Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

"Übertragungstransaktionen" erzählen die “unerhörte Geschichte”

Thomas Weil

27.10.2010

Thomas Weil 

Worum geht´s? 

Im Rahmen des ROMPC® achten wir auf die sog. "Übertragungstransaktionen", um einen unmittelbaren Zugang zu der "unerhörten Geschichte" des Klienten zu bekommen und darüber Aufschluss zu erhalten, was die geeigneten Anker- und Hebelpunkte für die Behandlung sind.

Was sind Übertragungstransaktionen 

Eine "Transaktion" ist im Sinne von E. Berne, dem Begründer der "Transaktionsanalyse" die kleinste Beziehungseinheit bestehend aus einem kommuniktiven "Stimulus" (Reiz) und einer kommunikativen "Response" (Reaktion). Wenn Menschen als "beziehungshungrige" Wesen miteinander kommunizieren, tauschen sie "Streicheleinheiten" aus. Die Transaktionen sind die kommunikativen Vehikel, die diesen Vorgang möglich machen. Sie können verbaler oder non-verbaler Natur sein. 

Eine besondere Gattung von Transaktionen sind die sog. "Übertragungstransaktionen". Übertragungstransaktionen sind Kommunikationseinheiten, bei denen der Stimulus des Senders durch den Empänger so beantwortet wird, dass sich dessen Response zwar auf das Thema der gegenwärtigen Kommunikation beziehen lässt, aber über dieses hinaus auf einen unverarbeiteten Ursprungskonflikt verweist. Anders ausgedrückt: Ein unverarbeiteter Konflikt der Vergangenheit wird unbewusst auf die Gegenwart übertragen und dort in realitätsverzerrender Weise als Wahrnehmungsschablone für´s Hier und Jetzt benutzt. 

So kann es sein, dass wir uns als Therapeuten, Berater und Coaches mit Äußerungen unseres Klienten konfrontiert sehen, die sich inhaltlich zwar auf das Hier und Jetzt zu beziehen scheinen. Die Art und Weise, in der der Klient seine Äußerungen jedoch zur Sprache bringt, lässt erahnen, dass sich das, was er sagt, in Wirklichkeit auf eine traumatische oder verletzende Situation der Vergangenheit bezieht und mit dieser energetisch verbunden ist. Man könnte auch sagen: Durch das aktuelle Thema der Therapie, des Coachings oder der Beratung wird eine Facette der "unerhörten Geschichte" des Klienten bzw. eines der "blinden Passagiere" seines "Inneren Teams" an-getriggert, die sich durch diese besondere Kommunikationsform der Übertragungstransaktionen uns mitteilen will. 

Was lässt uns ahnen, dass wir es mit Übertragungstransaktionen zu tun haben? 

Unbewusste und unwillkürliche Klienten-Reaktionen können auf mögliche Übertragungsreaktionen hinweisen - jedenfalls immer dann, wenn sie nicht im Einklang mit dem aktuellen Thema bzw. dem Inhalt der gegenwärtigen Kommunikation stehen. Das ist besonders dann dann der Fall, wenn die Klienten-Reaktionen ...

  • asynchron erfolgen

    zum Beispiel: Mit Worten wird Zustimmung signalisiert, während gleichzeitig der Kopf geschüttelt wird etc.
  • unverältnismäßig erscheinen

    zum Beispiel: überemotionale oder überrationale Reaktionsmuster im Sinne von Übertreibung oder Verharmlosung etc.

Typische Klienten-Reaktionen mit Hinweischarakter auf mögliche Übertragungstransaktionen sind:

Superlativistische Hervorhebungen
 
zum Beispiel:

  • "Immer verlangst du von mir, dass ich ..."
  • "Nie hast du Zeit für mich."
  • "Ich verstehe hier überhaupt nichts."
  • "Niemand ist für mich da."


Akustische Markierungen
 
zum Beispiel:

  • Anheben oder Absenken der Stimme
  • auffällige Betonungen
  • Veränderungen der Lautstärke
  • akzentuierte Pausensetzung etc.

Emotionale Markierungen
 
zum Beispiel:

  • in Tränen ausbrechen
  • jähzornig werden
  • heftige Selbstvorwürfe gegen sich richten
  • kopflose Panik entwickeln etc.

übertriebene Mimik und Gestik
 
zum Beispiel:

  • schmollen
  • die Stirn in Falten legen
  • die Nase rümpfen
  • sich die Lippen lecken
  • schmatzen
  • unwillkürliches Kopfschütteln
  • heftige Handbewegungen

unerwartete Körpersignale bzw. Körperreaktionen
 
zum Beispiel:

  • mit den Achseln zucken
  • Luft anhalten
  • hektisch und flach atmen
  • seufzen
  • sich räuspern
  • der Kloß im Hals
  • der Druck im Magen
  • die schweren Schultern
  • plötzliches Erstarren,
  • unruhig werden und die Körperhaltung ändern etc.

existentielle Metaphern
 
zum Beispiel:

  • "mir schlagen die Wellen über dem Kopf zusammen"
  • "ich fühle mich in die Ecke getrieben"
  • "das Wasser steht mir bis zum Hals"
  • "es gibt kein Entrinnen mehr"
  • "ich bis so wütend, dass es mich fast zerreisst"
  • "ich möchte am liebsten im Boden versinken" etc.

Im Rahmen des ROMPC® achten wir neben den "Dialogblockaden" auch auf Übertragungstransaktionen, um einen unmittelbaren Zugang zu der "unerhörten Geschichte" des Klienten zu bekommen und darüber Aufschluss zu gewinnen, was die geeigneten Anker- und Hebelpunkte für die Behandlung sind. Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass wir langwierige Befragungsprozesse unseres Klienten immer dann abkürzen können, wenn sich uns das, wonach wir suchen, in Gestalt dieser speziellen Kommunikationsform, der "Übertragungstransaktionen", unmittelbar live innerhalb unserer professionellen Beziehung mit dem Klienten offenbart. 

Deshalb können wir etwas solganisiert feststellen: "Durch das, was du mir zwischen den Zeilen sagst, offenbarst du mir deine unerhörte Geschichte."