Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Systemische Aufstellungsarbeit und ROMPC®

Heinz-Günter Andersch-Sattler

03.11.2006

Heinz-Günter Andersch-Sattler

Worum geht´s? 

Wenn der Klient sein System im Raum aufstellt und in einer Skulptur wiedergibt und die Grundfragestellungen herausgearbeitet und zugespitzt sind, gerät der Klient meistens in starke emotionale Spannungen, die darauf beruhen, dass er in die alte belastende Szene wie ein Zuschauer im Theater zurückgeführt wird und innerlich die zur kritischen Situation gehörigen Reaktionen wie automatisiert ablaufen bzw. ablaufen können. An dieser Stelle ist es sinnvoll, Methoden des ROMPC® einzusetzen, damit der Klient an dem Thema dranbleiben kann und auch die retraumatisierende Wirkung auf ihn durch das Anschauen der Skulptur vermindert werden kann.

Aufstellungs- und Skulpturarbeit 

Innerhalb der systemischen Therapie und Beratung, die eine breite Varianz von unterschiedlichsten Methoden aufweist, nimmt die sogenannte Aufstellungs- oder Skulpturarbeit einen wichtigen Platz ein. Diese Arbeit wurde erstmals Ende der 50er Jahre von Boszormenyi-Nagy eingesetzt, um mehrgenerationale Zusammenhänge in Familien zu verdeutlichen („Unsichtbare Bindungen. Die Dynamik familiärer Systeme“, Stuttgart 1981). Die Methode wurde unter dem Namen Skulpturarbeit insbesondere von Virginia Satir weiterentwickelt und verbreitet. Insgesamt können wir in der systemischen Arbeit etwa zehn unterschiedliche Arten von Skulpturen unterscheiden. In Deutschland ist die Skulpturarbeit insbesondere durch Bert Hellinger bekannt geworden. Hellinger nennt seine Arbeit Familienaufstellung. Er bezieht seine Herangehensweise insbesondere aus der Arbeit von Boszormenyi-Nagy und Salvador Minuchin, der in seiner Arbeit die Grenzen zwischen den Subsystemen erforscht hat und sowohl zu rigide als auch zu diffuse Grenzen als Störungen erkannt hat („Familie und Familientherapie. Theorie und Praxis struktureller Familientherapie“, Freiburg 1981 4. Aufl.). 

Familienaufstellungen in diesem Sinne sind eine Spezialform der Skulpturen, indem ein statisches Bild im Raum mit Hilfe von Vertretern für die Elemente des Systems aufgestellt wird, das die Bezüge der Familienmitglieder untereinander verdeutlichen soll. Darüber hinaus ist Hellinger davon ausgegangen, dass die so aufgestellte Skulptur eine Art energetisches Feld darstellt, in dem die Darsteller bzw. Stellvertreter spezifische Reaktionen zeigen, die zum energetischen Feld des Familiensystems gehören. Von Hellinger her gesehen gibt es hier auch Anklänge an die Arbeiten von Rupert Sheldrake („Das schöpferische Universum. Die Theorie des morphogenetischen Feldes“, München 1993), und es wurde ein Zusammenhang hergestellt zu energiepsychologischen Phänomenen, die sich im Rahmen einer Skulptur entfalten sollen. 

Indikationen 

Familienaufstellungen oder überhaupt Aufstellungen und Skulpturen können in unterschiedlicher Tiefe und Dichte herangezogen werden zur Bearbeitung psychischer und organisationaler Probleme. Die einfachste Form ist die der Visualisierung von intuitiv erkannten Zusammenhängen. Inzwischen ist auch experimentell nachgewiesen, dass diese Visualisierung im Raum spezifische Energiemuster ins Schwingen bringt, dass also bei ähnlichen Konstellationen, ähnliche Empfindungen bei Stellvertretern erzeugt werden. (s. Peter Schlötter, „Vertraute Sprache und ihre Entdeckung. Systemaufstellungen sind kein Zufallsprodukt – der empirische Nachweis“, Heidelberg 2005). 
Die komplexeren Formen der Aufstellung arbeiten über die Visualisierung hinaus mit den zugrunde liegenden problematischen bis traumatischen Situationen, die aus den Familien mitgebracht werden, im Sinne einer Lösung von Verstrickung, wie es bei Hellinger heißt, oder wie wir traumaspezifisch sagen können: im Sinne einer Lösung von Blockaden. In diesem Zusammenhang wurde die Familienaufstellung von Franz Ruppert auch als traumalösende Methode dargestellt („Trauma, Bindung und Familienstellen. Seelische Verletzungen verstehen und heilen“, Stuttgart 2005). 

Systemische Aufstellungsarbeit und ROMPC® 

Darüber hinaus setzen wir in unseren verschiedenen Arten der Skulpturarbeit die Techniken des ROMPC® unterstützend mit ein. Man kann hier zwei Interventionsebenen unterscheiden: Die Skulptur als Visualisierung, die der Klient von außen anschaut, kommt einer Exposition gleich, wie sie in der Verhaltenstherapie immer wieder benutzt wird, um eine Desensibilisierung von vor allen Dingen Ängsten zu bewirken. D.h. wenn der Klient sein System im Raum aufstellt und in einer Skulptur wiedergibt und die Grundfragestellungen herausgearbeitet und zugespitzt sind, gerät der Klient meistens in starke emotionale Spannungen, die darauf beruhen, dass er in die alte belastende Szene wie ein Zuschauer im Theater zurückgeführt wird und innerlich die zur kritischen Situation gehörigen Reaktionen wie automatisiert ablaufen bzw. ablaufen können. An dieser Stelle ist es sinnvoll, um die Exposition zu mildern bzw. eine Re-Traumatisierung zu verhindern, Methoden des ROMPC® einzusetzen, damit der Klient an dem Thema dranbleiben kann und auch die retraumatisierende Wirkung auf ihn durch das Anschauen der Skulptur vermindert werden kann.Wir benutzen Skulpturen und Aufstellungen auch dazu, um die zugrunde liegenden emotionalen Konflikte an die Oberfläche zu bringen und, im Gegensatz zu der vergangenen Situation, Abreaktionen zu ermöglichen und so andere Bewältigungsstrategien für die Situation herzustellen, andere als die, die in der Vergangenheit möglich waren. Um mit der Terminologie von Hellinger zu sprechen, arbeiten wir hier direkt in dem Feld der Familie, kommen einerseits an Blockaden innerhalb des Systems, die sich an den Stellvertretern manifestieren oder aber an Blockaden, die den Klienten selber betreffen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten des Einwirkens mit ROMPC®:

1. Es ist möglich, blockierte Stellvertreter mit ROMPC® zu behandeln mit dem Ziel, dass eine vorliegende Blockade aufgelöst wird, um mit Hilfe der Lösung der einzelnen Blockade der Lösung der problematischen Situation des Klienten einen Schritt näher zu kommen. Blockaden werden hier ebenfalls als Schonhaltungen verstanden, die vordergründig Stress bzw. Konflikte minimieren sollen. Die Äußerung Ich trage es für dich kann als so eine Schonhaltung verstanden werden.

2. Der Klient selber wird behandelt, sofern er in der Aufstellung oder Skulptur beteiligt ist, so dass er eigene Hemmnisse leichter überwinden kann und so die Veränderung oder die Abreaktion unterstützt werden kann. Wir wissen aus verschiedenen Veröffentlichungen von Hellinger, dass, insbesondere wenn Klienten für spezifische Schritte blockiert waren, er die Aufstellungen abgebrochen hat mit dem Hinweis, die Klienten seien noch nicht so weit. Er hat damit einen starken Stress erzeugt, für den er immer wieder heftig kritisiert wurde. Wenn wir sein Vorgehen als Technik sehen wollen, mag sie vor dem Hintergrund entstanden sein, dass der so erzeugte Stress zu einer größeren Bereitschaft führen könnte, das Problem direkt anzugehen. Wir wissen jedoch aus der Hirnforschung, dass ein zu starker Stress eher für das Lernen behindernd und retraumatisierend wirkt. Deshalb ist es sinnvoll, an dieser Stelle nur in dem Maße konfrontativ vorzugehen, wie es für den Klienten verarbeitbar ist. Darüber hinaus wissen wir inzwischen, dass es nicht an dem Willen des Klienten mangelt, sondern dass viele Klienten an so einer Stelle in eine Art Blockade geraten, die einer traumatischen Reaktion entspricht und insofern automatisiert abläuft, d.h. differentialdiagnostisch ist hier genau abzuwägen, inwieweit eine konfrontative Vorgehensweise sinnvoll ist und inwieweit nicht eher von einer Blockade ausgegangen werden muss. Letztere kann dann mit Techniken des ROMPC® behandelt werden.