Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

„Die Last des Lehrens“: Behandlung superlativistischer Selbstansprüche mit ROMPC®

Martina Erfurt-Weil

14.06.2008

Martina Erfurt-Weil 

Worum geht´s? 

Unterschiedliche Studien haben deutlich gemacht, dass die äußeren Belastungen, denen LehrerInnen und AusbilderInnen ausgesetzt sind, nachhaltigen psychischen und physischen Stress verursachen können. 70 % der LehrerInnen sind gesundheitsgefährdet. Vom sogenannten Burn-Out spricht man bereits bei jedem zweiten Lehrer. Der äußere Stress dieser Berufsgruppe wird durch die innere Selbstansprüche der Betreffenden oftmals ins Unermessliche gesteigert - jedenfalls dann, wenn Selbstansprüche superlativistischen Charakter haben, also maßlos sind. Seelische Erkrankungen und beruflicher Misserfolg sind vorprogrammiert. ROMPC® kann LehrerInnen und AusbilderInnen dabei helfen, den inneren Teufelskreis unrealistischer Selbstansprüchlichkeit zu verlassen, Freude und Befriedigung aus der Aufgabe des Lehrens zu ziehen und beruflich erfolgreich zu sein.

Äußerer Stress 

M. stürzt aufgelöst ins Lehrerzimmer mit den Worten: „Ich bin völlig fertig. Wie kann mir das nur passieren?! Da haben mich zwei Schüler so aus dem Konzept gebracht und ich war doch so gut vorbereitet ...“

K. denkt: „Ich habe jetzt keine Zeit für meine Kollegin; ich habe noch Arbeitsblätter zu kopieren und weiß nicht, ob der Kopierer heute funktioniert.“

K. sagt: „Ach ja, uns geht es doch allen mal so. Beruhige dich doch. Es wird schon wieder“ und geht, - froh darüber, nicht auch noch mit dem Stress von M. zu tun zu haben. 

Zeitmangel, Hektik, Allein-Gelassensein mit eigenen Versagensgefühlen sind nur einzelne aber bedeutende Aspekte für Frustrationen im Beruf von LehrerInnen und AusbilderInnen. 

Diese Situation – sicher nicht nur - in deutschen Lehrerzimmern ist nicht ungewöhnlich. Immer wieder weisen Studien darauf hin - wie meine Kollegin Karin Gruß, Grundschullehrerin und Stellvertretende Schulleiterin bestätigt - welchen Belastungen LehrerInnen und AusbilderInnen ausgesetzt sind, die nachhaltigen psychischen und physischen Stress verursachen können. 70 % der LehrerInnen sind gesundheitsgefährdet. Vom sogenannten Burn-Out spricht man bereits bei jedem zweiten Lehrer. „LehrerInnen haben“, so Prof. Rudolf Kretschmer, Uni Bremen, „in nur einer Unterrichtsstunde bis zu 200 Entscheidungen zu treffen und dabei circa 15 erzieherische Konflikte zu meistern.“ 

Eine Heidelberger und eine Potsdamer Studie machen vergleichsweise ähnliche Faktoren dafür verantwortlich: Verhaltens- und Leistungsprobleme der Schüler, Lärm, Gewaltbereitschaft, Motivationsmangel, hohe Erwartungen der Eltern, der Schulleitung und der Gesellschaft an Kompetenz, Didaktik, individueller Förderung und Beratung, Klassenstärken von 32 SchülerInnen, verschiedene Rollenerwartungen im Blick auf zusätzliche Verwaltungsaufgaben, mangelnde Unterstützung durch Kollegen und Isolation und Einzelkämpfertum. 

Eine Dresdener Studie fasst es zusammen in dem Satz: „Höchste Qualität zu niedrigen Preisen von nicht-klagendem Personal“. 
Innerer StressNeben den schulpolitischen, strukturellen und organisatorischen Ursachen spielen allerdings die persönlichen Verarbeitungsstrategien und Stressregulationsmechanismen des Einzelnen eine große Rolle.

Die Trierer Stressforschung beschreibt dabei ineffektive Formen der Frustrationsregulation wie beispielsweise dauerhafte Selbstbeschäftigung mit dem Frust und zermürbende Selbstzweifel in der Lehrerpersönlichkeit statt emotionaler Distanzierung vom Schulalltag.

Verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie ein gelungenes Zeitmanagement beim Unterrichten und Vorbereiten unter Berücksichtigung von Stillarbeit in der Klasse und Ruhepausen für den Lehrer, Freizeitausgleich und eine anschauliche und interessante Informationsvermittlung sind wichtige Schritte zur Entschleunigung und zum Stressabbau. Experten sprechen allerdings immer wieder von dem Ressourcenaufbau in der einzelnen Lehrerpersönlichkeit. Dabei werden persönliche Berufseinstellung, Ansprüche und Erwartungen, Erholungsfähigkeit, Bewältigungskompetenzen, persönlicher Stil bei Auseinandersetzungen und emotionale Befindlichkeit überprüft. 

Emotionale Zerreißproben

Betroffene LehrerInnen bleiben in der Treuebindung an ein System, das sie schon als Schüler kannten, das sich allerdings ständig ändert und verunsichert, und ihre Rollenflexibilität herausfordert, sodass sie es zugleich lieben und hassen könnten. 

Sie bleiben in der Ambivalenz zwischen der Idealvorstellung von dem, was alles möglich sein könnte und dem Gefühl von Ohnmacht angesichts der Wirklichkeit. 

Sie bleiben in der Abhängigkeit der Anerkennung von elterlichen Autoritäten, die ihnen diese Anerkennung eher vorenthalten. Und ihr eigenes Belohnungssystem, nämlich ausreichende Resonanz vom Gegenüber für die pädagogischen Bemühungen zu bekommen, wird nicht hinreichend gefüttert.

Ihr Maßstab für die eigene Zufriedenheit richtet sich eher an denen aus, die ein Erfolgsgefühl erschweren bzw. es gibt kein inneres Zufriedenheitsgefühl für das, was ausreicht und genug ist.

Ihre eigenen Gestaltungsspielräume verwandeln sich zu einem Einzelkämpfertum, wenn das öffentliche Zeigen von Schwächen mit Beschämung und Gesichtsverlust einhergeht und sie weder von außen noch von ihren inneren Ressourcen die Erlaubnis bekommen, es sich leichter machen zu dürfen. 

Risikomustergruppen 

Die Potsdamer Studie von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt stellt sogenannte Risikomuster-Gruppen zusammen:

Risikogruppe A 
40 % der betroffenen Lehrerschaft gehört zum Risikomuster A, das sich durch hohe Einsatzbereitschaft und Perfektionismus mit der Tendenz zur Verausgabung auszeichnet. Dem großen Engagement folgt eine hohe Erwartung auf Anerkennung von Seiten der Schüler, Kollegen oder des Chefs, die nur selten hinreichend erfüllt wird. Diese LehrerInnen sind immer wieder bereit, sich zu verändern. Man findet sie in vielen Fortbildungen wieder. Zu diesem Typ gehört auch die Person M., wie eingangs beschrieben. „Ich war doch so gut vorbereitet. Wie kann mir das nur passieren?“ 

Äußerlich sind diese LehrerInnen meistens nett und sehr bemüht, und drücken ihren Ärger selten direkt, spontan und heftig aus. Sie „kauen“ sehr lange an Frustrationen herum, können sich lange nicht verzeihen, dass ihnen dieses Versagen passiert und leiden eher an sich selbst als an den Schülern. Dieses „Leiden“ allerdings kommt als versteckte Aggression oder bloßes Genervt-Sein doch direkt oder indirekt bei den Schülern an, die wiederum ihre anfänglichen Sympathien für den Lehrer zurückziehen. 

Risikogruppe B 
Wird der Dauerstress nicht abgebaut, reagieren etwas 30% der LehrerInnen mit Risikomuster B. Auf den ersten Blick erkennt man ihren geringeren Ehrgeiz und eine geringere Identifikation mit ihrem Beruf als bei Typ A – was sicher bei näherem Nachfragen Jahre zuvor durchaus anders gewesen sein kann. Personen dieses Risikomusters sprechen eher resignativ, lustlos, still ertragend oder klagend von ihrem „Job“. In gewisser Weise halten sie bis zur Frühpensionierung durch und schleppen sich von Wochenende zu Wochenende – wie so manche ihrer Schüler. In der Burn-Out-Spirale sind sie häufig von ihren eigenen Bedürfnissen entfremdet, und bekämpfen die offene Lustlosigkeit ihrer Schüler, die ihnen nur widerspiegeln, was sie selbst dezent verbergen. 

Diese Studien haben einen Aha-Effekt für Betroffene, und so wollen wir doch hoffen, schaffen den Anreiz, etwas für sich zu tun, um aus diesen Belastungen herauszukommen, wenn man schon nicht damit rechnen kann, dass sich die Strukturen von alleine ändern. 

Wechselseitigkeit von inneren und äußeren Stressfaktoren

Gehen wir der Empfehlung der Experten nach, als wirksames Mittel gegen Stress die Ressourcen des Einzelnen aufzubauen, können wir mit der Behandlung durch ROMPC® einen wertvollen und überaus effektiven Beitrag dazu leisten. Denn erfahrungsgemäß sind gerade innere Haltungen wie der Drang zum Perfektionismus, mangelnde Abgrenzungsfähigkeit durch den Anspruch, es allen recht machen zu wollen u. ä., d i e emotionalen Blockaden, die verhindern, dass Freiräume zum Denken und Handeln genutzt werden können und kreative Lösungsideen erlaubt sind. 

Wie innere Blockaden mit äußeren Blockaden wechselseitig korrespondieren, sei an folgendem Beispiel erläutert: Der innere Anspruch, es allen recht machen zu müssen und perfekt zu sein, kann in der persönlichen Arbeitsorganisation zu überlangen Arbeitszeiten, verringerter Entscheidungsbereitschaft für bestimmte Inhalte und Methoden und zum Hin- und Hergerissensein zwischen Freizeit-, Familien- und Berufs-Rolle führen, so dass effektives Arbeiten häufig unterbrochen wird. Diese Haltung kann sich sowohl im Unterrichtsgeschehen widerspiegeln, wo Ablenkungsmanövern der Schüler nicht deutlich genug Einhalt geboten wird, wie auch auf kollegialer und organisatorischer Ebene, wo es zu vielen und langen Besprechungen kommt und wichtige Entscheidungen hinausgezögert oder nicht umgesetzt werden. 

Der Vertrag mit mir selbst als Möglichkeit zum Ressourcenaufbau 

Ein zunächst naheliegender Versuch, sich von diesem Druck zu befreien, ist die Analyse der Situation und ein „Vertrag mit mir selbst“. Das heißt: "Was ist unter den gegebenen Umständen für mich an Zielen realisierbar, bzw. was ist der nächste realistische und überprüfbare nächste kleine Schritt einer möglichen Veränderung bei mir? Was ist mir dabei im Laufe meiner Geschichte schon gut gelungen ? Was kann ich gut, ohne mich besonders anzustrengen ? Wo bin ich mit mir zufrieden gewesen ?"

Beispiel: Ich ziehe einen Kollegen ins Vertrauen, mache morgen einen Termin mit ihm aus. Ich frage noch heute mir vertraute Menschen nach positiver Rückmeldung.Ich freue mich heute und jeden Tag über die kooperativen Schüler und lobe sie in der nächsten Stunde dafür.Ich begrenze die nicht-kooperativen Schüler klar und deutlich mit bestimmten Arbeitsaufträgen - ab jetzt.Ich fordere die passiven Schüler mit vorher vorbereiteten Aufgaben neu heraus – ab jetzt. Ich bereite dazu jetzt fachspezifisch sinnvolle Aufgabenpakete vor (z.B. Listen von mathematischen Regeln/ Grammatikregeln für die Klasse erstellen, Definitionen im Internet heraussuchen und präsentieren, Skizzen, Wiederholungen erarbeiten etc.) , die ich jederzeit einsetzen kann. Ich erinnere mich jeden Tag an gute Unterrichtsstunden und an heitere Situationen, als es mir gelungen war, spontan Themen der Schüler aufzugreifen und zu vertiefen und sie durch altersgemäße Sprache und Beispiele aus ihrem Alltag anzusprechen. Ich erlaube mir ab jetzt, diese pädagogischen „Tricks“ immer wieder einzusetzen und nicht den Anspruch zu erheben, in jeder Stunde neu originell und unterhaltsam sein zu müssen. Ich begrenze meine Vorbereitungszeiten ab heute ganz bewusst.

Diese Vorschläge können durch eigene ersetzt werden. Effektiv ist es, mindestens einen pro Tag in die Tat umzusetzen. Das erhöht das eigene Erfolgsgefühl. 

Die Vorschläge dieses Vertrages gehen allerdings davon aus, dass ich mich bereits von unangenehmen Gefühlen und Versagensgedanken distanzieren kann und emotional in der Lage bin, aus der Erfahrung zu lernen. 

Erste Ansätze mit ROMPC®

Erste unterstützende Maßnahmen mit ROMPC können die Umsetzung der Mini-Verträge erleichtern. Emotionale Blockaden werden spürbar, wenn etwas schwerfällt, wenn Energielosigkeit vorherrscht oder man dauernd in Ablenkungsmanöver verfällt. Wenn wir uns einige Momente Zeit nehmen, diese Blockaden zu benennen, adressieren wir damit im limbischen System das Stressareal. Dann wird die Neurolymphatische Reflexzone links neben dem Brustbein im Uhrzeigersinn massiert. Damit aktivieren wir lympathische Stress-Abbauprozesse im Körper, verstärken die harmonisierende Wirkung der 6 Ying-Meridiane und beeinflussen die Produktion von Antistresshormonen durch Massage. 

Beispiel: Während wir den Satz sprechen „Ich akzeptiere mich auch, wenn es mir schwerfällt, diesen ersten Schritt zu tun und mich zu loben“ und mindestens dreimal wiederholen, starten wir die oben beschriebene Massage der Neurolymphatischen Reflexzone, bis sich unsere Eingangsstimmung spürbar verändert. Auf einer Positiv-Skala von 1-7 können wir beurteilen, wie unsere Motivation dabei wächst. Tiefes Durchatmen, Strecken und Dehnen kann diese Übung begleiten und ebenso das Brustbeinklopfen oder Thymusklopfen.

Die Sätze können jeweils verändert werden, so wie sich unsere Befindlichkeit ändert. Es können Müdigkeit, Gefühle von Traurigkeit, Ärger und verschiedene Gedanken und Erinnerungsbilder auftauchen. Unser Gehirn arbeitet sich gewissermaßen assoziativ durch verschiedene Stresserinnerungsebenen durch. Dann wird das, was davon im Vordergrund steht und primär erlebt wird, in einem neuen Satz mit vorausgehender Selbstakzeptanz formuliert: „Ich akzeptiere mich auch mit dieser Müdigkeit, auch mit diesem Ärger etc.“

Behandelt wird mit der oben beschriebenen Massage und dem Brustbeinklopfen, bis sich auf der Skala von 1-7 wieder etwas in positiver Hinsicht geändert hat. Wünschenswert ist natürlich, dass man Schritt für Schritt in seiner Motivation auf 5 oder über 5 steigen kann. Die Behandlung zu beenden ist erst dann sinnvoll, wenn sich ein Gefühl der Zufriedenheit oder Gelassenheit einstellt. 

Abschleißend ist zu empfehlen, den Zeigefingerpunkt zu klopfen und dabei den Satz zu wiederholen: „Ich verzeihe mir, dass ich es mir damit so schwer gemacht habe - aber ich konnte nicht anders.“ 

Sollte diese Behandlung nicht zu dem gewünschten Erfolg führen, ist es sinnvoll, sich die emotionalen Blockaden der sogenannten superlativistischen Selbstansprüche anzuschauen und diese weiter zu behandeln. 

Superlativistische Selbstansprüche 

Die sogenannten „superlativistischen Selbstansprüche“ (so Thomas Weil) nähren die permanenten Selbstzweifel und blockieren im limbischen System unseres Gehirns die körpereigenen Belohnungsreserven. Der Zugriff auf wertvolle Ressourcen wird eingeschränkt. „Ich bin erst dann eine gute Lehrerin, wenn .... es mir gelingt, möglichst alle SchülerInnen zu motivieren und zu guten Ergebnissen zu bringen ....“ - „Ich bin erst dann ein guter Trainer, wenn ich möglichst alle TeilnehmerInnen begeistern kann ...“. 

Wie nah bin ich an der Angst, versagt zu haben, wenn ich diese Ansprüche nicht erfüllen kann bzw. mir einzelne SchülerInnen / Teilnehmerinnen nicht den Gefallen tun, so zu kooperieren, wie ich mir das wünsche bzw. weil sie es unterlassen, mich zu schonen, was es mir scheinbar leichter machen würde. 

Wenn das (berufliche) Selbstwertgefühl daran geknüpft ist, den inneren superlativistischen Selbstansprüchen zu genügen, steht viel auf dem Spiel! 

Das Konzept der inneren „Antreiber“

Im Blick auf die superlativistischen Selbstansprüche nutzen wir das transaktionsanalytische Konzept der Antreiber, das von Taibi Kahler im Rahmen seines Artikels über das sog „Miniskript“ entwickelt wurde. Die fünf Antreiber sind Botschaften wie: „Sei perfekt!“ - „Beeil dich!“ - „Sei stark!“ – „Arbeite hart!“ – „Mach´s anderen recht!“ 

„Antreiber“ sind zunächst neutrale, erzieherisch gut gemeinte elterliche Anweisungen und Forderungen an das Kind, in der Hoffnung, sich damit in der Welt zu orientieren, sich vor bösen Überraschungen zu schützen, geliebt zu werden und dazu zugehören. Sie werden vom kleinen Kind genommen, weil es sich damit Erfolg verspricht, allerdings noch nicht beurteilen kann, ob diese Inhalte ihm in Zukunft nützen. Das „Arbeite hart-Motto“ der Kriegs- und Aufbaugeneration trifft in Zeiten von Mangel und Not tatsächlich eher zu als in Zeiten von Überfluss und Luxus. So werden Maximen der Eltern wie „nur wer hart arbeitet, hat später Erfolg“ fortgeschrieben für die Kinder und Jugendlichen, die in einer anderen Zeit aufwachsen und andere Werte z.B. ein höheres Maß an emotionaler Kompetenz brauchen. 

Diese „Strategien“ haben die Elternfiguren historisch dem Kind verbal oder nonverbal oder durch modellhaftes Vorleben vermittelt: „Du bist (nur) o. k., wenn du immer perfekt bist, schnell bist, stark bist, hart arbeitest bzw. es allen recht machst.“ Und sie haben nach diesen Werten selbst gelebt, bis ihre Kinder ihnen spätestens in der Pubertät auf die Schliche kamen und diese Werte in Frage stellten, um in der Abgrenzung eigene Werte zu er-finden – zumindestens auf gedanklicher (Frontalhirn-)Ebene. Emotional i.e limbisch bleiben auch die erwachsenen Kinder von den elterlich starken emotionalen Eindrücken von Lob und Tadel weiterhin mehr oder weniger abhängig. Denn, das was uns emotional am meisten berührt hat, bleibt im Langzeitgedächtnis erhalten. 

Nicht die intellektuellen Werte von Perfektion, Geschwindigkeit, Arbeitseinstellung sind das Problem sondern die damit verbundenen negativen Gefühle: die Unsicherheit, nicht zu wissen, nicht zu glauben, nicht zu fühlen, wann bin ich für den anderen und für mich selbst o.k. ? Mit der Er-Findung der eigenen Werte geht eine emotionale Emanzipation von den früheren Eltern und von ihrer Anerkennung einher. Je geringer die elterliche Anerkennung ausfiel, umso größer ist die Sehnsucht nach Ausgleich durch elternähnliche Ersatzpersonen; umso größer auch das Risiko, enttäuscht zu werden und zu resignieren. Gelingt die Abgrenzung von den Eltern durch gute wertschätzende Kontakte als Erwachsener, kann man die übernommenen „Antreiber“ in ihrer Einseitigkeit und Übertreibung und ihrer geschichtlichen „Gefangenschaft“ durchschauen und auf die eigene Lebenspraxis zuschneiden. 

ROMPC® - Übung für die tägliche Psychohygiene

Mit einer kleinen Übung, die wie tägliches Zähneputzen zur Psychohygiene eingesetzt werden kann, können die o.g. Ansätze verankert werden. 

Mit der bereits bekannten Massage der Neurolympathischen Reflexzone wird der Satz wiederholt: „Ich akzeptiere mich voll und ganz, auch wenn ich manchmal die Anerkennung meiner Eltern oder heutiger Elternfiguren noch (so stark) brauche.“ - Dabei ist es hilfreich, sich die Personen, die heute wichtig sind, vorzustellen und die Eltern in der Vorstellung in den Hintergrund treten zu lassen. 

Während auf den kleinen Finger geklopft wird, werden die Sätze wiederholt: „Ich verzeihe meinen Eltern, dass sie mir Anweisungen zum guten Leben gegeben haben, die mir nicht immer nützlich waren. Ich verzeihe es ihnen, denn sie waren Gefangene ihrer eigenen Geschichte. Ich verzeihe meinen Eltern, dass sie mir das Selbstbewusstsein, das ich heute brauche, nicht so vermitteln konnten, wie ich es schon damals gebraucht hätte. Sie waren Gefangene ihrer eigenen Geschichte.“ 

Während auf den Zeigefinger geklopft wird, werden die Sätze wiederholt gesprochen: „Ich verzeihe, dass ich die Anerkennung gerade bei denen noch suche, die es mir so schwer machen. Ich war Gefangener meiner eigenen Geschichte.“ 

Nach jeder Selbstbehandlung empfiehlt es sich, tief durch zu atmen, sich zu strecken und zu dehnen und einige Momente der Ruhe einzuplanen und sich die gute Resonanz vorzustellen, die man heute von den gegenwärtig wichtigen Personen bekommt, um diesen mich unterstützenden Personen schließlich symbolisch einen angemessenen Ort in den eigenen Gedanken oder dem eigenen Herzen zu geben. 

„Antreiber“ in der Kommunikation

Nach Taibi Kahler äußern sich die Antreiber nicht nur durch die gesprochenen Worte. Körperhaltung, Mimik und Gestik senden oft unbewusst entsprechende Botschaften an unser Gegenüber - zum Beispiel an unsere Schüler, Kollegen und Chefs. 

Mit diesen unbewussten Signalen sagen wir: „Sieh doch, wie schwer ich es mir immer mache, und erkenne mich dafür an.“ - „Zeig mir bitte nicht, dass du es dir leichter machst, obwohl ich das eigentlich so sehr selbst brauchte, aber mir schon längst nicht mehr erlaube.“ - „Konfrontier mich bitte nicht durch deine Art mit meinem Defizit.“ - „Sei eher auch arbeitsam und hart gegen dich selbst, dann bin ich damit nicht so allein.“ - „Mach dir auch mal Mühe um mich, damit ich spüre, dass du weißt wie es mir geht.“ 

LehrerInnen und AusbilderInnen, die sich hier angesprochen fühlen, können einmal selbst überprüfen, von welchen Antreibern sie in angespannten Situationen vor den TeilnehmerInnen oder der Klasse beeinflusst sind. Oder sie holen sich von guten Kollegen das entsprechende Feedback, um zu erfahren, wie sie gestisch und mimisch auf andere wirken. 

„Höchste Leistung und Einsatz allein zählt!“ - „Alles muss rasch erledigt werden!“ - „Bitte keine Schwäche und keine unangenehmen Gefühle zeigen!“ - „Eine Sache ist nur dann wertvoll, wenn sie Mühe macht und mit Anstrengung verbunden ist!“ - „Die eigenen Bedürfnisse sind nicht wichtig!“ 

Selbst in der Antwort auf die Frage: „Wie geht es Ihnen ?“ können sich Antreiber verbergen: „Alles bestens!“ - „Wie immer im Stress!“ - „Danke der Nachfrage – gut!“ - „Das ist wirklich schwer zu erklären....“ - „Und wie geht es Ihnen?“ 

Je eher wir eine berufliche Situation als spannungsvoll erleben, umso eher reagieren wir gemäß unserer erworbenen Antreiber. Je mehr wir dann mit uns selbst beschäftig sind, je ferner und angespannter wir dann wirken, umso weniger können wir bei unserem Gegenüber die emotionale Resonanz auslösen, die wir uns eigentlich wünschen. Klare Aussagen und eine starke Präsenz gepaart mit Humor und Flexibilität sind dagegen einladend. 

Um in diesen entspannten Zustand zu gelangen, können wir geeignete ROMPC®-Technken für uns nutzen. Durch ROMPC® ist es möglich, ärgerliche, angespannte Befindlichkeiten schnell wieder aufzulösen, um in der eigenen Lust, in der Begeisterungsfähigkeit, in der eigenen Klarheit und zugewandt unser Gegenüber zu adressieren und zu erreichen. 

ROMPC® - Übung vor dem Eintritt in die Klasse

Um Anspannung und Ärger loszulassen, empfiehlt es sich, vor dem Eintritt in die Klasse einige Momente durchzuatmen, die Kraft des Körpers zu spüren, die Klarheit der Gedanken und die Wichtigkeit von aufrichtiger Zugewandtheit. Mit dem Brustbein- bzw. Thymusklopfen können diese Aspekte verstärkt werden. „Ich lasse meine Anspannung und meinen Ärger/meine Angst hinter mir und gewinne SchülerInnen für meine Inhalte. - Ich tue mein Bestes, was mir heute möglich ist. - Ich reicht mir, die zu erreichen, die sich erreichen lassen!“ Diese Affirmationen gilt es, wiederholt „einzuklopfen“, bis eine Erleichterung spürbar wird und die Anspannung aus Gesicht und Körperhaltung weicht. Dann geht es leichter, in die Klasse einzutreten. Je häufiger man diese Übung macht - vielleicht schon auf dem Weg zur Arbeit - umso häufiger stellt sich im limbischen System Beruhigung ein, und das eigene Erfolgsgefühl wird gestärkt. 

Das Superlativistische an den Selbstansprüchen

Als Frontalhirn-geleitete Schutz- und Schonhaltungen kommen die Antreiber dem alarmierten limbischen System in angespannten Situationen bei äußeren Stressauslösern zu Hilfe. Um nicht das Gesicht zu verlieren, um Angst und Wut einzudämmen, um einen Ausweg aus der vermeintlichen Hilflosigkeit haben, nähren sie die Hoffnung: wenn ich mich genug anstrenge und es das nächste Mal anders mache, wird es schon besser. - Dagegen ist nichts einzuwenden! Wenn sie sich allerdings als eigene unbarmherzige Richter erweisen, denen man nie genügen kann und vor denen man schlussendlich versagen muss, sind sie dysfunktional. 

Die superlativistischen Selbstansprüche in ihrer Einseitigkeit und Überzogenheit sind Produkte der kindlichen Not. In der kindlichen Phantasie wirken sie zunächst unterstützend und tröstend: „Wenn ich groß bin und mich angestrengt habe, werdet ihr Eltern schon sehen, was ich für ein tolles Kind bin..... dann müsst ihr mich lieb haben....in der Zwischenzeit will ich euch nicht brauchen müssen.“ 

Superlativistische Selbstansprüche sind der „fantasievolle“ Versuch, eine heile Welt aus eigener Kraft zu schaffen, in der Enttäuschungen verhindert werden können, und in der das Kind glaubt, sich die Liebe auf Zukunft hin zu erarbeiten. Da diese heile Welt in Träumen aber nicht in der Realität besteht, gibt es kein reales Gefühl für eine nachhaltige realistische Zufriedenheit. Das limbische System „denkt“ nicht erwachsen, sondern bleibt in der Not des Kindes gefangen. Einerseits ist diese Not eine Folge früherer chronischer Kränkungen darüber, nicht so gemocht worden zu sein, wie man sich eigentlich gezeigt und gefühlt hat; andrerseits kann diese Not auch als Produkt der „schmeichelhafter Verführung“, etwas Besonderes zu sein oder sein zu müssen, verstanden werden: jedenfalls den Idealen der Eltern zu entsprechen - entweder als deren Abbild oder zur Kompensation der elterlichen Defizite. 

In diesem Zusammenhang mögen wir uns einst geschworen haben: „Ich mache es in meinem Leben mal besser / ganz anders!“ Doch dieser Anspruch ist unerfüllbar. Das kindliche Ich sagt in seiner Bindung zu Mama und Papa zu diesem besonderen Auftrag erst einmal Ja, ohne zu wissen, wie die Erfüllung eigentlich in der Zukunft der nächsten 20 Jahre aussehen wird. „Wenn die mir schon so etwas Besonderes zutrauen, muss ich auch jemand Besonderes sein.“ Die „schmeichelhafte Verführung“ verleiht Exklusivität und fühlt sich zunächst gut an, wird aber immer wieder enttäuscht, weil das Kind von den Eltern, denen es helfen möchte, immer wieder als Kind behandelt, getadelt, beschämt, bevormundet wird. Das Kind generiert in seiner Enttäuschung, Ohnmacht und Hilflosigkeit mit seiner ihm eigenen übersteigerten Fantasie gedanklich eigene Ersatz-Elternfiguren (R. Erskine), deren Ansprüche sich ins Unermessliche steigern, weil die kindliche Fantasie keinen Grenzen kennt. So kommt es zur „Geburt“ superlativistischer Selbstansprüche, die eine maßlose Steigerung der inneren Antreiber darstellen. 

Vergleichbar ist diese Zukunftsprojektion mit dem Bild vom Esel, der eine Stange angebunden bekommt, an dem eine Möhre hängt, damit er rennt. Aber tragischerweise erwischt er diese Möhre nie. Die erhoffte Belohnung bleibt aus. „Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.“ 
Die stolze Variante heißt: „Ich schaffe es alleine“ – Sie ist nur die Schwester der resignativen Variante: „Ich schaffe es nie“. Der Selbsterlösungsversuch ist mit einem sich wiederholenden inneren Hin und Her zwischen beiden Varianten verbunden: Wenn ich gut drauf bin, halte ich mich für unübertrefflich. Andernfalls stürze ich innerlich ab, und fühle mich wie ein Versager. Beide Varianten spiegeln das alte Misstrauen wider, zuzulassen, auf andere angewiesen zu sein, etwas von anderen anzunehmen, etwas von anderen brauchen. Nur aus Angst davor, wieder enttäuscht und verletzt werden zu können. 

In der Kommunikation als Erwachsene kann sich dieses Misstrauen darin äußern, dass ernst gemeinte Komplimente und einzelne Erfolge nicht wirklich angenommen und genossen werden können, sondern mit Gedanken wie: „Da hatte ich halt Glück! - „Das sagst du nur, weil du mein Partner bist und mich aufmuntern willst!“ – „Das kann ich nicht glauben!“ oder stolz und überheblich „Ich bin halt so ein toller Hecht!“ relativiert oder zurück gewiesen werden. 

Am Ende der Kette bekommt das Einzelkämpfertum wieder neue Nahrung, weil auch Partner und Kollegen, die gerne loben, sich irgendwann einmal resigniert abwenden, wenn sie erleben, dass ihr wohlwollendes Lob nicht angenommen wird. Damit ist die befürchtete Enttäuschung „Keiner mag mich, wenn ....“ ein weiteres Mal bestätigt.

Heraus aus dem Teufelskreis mit ROMPC®

Idealerweise sollte man sich einen Menschen seines Vertrauens suchen bzw. einen ROMPC®-Therapeuten, - Coach oder -Berater, der gerade dieses ungewollte Einzelkämpfertum und die Not aufzeigt, der begleitet und der dabei hilft, neues Vertrauen zu gewinnen und aufzubauen. Dennoch gebe hier einige Möglichkeiten zur Selbstbehandlung, die dabei nützlich sind, neue Ressourcen aufzubauen. 

Nehmen Sie zum Beispiel das Bild von dem Esel mit der Möhre und nehmen Sie Ihre Gefühle dazu wahr. Behandeln Sie wie oben bereits beschrieben, alle belastenden Gedanken und belastenden Gefühle, die nacheinander auftauchen, mit der Massage, dem Klopfen und den wiederholten Sätzen: „Ich (XY /Name) akzeptiere mein verletztes Kind in mir, wenn ich mich jetzt traurig/ärgerlich etc. fühle.“ Behandeln Sie sich so lange, bis Erleichterung eintritt. 

Streichen Sie liebevoll über das Brustbein und wiederholen Sie: „Ich werde in Zukunft dieses Kind in mir trösten und verstehen. Ich werde es vor der schmeichelhaften Verführung, beschützen, die mich in die Überforderung treibt.“ 

Dazu wählen Sie aus der nachfolgenden Liste, die Erlaubnisse aus, die Sie im Augenblick am meisten benötigen. Bitten Sie Menschen Ihres Vertrauens, Ihnen diese Erlaubnisse zuzusprechen und sprechen Sie zu sich selbst:„Ich erlaube mir, auch mal Fehler zu machen, darüber zu reden und andere um Rat zu fragen.“„Ich stehe zu meinen eigenen Grenzen und zeige dies auch.„Ich darf meine Erfolge geniessen - vor und mit anderen.“„Ich darf auch mal 'nein' sagen und es mir leichter machen.“„Ich darf Pausen einlegen, auch wenn andere um mich herum hart arbeiten.“„Das, was ich tue, ist auch dann wertvoll, wenn es mir leicht von der Hand geht.“„Ich darf durchatmen, meine Gefühle wahrnehmen und mich damit zeigen.“„Ich darf mich anderen mit meinen Bedürfnissen anvertrauen und Beschämung zurückweisen.“„Ich weiß um meinen Wert und reduziere Konkurrenzgefühle.“„Ich darf meinen Auftrag immer wieder neu und mir angemessen definieren.“„Ich lasse von meiner Überverantwortlichkeit und lasse die Verantwortung, die andere für unseren gemeinsamen Auftrag haben, bei ihnen.“Selbstverständlich können Sie diese Erlaubnisliste um weitere Erlaubnisse, die Ihnen gut tun, ergänzen oder verändern. 

Fazit

Wenn Sie sich diese Erlaubnisse immer wieder zu eigen machen, können Sie nicht nur besser die „Last des Lehrens“ bewältigen, sondern Ihren SchülerInnen und Auszubildenden modellhaft vorleben, wie sich gesundes Selbstwertgefühl anfühlt, wie es sich zeigt und wie es entwickelt werden kann. 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!