Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Irrtum vorbehalten: Falsche Verknüpfungen und wie wir Sie lösen

Thomas Weil

01.07.2010

Thomas Weil

Worum geht´s? 

Wenn es uns gelingt, uns und unsere Klienten von den emotionalen Altlasten der Vergangenheit zu befreien, können falsche Verknüpfungen, die in einschränkende Grundüberzeugungen, galoppierende Gruselfantasien und zahllose Vorurteile münden, zurück genommen werden. Der Weg für eine vorurteilsfreie, unbefangene Wahrnehmung der gegenwärtigen Realität und der sich aktuell bietenden Chancen und Möglichkeiten ist wieder frei.

Die Macht der Spiegelneuronen

Die Spiegelneuronen innerhalb des limbischen Systems verfügen über eine doppelte ‘Intelligenz’: Zum einen sind sie dank ihrer Resonanzfähigkeit dazu in der Lage, die von einem Gegenüber angebotenen Modelle des Denkens, Fühlens und Verhaltens als Optionen für eigens Denken, Fühlen und Verhalten zu hinterlegen. Deshalb erfolgt Lernen primär nicht durch Einsicht, sondern durch Lernen am Modell.

Zum anderen verfügen die Spiegelneuronen über die erstaunliche Fähigkeit, aus einigen wenigen Informationen, die ihnen zuteil werden, das zu erwartende Ganze in Sekundenbruchteilen so zu vervollständigen, dass uns ein intuitiver Gesamteindruck der Gesamtsituation entsteht, in der wir uns im gegebenen Moment befinden.

Durch die Vervollständigungsfähigkeit der Spiegelneuronen sind wir dazu in der Lage, beim Hören einiger weniger Töne bereits die gesamte Melodie zu erkennen. Diese Vervollständigungsfähigkeit konnte und kann für unsere animalischen Vorfahren geradezu lebensrettend sein, wenn sie bereits auf Grund von Tappsgeräuschen eines herannahenden Gegners schlussfolgern können, um welchen Gegner es sich hier wohl handeln mag und ob ihnen in diesem Moment eher Angriff oder Flucht angeraten erscheint. 

Ganz in diesem Sinne ist auch unsere intuitive Wahrnehmung zu verstehen, mit deren Hilfe wir lange bevor unser denkendes Hirn sich komplexe Zusammenhänge zu erschließen vermag, oftmals erkennen, was wir wir von einem aktuellen Gegenüber bzw. einer einer aktuellen Situation zu halten haben. 

Der Vorteil ihrer Vervollständigungsfähigkeit kann sich jedoch auch als Nachteil erweisen - jedenfalls dann, wenn die Spiegelneuronen „falsche“ Verknüpfungen vornehmen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Spiegelneuronen auf Grund erlittener Verletzungerfahrungen und des hiermit verbundenen unkontrollierbaren Stresses bei entsprechenden Triggern dort einen Feind wittern, wo gar kein Feind vorhanden ist. 

‘Gebranntes Kind scheut das Feuer’ sagt das Sprichwort. In diesem Sinne neigen wir oft dazu, vermeintlichen Gefahren bereits im Vorfeld aus dem Weg zu gehen - und dies auch dann, wenn wir nicht einmal hinreichend geprüft haben, ob die vermutete Gefahrensituation wirklich gefährlich bzw. identisch ist mit der Situation, auf die sich unsere inneren Vorbehalte beziehen. 

Ungerechtfertigte Vorbehalte, leichtfertige Vorurteile, einschränkende Grundüberzeugungen sowie galoppierende Gruselfantasien sind - neurobiologisch betrachtet - eine Folge ‘falscher’ Verknüpfungen bzw. ‘falscher’ Vervollständigungen unserer Spiegelneuronen. Diese Vervollständigungen sind nur insofern ‘falsch’, weil sie nicht wirklich zum aktuellen Hier und Jetzt passen, sondern mit einer früheren Verletzungs- oder Gefahrensituation verknüpft sind, von der sich unser limbisches System bis heute nicht wirklich erholt hat und deshalb in latenter Alarmbereitschaft verharrt. 

Wenn es uns also gelingt, uns und unsere Klienten von den emotionalen ‘Altlasten’ der Vergangenheit zu befreien, können diese falschen Verknüpfungen wieder zurück genommen werden. Und der Weg für eine vorurteilsfreie, unbefangene Wahrnehmung der gegenwärtigen Realität und der sich aktuell bietenden Chancen und Möglichkeiten ist wieder frei. Da die Rücknahme dieser falschen Verknüpfungen einen limbischen Lösungsprozess voraussetzt, richten hier einsichtbezogene Bekehrungsversuche kaum etwas aus. In diesem Zusammenhang kommt den sog. ‘Entkoppelungstechniken’ des ROMPC® eine besondere Bedeutung zu. 

Falsche Verknüpfungen

  • Etwas wird verbunden, das nicht zusammen gehört
z. B. ‘Wenn ich mich freue, passiert etwas Schreckliches’
  • twas wird auseinander gerissen, das zusammen gehört
z. B. ‘Wenn ich meinen eigenen Weg gehe, bin ich nicht liebenswert’


Beispiel:

Etwas wird verbunden, das nicht zusammen gehört

Ein Klient berichtet, der habe Mühe, sich in seinem Leben wirklich über etwas zu freuen. Er fände stets ‘das Haar in der Suppe’ und fühle sich unter dem ‘inneren Drang, alles zu problematisieren’ zu müssen und angenehme Erfahrungen und Begegnungen so ‘nicht stehen lassen’ zu können. Mehr noch: Spaß und Freude, würde ihn stets in Panik versetzen. Und er wäre immer darauf bedacht zu verhindern, dass Spaß und Freude in seinem Leben wirklich aufkommen können. Nach eingehender Befragung erschloss sich allmählich der lebens-geschichtliche Zusammenhang der beschriebenen Problematik: Wie sich der Klient deutlich erinnerte, habe er als kleiner Junge im Alter von fünf Jahren zusammen mit seinem Vater einen Ausflug unternommen und sich hierbei seinem Vater so nahe gefühlt wie niemals zuvor. Diese beglückende, hohe emotionale Verbundenheit zu seinem Vater war für den Klienten insofern ungewöhnlich und von großer Bedeutung, als sein Vater beruflich bedingt kaum dazu in der Lage war, Zeit mit dem Sohn zu verbringen und dieser besondere Tag eine ‘große Ausnahme’ in ihrer gemeinsamen Beziehung darstellte. Tragischerweise trug es sich zu, dass am Abend desselben Tages Vater bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückte. Diesen Verlust habe der Klient niemals betrauern können, weil er unentwegt damit befasst gewesen sei, die Mutter trösten zu müssen, die über den Verlust ihres Mannes nicht hinweg gekommen sei. 

Der emotional positiv hoch besetzte Ausflug mit Vater sowie der emotional als verhängnisvoll erfahrene Verlust standen - limbisch betrachtet - auf Grund der engen zeitlichen Beheimatung beider Ereignisse in einem offensichtlichen, emotionalen Verknüpfungszusammenhang. Auch wenn sich bei einer frontalhirn-geleiteten, das heißt: vernünftigen Betrachtung der beiden Ereignisse im Sinne von Ursache und Wirkung kein logischer Verknüpfungszusammenhang herzustellen vermochte, war für unseren Klienten seit diesem alles verändernden Tag seines Lebens in der ‘Psychologik’ seines limbischen Systems und der Spiegelneuronen ein starker emotionaler Verknüpfungszusammenhang gegeben: Auf Freude und Glück folgten Schmerz und Verlust. Der aus dieser Situation resultierende unkontrollierbare Stress und die hiermit verbundenen Ohnmachtserfahrungen konnten - der limbischen Verknüpfungs-Logik folgend nur dadurch vermieden werden, dass alle erfreulichen Situationen des Lebens mit vorauseilender Panik belegt und konsequent vermieden wurden. 

Erst nachdem es gelungen war, den seit Jahren ‘stecken gebliebenen’ Trauerprozess wieder in Gang zu bringen und die ‘eingefrorenen’ Tränen zuzulassen, fand der Klient allmählich zu seiner Lebensfreude zurück und begann, die Chancen und Möglichkeiten seines gegenwärtigen Lebens nicht nur zu nutzen, sondern jetzt auch zu genießen. Das, was nicht länger zusammen gehören muss, war erfolgreich entknüpft.

Beispiel: 
Etwas wird auseinander gerissen, das zusammen gehört

Eine Klientin hat den Wunsch, sich beruflich komplett neu zu orientieren. Sie berichtet, seit Jahren als Verwaltungskraft in einem Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie tätig zu sein. Aus dieser beruflichen Tätigkeit zöge sie allerdings keine Befriedigung. Jeden Morgen würde sie sich an ihren Arbeitsplatz quälen. Dieser Job sei “noch nie ihr Ding” gewesen. Jetzt habe sie die Chance, sich durch eine Zusatzausbildung für einen “Kreativberuf” in der Medienbranche zu qualifizieren. Damit könne sie sich einen lange gehegten Traum erfüllen. Doch - so die Klientin - scheue sie sich, diese Chance zu ergreifen und den erforderlichen Veränderungsschritt zur beruflichen Selbstverwirklichung zu tun. 

Die Befragung der Klientin ergab, dass sie sich als Jugendliche dem Druck ihrer Eltern ‘gebeugt’ und ‘ihren Eltern zu Liebe’ die Ausbildung zur Verwaltungskraft begonnen und absolviert hatte. Denn ihre Eltern - so die Klientin - hätten ‘alles Kreative’ für ‘brotlose Kunst’ gehalten. So habe sie einen Beruf erlernt, den sie nie habe ausüben wollen und in dem sie sich bis heute nicht wohl fühlen würde. Die Angst, die Liebe der Eltern zu verlieren, wenn sie sich in beruflicher Hinsicht selbst verwirklichen würde, wirkte noch immer nach und versetzte die Klientin - für sie selbst völlig irrational - bereits immer dann in Panik, wenn sie nur daran dachte, endlich die Chance zu ergreifen, die sich ihr heute bot. 

Durch die ent-ängstigenden Entkoppelungsinterventionen des ROMPC® konnte die limbische Blockade aufgelöst werden, die dieser falschen Verknüpfung ‘Wenn ich meinen eigenen Weg gehe, bin ich nicht liebenswert’ zu Grunde lag. Der Weg war endlich dafür frei, nun das auch zu tun, was schon lange gewollt war. Die Klientin realisierte: ‘Ich bleibe auch dann ein liebenswerter Mensch , wenn ich meinen eigenen Weg gehe.’ Das, was eigentlich zusammen gehört, war wieder miteinander verknüpft.