Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

"Schnellschüsse" unerwünscht: Die Langzeitwirkung von ROMPC®

Heinz-Günter Andersch-Sattler

19.08.2007

Heinz-Günter Andersch-Sattler 

Worum geht´s? 

Was die Langzeitwirkung von ROMPC® betrifft, werden uns von Klienten unterschiedliche Erfahrungen mitgeteilt. Grundsätzlich müssen wir davon ausgehen: Je komplexer eine Traumatisierung ist, umso langwieriger und weniger nachhaltig ist im Allgemeinen die Behandlung. Die Schwere des Traumas ist hierfür nicht unbedingt maßgeblich. Ein schweres Monotrauma kann mit Mitteln des ROMPC® gut und leicht und nachhaltig behandelt werden. Ein weniger ausgeprägtes aber, dafür in der Biographie weiter zurück reichendes und komplexeres Trauma kann sich in der Behandlung als wesentlich schwieriger und langwieriger erweisen.

Komplexes Trauma

Unter einem komplexen Trauma verstehen wir traumatische Ereignisse, die zunächst niederschwellig erscheinen, dann aber durch Wiederholung und Chronifizierung zu bestimmten „kognitiven Schonhaltungen“, das heißt „einschränkenden Grundüberzeugungen“ und „Gruselfantasien“ geführt haben. Diese meist unbewussten inneren Einstellungen suchen den Kosmos der Interaktionen ständig nach Bestätigung ihrer Grundannahmen ab. Darüber können alle weiteren nicht gut verarbeiteten belastenden Ereignisse mit der Zeit in die dieses innere MindSet hinein gewoben werden. So ergibt sich mit der Zeit ein komplexes Netz von Überzeugungen, das die traumatische Erfahrung und die die daraus gezogenen Konsequenzen fortwährend stabilisiert.

Netzwerk von Schonhaltungen 

Wir gehen davon aus, dass dieses Netzwerk von Schonhaltungen dazu dient, bestimmtes belastendes Material weitgehend aus der Erinnerung und der Reaktivierung auszuschalten. Es gibt einen ähnlichen Schonvorgang bei einer phobischen Reaktion: Die ursprünglich als angstmachend erlebte Situation wird dadurch umgangen, dass die Angst auf weiter entfernte Angst erzeugende Auslöser verschoben wird. Die weitaus schlimmere Angst der ursprünglichen Situation wird so vermieden. Hier scheint unser Großhirn verschiedene schützende Steuerungen vorzunehmen, die sich insgesamt einschränkend auf die Handlungsmöglichkeiten und auf das Selbstvertrauen auswirken. Deshalb sprechen wir auch vom sog. „Netzwerk Frontalhirn-geleiteter Schonhaltungen“. 

Fazit

Egal, ob eine traumatische Erfahrung einen großen oder kleinen Schweregrad hat, die Nachhaltigkeit der Behandlung hängt mit der Komplexität zusammen, mit der sich das Trauma in verschiedene Lebenszusammenhänge eingemischt und verwickelt hat und je mehr die traumatische Erfahrung im Denken, Erleben, Fühlen und Körpermustern vernetzt ist. 

Die Nachhaltigkeit in der Behandlung ist umso schwieriger zu erreichen, wenn wir sehr viele Knoten des Netzwerks zu behandeln und zu lösen haben. Dieser Umstand mag den Eindruck erwecken, dass es in der Behandlung keinen Fortschritt geben würde, weil bereits behandelte Symptome bisweilen wieder zurückkehren. Dem ist allerdings nicht so. Denn wenn wir allerdings unter Zuhilfenahme des Muskeltests auch nach längerer Zeit nachtesten, sind die belastenden Ereignisse, die bereits behandelt wurden, immer noch ausreichend behandelt; aber andere Aspekte desselben Zusammenhangs zeigen noch weiter hohe Belastung an. Daher haben wir es im Falle komplexer Traumatisierungen mit einer länger währenden Behandlung des Lösens unterschiedlicher Knoten zu tun, wobei ein Knoten zum andern führt; und sobald ein Knoten gelöst ist, wird der Weg damit frei, um die anderen unbehandelten Knoten des Netzwerks, die bisher nicht oder nur schwer sichtbar waren, zu behandeln. 

Im Umgang mit komplexen Traumatisierungen ist ROMPC® eben kein „Schnellschussverfahren“: Erst wenn ein maßgeblicher Teil der zu behandelnden Knoten des Trauma-Netzwerkes hinreichend behandelt ist, stellt sich nachhaltiger Behandlungserfolg ein.