Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Was macht der Stress im Gehirn?

Thomas Weil

13.04.2009

Thomas Weil

Informationsaufnahme im Gehirn 

Durch unsere Sinnesorgane, durch Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Schmecken nehmen wir die Informationen auf, die uns erreichen, um sie in Gestalt von Datenpaketen an die für den Datenverarbeitungsprozess verantwortlichen Instanzen unseres Gehirns weiterzuleiten und um sie schließlich für uns und unser Denken, Fühlen und Handeln nutzbar zu machen. Der Prozess der Datenverarbeitung in unserem Gehirn folgt dabei einem hirnspezifischen Ablaufplan, der durch maßvollen inneren und äußeren Stress angeregt, aber durch unkontrollierbaren Stress leicht beeinträchtigt oder aus seiner Balance gebracht werden kann. 

Synchronisation der Informationen 

Wenn die Informationen durch unsere Sinnesorgane unser Hirn erreichen, muss eine erste Hürde genommen werden: es kommt darauf an, in der Fülle der eingehenden Informationen Datensalat zu vermeiden und die eingehenden Daten so zu synchronisieren, dass Bilder, Töne, Gerüche, Empfindungen und der Geschmack im Zusammenhang, das heißt ganzheitlich wahrgenommen werden.  An der Eingangspforte unseres archaischen Hirnsystems, dem sog. „limbischen System“, befindet sich ein Organ, das „Thalamus“ heißt und das auch gern als „Tor zum Bewusstsein“ bezeichnet wird. Seine Aufgabe ist es, die Synchronisierung der von außen eingehenden Informationen, die unsere Sinnesorgane liefern, herbei zu führen und mit den inneren Signalen unseres Körpers so zu verknüpfen, dass ein Datenverbund entsteht. Gleichzeitig wirkt der Thalamus wie ein Filter, der in der Lage ist, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und nur solchen Informationen Bedeutung zu geben, die für den betreffenden Kontext auch bedeutungsvoll sind. Er sorgt also dafür, dass wir in der Flut des Datenmaterials, das uns zu überschwemmen droht, nicht untergehen.  Indem der Thalamus als erste Instanz des Datenverarbeitungsprozesses, die äußeren und inneren Daten filtert und synchronisiert, bereitet er das vorliegende Datenmaterial so auf, dass eine Auswertung der Informationen in den nachfolgenden Hirninstanzen erst möglich wird. 

Auswertung der Informationen 

Die Auswertung dieser Informationen geschieht in einem komplexen Prozess, den ich hier stark vereinfacht darstellen werde. Ein komplexer Prozess, an dem verschiedene Hirnsysteme beteiligt sind. Wir mögen als menschliche Individuen stolz darauf sein, einen klugen Kopf zu haben - ausgestattet mit einem Hirnsystem, das uns zu logischem Denken befähigt, das uns in die Lage versetzt, Probleme zu analysieren und Strategien für deren Bewältigung zu entwickeln. Wir mögen in dem vermeintlichen Glauben, die „Krone der Schöpfung“ zu sein, uns als „homo sapiens“ mit unserem denkenden Hirn über die anderen Säugetiere erheben, denen wir – was die Entwicklung dieses „kognitiven“ Hirnsystems betrifft – durchaus auch überlegen sind. Und wir mögen über unsere animalischen Vorfahren lächeln, die im Zuge der Evolution Wegbereiter eines Entwicklungsprozesses waren, in dessen Verlauf sich unser denkendes Hirn, das Frontalhirn oder auch „Neo-Kortex“ genannt erst allmählich herausgebildet hat. Doch an dem komplexen Prozess der Datenverarbeitung unseres Gesamtgehirns, ist dieses Hirnsystem häufig weniger beteiligt, als uns lieb ist. Das merken wir immer dann, wenn wir im Nachhinein feststellen, dass wir uns bei unserem Handeln von Motiven leiten ließen, die nicht besonders vernünftig waren. Das andere an dem Datenverarbeitungsprozess nicht unmaßgeblich beteiligte Hirnsystem ist das limbische System, an dessen Pforte der Thalamus wacht. Dieses archaische Hirnsystem ist uns und allen anderen Säugetieren gemeinsam. Als Ort unserer „emotionalen Intelligenz“, wie Daniel Goleman sagt, nimmt es eine eigenständige Auswertung des eingehenden Datenmaterials vor. In Folge dieses Auswertungsprozesses werden zum Beispiel unter Stress, entsprechende Hormone ausgeschüttet, die unseren Organismus darauf vorbereiten, entweder durch Angriff oder durch Flucht unmittelbar reagieren zu können. Die bekanntesten dieser Stresshormone sind das Adrenalin und das Noradrenalin, deren Freisetzung unsere aktuelle vegetative Befindlichkeit beeinflusst. Sei es dass unser Blutdruck ansteigt oder sich absenkt. Sei es dass unsere Herzfrequenz sich erhöht oder vermindert. Sei es, dass unser Atem schneller oder langsamer wird.  Weil die Datenwege, auf denen die Informationen innerhalb des limbischen Systems weitergeleitet werden, extrem kurz sind, werden vegetative Veränderungen meist so rasch ausgelöst, dass unser denkendes Hirn Mühe hat, hinterher zu kommen. Denn anders als innerhalb des limbischen Systems werden die Daten im Neo-Kortex auf verschlungenen Wegen und langen Bahnen durch die Windungen unseres Gehirns geleitet, ehe uns eine abschließende kognitive Beurteilung der aktuellen Situation und die Einleitung von angemessenen Maßnahmen möglich ist. Durch diese Zeitverzögerung kann es passieren, dass unser denkendes Hirn sich auf die durch das limbische System ausgelöste Veränderung unserer vegetativen Befindlichkeit nur schwer einstellen und nur schwer einen verständlichen Reim machen kann. Manchmal stehen wir in solchen Momenten verwundert neben uns und können nicht fassen, dass wir uns aufregen. Wir können dann keinen plausiblen Grund dafür nennen, weshalb die Heftigkeit unserer Reaktionen dieses Ausmaß erreicht.  

Die Datenverarbeitungsprozesse 

Wenn die Informationen den Thalamus verlassen, gelangen die Daten auf unterschiedlichen Datenkanälen in die genannten Hirnsysteme. Ein archaischer Datenverarbeitungsprozess verläuft zunächst innerhalb des limbischen Systems, ehe dessen Ergebnisse emotional aufbereitet dem Frontalhirn zugänglich gemacht werden. Da unser denkendes Hirn manchmal faul ist, braucht es mitunter erst ein gewisses emotionales Unbehagen, ehe es dazu bereit, das zu tun, wozu es eigentlich da ist: nämlich zu denken und durch die kognitive Bearbeitung des emotionalisierten Datenmaterials kreative Lösungsansätze und Strategien zur Bewältigung der sich stellenden Aufgaben zu entwickeln. In diesem Fall folgt das Denken der Emotion.  Ein anderer entwicklungsgeschichtlich jüngerer Datenverarbeitungsprozess lenkt das Datenmaterial vom Thalamus direkt an das Frontalhirn. Dieses nimmt zunächst eine emotionslose Bewertung des Sachverhalts vor. Erst wenn es nach einer Weile das ganze Ausmaß der gegebenen Situation erkennt, werden die Informationen dem limbischen System zugespielt, das diese mit Gefühlen versieht und dem Frontalhirn zur abschließenden Beurteilung noch einmal vorlegt. In diesem Fall folgt die Emotion dem denkenden Verstand. Da die beiden Datenverarbeitungsprozesse nicht immer zeitgleich verlaufen, fällt es uns mitunter schwer, die beiden Prozesse wohl aufeinander abgestimmt zu koordinieren, unser Denken und Fühlen in Einklang zu bringen und unser Handeln gleichzeitig emotional und kognitiv auszurichten. Unter größerem Stress ist dies ein bekanntes Problem: Die einen reagieren kopflos und emotional, die anderen sachlich und unberührt, scheinbar abgeschnitten von ihrem Gefühl.  

Das Alarmsystem 

Wenn die gefilterten und synchronisierten Informationen unserer Sinnesorgane vom Thalamus weiter geleitet werden, gelangen sie zu einem mandelkerngroßen Organ, der „Amygdala“. Im Kernbereich unserer emotionalen Intelligenz wertet dieses Organ das Datenmaterial nach einem einfachen Muster aus: Freund oder Feind. Angriff oder Flucht. Amygdala - einem „Feuermelder“ vergleichbar - schlägt Alarm, wenn eine Situation der Außenwelt oder eine Irritation innerhalb unseres Organismus für uns eine Gefahr bedeuten könnte.  Wenn sich am Horizont etwas regt, wenn ein fremder Geruch mit der Witterung aufgenommen wird, wenn ein Rascheln mutmaßen läßt, dass ein Angreifer naht, dann ist es im Tierreich zu einer Frage des Überlebens, sich rechtzeitig in Habacht-Stellung zu begeben und auf den bevorstehenden Kampf oder die rechtzeitige Flucht einzustellen, um nicht gefressen zu werden. Nur wer jetzt schnell reagiert, sichert sein Dasein. Auch wenn wir als Menschen diesen oder ähnlichen existentiellen Bedrohungen, wie sie im Tierreich und bei unseren Vorfahren in der Geschichte der Evolution an der Tagesordnung waren und sind, heute nur noch in Ausnahmesituationen ausgesetzt sind, springt das Alarmsystem unserer Amygdala noch immer in derselben Heftigkeit an, wie es das schon seit Jahrtausenden tat: Wir haben nicht damit zu rechnen, im nächsten Moment gefressen zu werden und müssen um unser Leben nicht bangen. Und dennoch reagieren wir auf manche Konflikte des Privat- und Berufslebens so, als ob unser Überleben bedroht wäre. Wir reagieren übersteigert und tragen dazu bei, unbedeutende Konflikte zu eskalieren - getrieben von einer existentiellen Panik, die sich meist einer vernünftigen Betrachtungsweise völlig entzieht.  

In weniger dramatischen Situationen beschert uns Amygdala allerdings auch manch gute Intuition, der wir bisweilen Beachtung schenken oder auch nicht, um später feststellen zu müssen, es wäre besser gewesen, ihr zu vertrauen. Zutreffende Vorahnungen, kreative Gedankenblitze, unbegründbare Sympathie und Antipathie und der „erste Eindruck“, von dem es heißt, dass er der wichtigste sei, sind das Ergebnis der intuitiven und emotionalen Kompetenz dieses mandelförmigen Organs in unserem Gehirn. Entscheidend ist, dass Amygdala unmittelbar für die Steuerung der bereits erwähnten unwillkürlichen Reaktionen unseres vegetativen Nervensystems verantwortlich ist und dass sie – jedenfalls so lange sie in Alarmbereitschaft verharrt und sich nicht beruhigt – dafür sorgt, dass wir stresserfüllt in innerer Anspannung bleiben. Und zwar unabhängig davon, ob die vermeintliche Gefahr realistisch oder unrealistisch ist, ob es sich dabei um eine aktuelle Gefahr oder nur um eine Erinnerung an Verletzungen vergangener Tage handelt. 

Im Gegensatz zu unserem Frontalhirn kann Amygdala nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart unterscheiden. Deshalb kommt es mitunter vor, dass der Mandelkern ohne konkreten Anhalt an der gegenwärtigen Realität reagiert. Ein Reizwort, ein irritierender Blick, die Melodie, die damals im Autoradio spielte, als mein Wagen auf eisglatter Fahrbahn ins Schleudern kam und sich überschlug. Ein Reiz mag schon genügen, um zum sog. „Trigger“, zum Auslöser dafür zu werden, dass sich Amygdala wieder erinnert, uns alarmiert, uns unter Stress setzt und unsere bewährten Stressmuster aktiviert, auch wenn sie nicht mehr passen zu dem, worauf es jetzt ankommt. 

Emotionale Bewertung und Datenspeicherung 

Von der Amygdala nimmt der Datenstrom seinen Weg innerhalb des limbischen Systems und gelangt zur nächsten Station: zum „Hippocampus“. Ein Organ, dessen Aufgabe es ist, in emotionaler Hinsicht weiter zu differenzieren, die gemachten Erfahrungen in den zeitlichen und räumlichen Gesamtzusammenhang einzuordnen und einen emotionalen Orientierungsrahmen zur Verfügung zu stellen. Im Sinne seines Differenzierungsvermögens ist die Zuordnung unserer Grundgefühle von Freude, Angst, Ärger, Trauer und Schuld eine Leistung des Hippocampus. Während sich Amygdala zwar an Gefühle erinnert, die mit einem bestimmten Geräusch, einer spezifische Geste, einem charakteristischen Reizwort, einem unverwechselbarer Geruch oder einem besonderen Geschmack verbunden waren, kann der Hippocampus konkrete Situationen und ihre emotionale Bedeutung aus der Erinnerung abrufen und die Begleitumstände zugänglich machen, die mit diesen Situationen verbunden waren. Wenn ich mich daran erinnere, weshalb ich mit meinem Auto unterwegs war, als es auf eisglatter Fahrbahn zum Unfall kam, wenn ich mich daran erinnere, wer mich auf dieser Fahrt begleitete und was das Ziel unserer Reise war, dann ist diese Erinnerung des emotional besetzten Gesamtzusammenhangs nur möglich, weil Hippocampus die entsprechenden Verknüpfungen in unserem Gehirn hergestellt hat.  Darüber hinaus spielt der Hippocampus eine maßgebliche Rolle, wenn es darum geht, unsere Erinnerung vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis zu überführen und das einmal Erlebte langfristig nutzbar zu machen. Damit schafft der Hippocampus die Voraussetzung dafür, dass unser nachgelagertes denkendes Hirn auf einen Gedächtsnisspeicher und auf die im Laufe unserer Lebensgeschichte erworbenen Ressourcen zugreifen kann. Störungen im Hippocampus vermindern die Merkfähigkeit und führen dazu, dass neue Informationen nicht mehr dauerhaft abgelegt werden können. Zu solchen Störungen kann es kommen, wenn der Stresspegel ein für uns unerträgliches Niveau erreicht. 

Kontrollierbarer Stress und seine Folgen: Ausbau von Datenautobahnen 

Moderater und kontrollierbarer Stress regt die Datenverarbeitungsprozesse in unserem Gehirn an. Sorgt dafür, dass wir lernen und uns weiter entwickeln. In neurobiologischer Hinsicht bedeutet dies, dass es in unserem Gehirn zu Neuverschaltungen kommt. Das menschliche Gehirn verfügt über eine hohe Plastizität. Es ist in der Lage, sich zu verändern und dort neue Verknüpfungen herzustellen, wo sie gebraucht werden. Kontinuierliches Training regt unser Gehirn dazu an, die Feldwege des Datentransports zu breiten Datenautobahnen auszubauen, um die gesteckten Ziele in Zukunft schneller erreichen zu können. Die Fähigkeiten unseres Gehirns – so Gerald Hüther - sind also davon abhängig, wie wir es benutzen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass Datenautobahnen auch zurückgebaut werden und verkümmern, wenn sie – aus welchem Grunde auch immer – nicht mehr genutzt und befahren werden.  

Unkontrollierbarer Stress und seine Folgen: Störungen im Datentransport 

Bei nachhaltig heftigem und unkontrollierbarem Stress und bei schweren physischen und psychischen Verletzungen verhält es sich anders: die Überflutung mit Stesshormonen wirkt nicht mehr anregend sondern hemmend. Die bäumchenartigen Verästelungen der Nervenzellen, die „Dendriten“, die für den Datentransport in den neuronalen Netzen unseres Gehirns verantwortlich sind, ziehen sich „verschreckt“ zurück oder sterben gar ab. Hiervon sind die Nervenzellen des Hippocampus in besonderer Weise betroffen. Die Fülle der eingehenden Informationen kann nicht mehr verarbeitet werden. Eine korrekte Einordnung der Informationen ist nicht mehr möglich. Der Datenverarbeitungsprozess gerät ins Stocken. Und schließlich kommt es zum „Datenrückstau“. Unverarbeitete Datenfragmente bleiben als „Datenmüll“ liegen und bewirken, dass sich Amygdala nicht mehr beruhigen und das belastende Material nicht mehr los werden kann. Auch wenn der Stress längst vorüber ist, stehen wir noch immer wie „unter Strom“. Lange zurückliegende Verletzungen 
finden keinen Platz in der Geschichte, sondern werden als gegenwärtig erlebt.  Immer dann, wenn es uns nicht gelingt, Abstand zu gewinnen von dem, was uns stresst - immer dann, wenn es uns schwer fällt abzuschalten, was uns belastet - immer dann wenn wir die Anspannung nicht aus dem Körper bekommen - immer dann, wenn uns ein Reizwort schon auf die Palme bringt - ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich unsere Amygdala als Folge von stressbedingtem Datenrückstau in Aufruhr befindet und die entsprechenden vegetativen Reaktionen auslöst – unabhängig davon, ob wir das wollen oder nicht.  

ROMPC®: Den Datenrückstau auflösen 

Das Phänomen des Datenrückstaus lässt sich heute mit einiger Wahrscheinlichkeit lokalisieren – und zwar als ein Datentransport- bzw. Transmitter-Problem zwischen Amygdala und Hippocampus. Dort jedenfalls setzen die Entkoppelungstechniken des ROMPC® an, die dem Wirkprinzip „Einschalten und Stören“ folgend den ins Stocken geratenen Datenverarbeitungsprozess wieder anregen und dazu beitragen, dass eine unmittelbare Stressreduktion einsetzt und der Betreffende Abstand gewinnt von dem, was ihn belastet. Die Entkoppelung der Bindung an Trauma und Stress führen dazu, dass die Dendriten des Hippocampus wieder „sprießen“, dass der Zugriff auf unsere inneren Ressourcen wieder möglich wird und dass die Verletzungen vergangener Tage den Platz finden, der ihnen gebührt: einen Platz in unserer Geschichte. 

Quelle:
Thomas Weil 
Endlich frei von Stress. 
Innere Blockaden lösen mit ROMPC® 
Kassel 2013, 3. Aufl.

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