Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Über die Augen entkoppeln: Arbeit mit dem Augenblock

Heinz-Günter Andersch-Sattler

05.05.2009

Heinz-Günter Andersch-Sattler 

Worum geht´s? 

Wenn wir die Arbeit mit den Augen nicht intensiv und extensiv durchführen, kann sie eine entlastende Wirkung entfalten. Je länger und intensiver wir an den Augen arbeiten, desto de-stabilisierender ist allerdings die Wirkung dieser Behandlungstechnik. Deshalb bin ich dazu übergegangen, zwischendurch einzelne Elemente der Arbeit mit dem Augenblock herauszunehmen und mit den eher stabilisierend wirkenden Techniken der Klopfakupunktur zu verbinden.

Im ROMPC® benutzen wir als eine Art der Entkoppelungstechnik, die Induzierung von Augenbewegungen und Blinzeln. Wir haben dies auch immer wieder gut begründen können, weil die optischen Gefahrensignale auch dann aktiviert werden, wenn wir – wie am Rande des Gesichtsfeldes – ungenau wahrnehmen und eine optische Erscheinung fehlinterpretieren. Außerdem setzt die synchronisierende Aktivität des Thalamus in Stress-Situationen nicht so aktiv ein, so dass auch nebensächliche Reize bedeutsam werden können und eine automatisierte Stressreaktion auslösen können. 

Nun wissen wir auch aus Erfahrung, dass die Arbeit mit den Augen zu einer Erhöhung des Stress-Niveaus führen kann und zu starken vegetativen Abreaktionen. Einerseits ist diese Arbeit expressiv und deshalb gut geeignet, wenn eine emotionale Abreaktion sinnvoll ist, andererseits ist die Erhöhung des Erregungsniveaus etwas, das wir normalerweise verhindern wollen, damit es nicht zu einer Blockade im limibischen System kommt. Deshalb gehen wir im Prinzip sehr behutsam mit diesen Mitteln der Entkoppelung um. 

Die Arbeit mit Augenbewegungen ist auch schon aus der Körperpsychotherapie bekannt, dort Arbeit mit dem Augenblock genannt. Nach Wilhelm Reich bezieht sich diese Arbeit auf das Augen-Segment. Er hat schon damals mit Augenbewegungen gearbeitet und dabei zum Teil heftige Abreaktionen erlebt in Form von Angst und Wut. Die Arbeit am Augensegment ist nicht nur beschränkt auf die Augen selbst, sondern umfasst Nacken- und Gesichtsmuskulatur. 

Bei Feldenkrais gibt es eine Entkoppelungsübung für die Augen, indem der Kopf in die eine und die Augen gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung gedreht werden. Im EMDR werden die Augenbewegungen in den Mittelpunkt gestellt. Ebenso in der Parallelentwicklung, dem RET. Auch bei diesen Vorgehensweisen ist mit stärkeren Abreaktionen zu rechnen, auf die Wilhelm Reich schon hingewiesen hat. Deshalb braucht diese Arbeit ein ausreichendes Maß an Sicherheit in der Beziehung, gerade weil sie stärker verunsichernd wirkt. Wenn eine größere Expression sinnvoll ist und der Patient damit auch nicht überfordert ist, kann bei gleichzeitiger Entkoppelung eine Entladung bislang zurückgehaltener Emotionen stattfinden, die ausgesprochen entlastend wirken. Reich sprach schon davon, dass hinterher ein gewisser Glanz in die Augen trete. 

Wenn wir die Arbeit mit den Augen nicht intensiv und extensiv durchführen, kann sie eine entlastende Wirkung entfalten. Je länger und intensiver wir an den Augen arbeiten, desto de-stabilisierender ist allerdings die Wirkung dieser Behandlungstechnik. Deshalb bin ich dazu übergegangen, zwischendurch einzelne Elemente der Arbeit mit dem Augenblock herauszunehmen und mit den eher stabilisierend wirkenden Techniken der Klopfakupunktur zu verbinden. So nutze ich beispielsweise das induzierte Blinzeln sowohl im Geradeaus-Schauen, als auch im Schauen an die Peripherie des Gesichtsfeldes. Es ist nicht unbedingt nötig, vorher einen Sprung in der Augenbewegung zu identifizieren, wie es das RET nahe legt. Inwieweit hier tatsächlich Unterschiede in der Wirkung bestehen, müsste noch weiter untersucht werden. 

In diesem Sinne habe ich die folgende Liste von Behandlungstechniken zusammen gestellt, die alle einzeln eingesetzt werden können - und zwar auch in Verbindung mit den impressiven, das heißt: eher stabilisierenden Techniken der Klopfakupunktur. 

  • Bewegung der Augen waagerecht hin und her
  • Bewegung der Augen im Kreis in beiden Richtungen
  • Bewegung der Augen in Form der liegenden Acht
  • Bewegung der Augen im Quadrat
  • Bewegung der Augen senkrecht ab und auf
  • Bewegung der Augen durch die Repräsentationssysteme
  • Fokussieren
  • Defokussieren
  • Blinzeln
  • Augenbewegung im Kreis und kräftig Ausatmen
  • Arbeit mit der Nackenmuskulatur
  • Arbeit mit der Gesichtsmuskulatur
  • Drehen des Kopfes in die eine und der Augen in die Gegenrichtung

Allerdings sind die hier vorgestellten Techniken mit schwer und schwerst Traumatisierten meistens zunächst nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Bei ihnen besteht die Gefahr der emotionalen Überflutung durch das bei der Augenarbeit frei gesetzte belastende Material.