare wissen genau, wie sie den Partner hoch bringen können. Aus einem banalen Ausgangskonflikt entwickelt sich leicht eine hoch dramatische Auseinandersetzung. 

Meist sind es ganz spezielle Reizworte, die den anderen auf die Palme bringen. Reizworte, die - so als hätte man auf einen Knopf gedrückt - Wut und Ärger, Kränkung und Trauer auslösen können. 

Die Reizworte, auf die wir gewöhnlich reagieren, wirken wie „Trigger“, die unser limbisches in Aufruhr versetzen und die den Zugriff auf unsere „bewährten“ Stressmuster provozieren. 

Solange diese Reizworte die Macht haben, unser limbisches System in Aufruhr zu versetzen, sind wir über die Maßen verwundbar und können uns meist mit vernünftigen Überlegungen kaum wieder beruhigen. Und die Genugtuung, mit einem verbalen Gegenschlag auch einen Treffer beim Gegenüber gelandet zu haben, währt nur kurz; denn gewöhnlich hat sich die Eskalation des Konfliktes nur höher geschraubt. 

Behandlungstechnik

Mit den Reizworten, auf die wir so leicht reagieren, haben wir eine Geschichte, eine „unerhörte“ Geschichte. Eine Verletzungsgeschichte: Wir reagieren so heftig, weil das Reizwort, das uns erreicht, eine längste bestehende Wunde wieder aufreißt bzw. auf eine alte Verletzung trifft, von der wir uns bis heute noch nicht wirklich erholt haben. Unser seelisches Immunsystem ist geschwächt. 

Manchmal hilft es, wenn wir wissen, welcher ungelöste Ursprungskonflikt uns hier wieder einholt. Häufig jedoch erleben wir, dass wir die Stress-Reaktion, die der Trigger auslöst, nicht mehr aufhalten können, obwohl es uns klar ist, dass diese Reaktion in der Gegenwart unangemessen und überzogen ist. 

Dann kommt es darauf an, dem Reizwort die Macht bzw. dem Trigger die Energie zu entziehen. Eine spezifische Technik des „horizontalen ROMPC®“ hat sich in diesem Zusammenhang als besonders hilfreich erwiesen: „Finde das Zauberwort“. 

Charakteristisch für diese Technik ist, dass dem Reizwort ein „Zauberwort“ entgegen gesetzt wird, das aus der umgekehrten Lesart des Reizwortes abgeleitet wird: Aus dem Reizwort „V-E-R-S-A-G-E-R“ wird das Zauberwort „R-E-G-A-S-R-E-V“. Aus dem Reizwort „A-R-M-E-R-SCH-L-U-CK-E-R“ wird das Zauberwort „R-E-CK-U-L-SCH-R-E-M-R-A“. Diese durchaus gewöhnungsbedürftige Technik, die an Wortspiele von Grundschülern erinnert, macht sich den Umstand zu Nutze, dass das limbische System nicht auf die inhaltliche Bedeutung der Worte reagiert, wohl aber auf die diesen Worten innewohnende Muster. 

Diese Muster bestehen aus einer Folge „phonetischer Einzeltrigger“, die - wenn sie dem der durch einschlägige Erfahrungen bekannten Programm-Code folgen - gewissermaßen direkt in den Stress hineinführen. Drehen wir diesen Programm-Code um und ordnen die phonetischen Teiltrigger in umgekehrter Reihenfolge an, dann entsteht dadurch ein „Zauberwort“, das in keinem Duden zu finden ist und das die Amygdala unmittelbar aus dem Stress wieder herausführt. Der umgekehrte Programm-Code bewirkt das Gegenteil. 

Während wir dieses Zauberwort etwa 30 Sekunden lang wiederholen und vor uns hin murmeln, nutzen wir als Entkoppelungstechnik des ROMPC® das sog. „Thymus-Klopfen“. Auf diese Weise entziehen wir dem belastenden Wort oder Begriff die Energie und beruhigen das limbische System, so dass das Reizwort uns nicht mehr länger reizen kann. Wir verspüren gegenüber dem Wort oder Begriff, der uns reizte, eine unmittelbare emotionale Distanz. Das Reizwort hat aufgehört, länger Trigger zu sein. 

Bei der Anwendung dieser Technik ist zu beachten, dass die Reizworte nicht in Buchstaben zerlegt werden; denn das limbische System hat nicht lesen gelernt. Reizworte werden in phonetische Einzeltrigger zerlegt. Denn die spezifische Abfolge dieser phonetischen Einzeltrigger wird limbisch als Muster erkannt. Das heißt: AU bleibt AU, SCH bleibt SCH, EI bleibt EI, IE bleibt IE, PF bleibt PF, CK bleibt CK und EU bleibt EU usw. 

Die Technik „Finde das Zauberwort“ kann in therapeutischen und außertherapeutischen Settings spielerisch eingesetzt werden. Außerdem hat sich bewährt, dem Klienten sein persönliches Zauberwort als „Hausaufgabe“ mit auf den Weg zu geben: In stressigen Situationen des Alltags kann er das Zauberwort auslösen und dabei den Thymuspunkt klopfen, um sich auch im Rahmen seiner Selbstbehandlung wirkungsvoll selbst zu ent-stressen.