Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Skulptur- und Aufstellungsarbeit mit ROMPC®

Eva Sattler

Eva Sattler

Heinz-Günter Andersch-Sattler

Heinz-Günter Andersch-Sattler

11.03.2010

Worum geht´s? 

Aufstellungs- und Skulpturarbeit einerseits und ROMPC® andererseits sind Verfahren, die bei Traumatisierungen Veränderungen und Lösungen ermöglichen. Beide Verfahren setzen an unterschiedlichen Punkten ein und ergänzen sich optimal.

Kein Widerspruch

Aufstellungs- und Skulpturarbeit einerseits und ROMPC® andererseits sind Verfahren, die bei Traumatisierungen Veränderungen und Lösungen ermöglichen. Beide Verfahren setzen an unterschiedlichen Punkten ein:Aufstellungs- und Skulpturarbeit sieht Traumatisierungen als Ergebnis familiärer Verstrickungen. Das lässt sich insoweit belegen, als stabile familiäre Bindungen die Verarbeitung belastender Ereignisse erleichtern würde. Des weiteren entstehen belastende Erfahrungen häufig im Rahmen von engen Bindungen und Beziehungen. In einem erlebnisorientierten Verfahren sollen dann die Verletzungen anders integriert und gelöst werden.ROMPC® greift die verletzte Beziehung auf, versucht diese antithetisch zu beantworten und mindert die belastende Erregung an der zentralen Stelle des limbischen Systems. Dieses Verfahren setzt mehr am Individuum an und weniger am System der vernetzten Beziehungen und Bindungen.Hieraus wird deutlich, dass beide Herangehensweisen nicht im Widerspruch zueinander stehen, sondern als gegenseitige Ergänzungen begriffen werden können. Wie können wir also die individualpsychologische Betrachtungsweise um die systemische ergänzen? Und die systemische um die Entkoppelung auf der Ebene des limbischen Systems erweitern?

Wozu brauchen wir Entkoppelungstechniken in der Skulptur- oder Aufstellungsarbeit?

Wir haben in der Vergangenheit oft die Erfahrung gemacht, dass teilweise in der Skulptur- und Aufstellungsarbeit extreme Stockungen aufgetreten sind. Alles Bemühen erschien erfolglos und sinnlos. Natürlich haben wir unsere Erklärungen dafür. Aber die allein führen im besten Falle zu einer Selbstberuhigung und zur Erarbeitung neuer Ansätze. Genau in diesen Situationen haben Hellinger und seine Schüler den Prozess häufig abgebrochen mit der Begründung „Du bist noch nicht so weit“, was einer Retraumatisierung gleichkommen kann. Dies hat mitunter auch dazu geführt, dass die Klienten angebotene Lösungen scheinbar angenommen haben, ohne den Schritt emotional nachvollziehen zu können. In solchen Fällen ist mit einer drastischen Verschlimmerung des ursprünglichen Problems und seiner Symptome zu rechnen – allerdings erst im Nachhinein. Wir halten solch ein Vorgehen auch mit unserer Ethik nicht vereinbar vor allem dann, wenn es andere Wege gibt. Und eine Psychotherapie, die neue Verletzungen billigend in Kauf nimmt für kurative Zwecke, kann nicht wirklich hilfreich sein. Wir kennen alle den innerlich aufkeimenden Ärger, wenn ein Klient die Lösung, die doch so auf der Hand liegt, nicht nehmen kann und/oder will. Dieser Ärger ist ein Gegenübertragungsphänomen, in dem der Therapeut die innere Hilflosigkeit des Klienten spürbar kennenlernt. Ein Ausagieren dieses Ärgers durch Kontaktabbruch und Schuldzuweisung – z.B. durch die Unterstellung, der Klient „wolle“ die Lösung nicht nehmen und lieber sein Problem behalten – kommt in diesem Zusammenhang einem ernsthaften Kunstfehler gleich. Haben unsere Klienten nicht auch uns gegenüber als Autoritätspersonen ein Recht auf ihren Trotz und ihre Selbstbehauptung? Ist manchmal die Beibehaltung des Leids nicht besser, als sich anderen zu unterwerfen? In dem Fall haben wir das Problem, das wir behandeln, nicht ausreichend definiert; denn wenn unser Klient sein Problem hat und gleichzeitig ein Autoritätsproblem, dann muss ich vielleicht beides angehen mit den angemessenen Mitteln. Vielleicht auch noch weitere Themen. Denn schließlich entscheidet nicht der Therapeut über den Erfolg seiner Intervention. 

Blockaden beim Klienten

Der erste Schritt, ROMPC®-Methoden in die Skulptur- und Aufstellungsarbeit zu integrieren, galt also der Lösung solcher Blockaden. Diese sind am besten beim Klienten selber zu behandeln, wenn der aufgrund einer eigenen Blockade eine Lösung nicht nehmen kann. Wie in dem obigen Beispiel können wir dann den Trotz mit Hilfe von Entkoppelungstechniken bearbeiten, damit der Klient freier ist zu entscheiden, ob er der angebotenen Alternative folgen will oder bei seinem bisherigen Muster bleiben will. Wenn aufgrund innerer Blockaden diese Freiheit gestört ist, können wir mit den Entkoppelungstechniken den Freiheitsgrad wieder erhöhen.

Blockaden bei Stellvertretern

Wenn die Blockade beim Klienten selber eintritt, ist die Einbeziehung von Entkoppelungstechniken recht gut zu begründen. Nun treten aber Blockaden auch häufig bei Stellvertretern in der Skulptur auf. Das Beste ist, wenn unser Klient diese Einschränkung dieses Familienmitglieds im Sinn von „anerkennen was ist“ akzeptieren kann und ihm diese eine veränderte Sichtweise ermöglicht. Um dem Klienten aber vorausschauend schon einmal eine mögliche Lösung/Veränderung fühlbar zu machen, werden Lösungsbilder eingeführt, so dass sich beim Klienten eine innere Veränderung in Richtung so einer Lösung bahnen kann, so dass er für diese mögliche Lösung eine fühlbare innere Korrelation vorwegnehmen kann. Damit dies nicht nur schematisch gelingt (=im Sinne einer Ideallösung), kann es hilfreich sein, Stellvertreter einer Entkoppelungsbehandlung in der Rolle zu unterziehen, damit die Lösungskonstellation auch glaubhaft vertreten werden kann und das Lösungsbild in diesem Sinne stimmig wird. 

Die Frage ist hier: Wann greife ich auf diese Weise ins System ein und wann arbeite ich auf die Akzeptanz der Blockaden hin? Der Engländer würde sagen: „it depends“. Wie oben bereits ausgeführt, kann die Akzeptanz einer vorhandenen Blockade die notwendige Freiheit schaffen. Dem geben wir in der Regel den Vorzug. Wenn das aber nicht gelingt, dann bieten wir die Möglichkeit an, Blockaden auch bei Stellvertretern zu minimieren, um die Veränderung im Fühlen schon einmal vorweg zu nehmen.

Wozu brauchen wir systemische Techniken im ROMPC®?

Wie in unserem Artikel „ROMPC® im systemischen Kontext“ dargelegt, gibt es im ROMPC® bereits Begrifflichkeiten, die direkt zu systemischen Sichtweisen hin geöffnet sind. Da ist zuallererst der Begriff des inneren Teams zu nennen. Dieser ist ja bereits von Virginia Satir benutzt worden und das Zusammenspiel innerer Rollen und Funktionen wurde systemisch betrachtet und verstanden. Zum strukturellen inneren Team gehören u.a. die Introjekte. Diese liegen nahe bei den Identifikationen und der Übernahme von Persönlichkeitsanteilen naher Bezugspersonen. Im ROMPC® arbeiten wir psychodramatisch mit diesen Introjekten, indem wir sie auf die Bühne holen und wie eine eigenständige Person behandeln. Dissoziative Life-States sind abgespaltene Persönlichkeitsanteile, die ihre Wirkung in unkontrollierten Momenten zeigen. Auch diese holen wir auf die sichtbare Bühne und behandeln sie wie eine eigenständige Person. Intrusive Life-States sind mindestens teilweise offen ins Familiensystem hinein, weil viele Besetzungen aus dem unmittelbaren familiären Umfeld stammen. Sie erhalten ein Stück nachträglicher Anerkennung, um ihnen das Gehen zu erleichtern.

Die Introjekte und die Dissoziativen Life-States lassen sich unmittelbar systemisch verstehen und integrieren. Wir können sie in einer Aufstellung oder Skulptur sichtbar machen, können sie, wenn es in einer Aufstellung sich zeigen sollte, direkt in die Aufstellung oder Skulptur integrieren. Oder umgekehrt: Wir können diese beiden Life-States psychodramatisch im Rahmen einer Aufstellung oder Skulptur behandeln. Auch mit einem Intrusiven Life-State können wir in dieser Weise umgehen und dem Klienten dessen Gehen deutlich sichtbar machen. 

Letztlich können wir auch einen Past-Life-State in einer Skulptur oder Aufstellung sichtbar werden lassen und ihn in diesem Rahmen bearbeiten, auch wenn er nicht mit Bezug auf das Familiensystem verstanden werden kann.

Alle Aspekte des funktionellen inneren Teams lassen sich sowieso mit Mitteln der Skulptur- und / oder Aufstellungsarbeit bearbeiten.