Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

ROMPC® - mehr als eine Technik? Von der Technik zum Verfahren

Thomas Weil

01.05.2006

Thomas Weil 

Worum geht´s?

ROMPC® ist mehr als eine Technik: ROMPC® ist ein integratives und beziehungsorientiertes Verfahren, das nicht auf tapping und Klopfakupunktur reduziert werden kann.

Wie es begann

Als wir im Jahr 2000 erste Techniken der Klopfakupunktur ("Tapping") kennen lernten, ahnten wir nicht, dass diese Entdeckung zu einer grundlegenden Veränderung unserer bisherigen Arbeitsweise als Therapeuten, Coaches und Trainer führen würde. Wir waren tief davon beeindruckt, an uns selbst und bei unseren Klienten zu erfahren, wie es möglich wurde, belastende Erfahrungen der Lebensgeschichte unmittelbar hinter sich zu lassen und sich von negativen Emotionen zu trennen. "Sollte alles, was wir als Professionals bis dato gelernt hatten, überflüssig geworden sein ?" - das fragten wir uns immer wieder. Skeptisch und ein wenig ungläubig nutzten wir die neuen Techniken. Dabei waren wir sehr bemüht, uns die Wirkvorgänge zunächst energiepsychologisch zu erklären, was ja auch nahe lag, weil wir das Energiesystem über das Klopfen auf Meridian-Punkte stimulierten. Festhängende therapeutische Prozesse kamen wieder in Gang. Unsere Klienten, Coachees und Trainees begannen, auf spielerischere Weise all das zu lernen und zu verinnerlichen, was sie in unseren Maßnahmen erfuhren. Und es taten sich neben der Therapie ziemlich rasch weitere außertherapeutische Anwendungsfelder auf.

Methodenintegration

Auf Grund des starken Interesses von Kolleginnen und Kollegen begannen wir bald damit, die neuen Techniken auch zu lehren, ein erstes Curriculum zu entwickeln und erste Ausbildugnsgänge in „MPC“ (Meridian-based Psychotherapy, Counselling and Coaching) anzubieten. Zahlreiche Diskussionen mit unseren Ausbildungskandidaten, ihre und unsere wachsenden Erfahrungen im Umgang mit den neuen Techniken und vielfältige Supervisionsgelegenheiten forderten uns dazu heraus, die ursprüngliche Sammlung von Klopftechniken mit der Theorie und Praxis unserer traditionellen Therapie-Beratungs- und Coaching-Verfahren integrativ zu verbinden. In diesem integrativen Verbund entwickelte sich MPC von einer innovativen Behandlungstechnik allmählich zu einem eigenständigen, beziehungsanalytisch-orientierten Verfahren und schließlich zur eingetragenen Marke „ROMPC®“ (Realationship-oriented Meridian-based Psychotherapy, Counselling and Coaching), unter der es heute von weit über einhundertfünfzig zertifizierten ROMPC®-Therapeuten, -Beratern und -Coaches in Europa angewandt und gelehrt wird.

Neurobiologie bestätigt Beziehungsphilosophie des ROMPC®

Erst in jüngster Zeit trat unter Einbeziehung neuer neurobiologischer Erkennntnisse aus dem Bereich der Hirnforschung das energiepsychologische Erklärungsmodell etwas in den Hintergrund: Mit Blick auf die Erkenntnisse der Stress- und Traumaforschung wurden Erklärungsmodelle interessant, die den Erfolg von ROMPC® auf die wirksame Entkoppelung der Attraktion an frühere Traumata durch eine veränderte Datenverarbeitung im limbischen System und die Aktivierung von Neuverschaltungen im neuronalen Netzwerk unseres Gehirns zurück führten. Jetzt wurde es möglich, neben dem Tapping auf Meridian-Punkte andere Entkoppelungstechniken wie induzierte Augenbewegungen (ähnlich dem EMDR), induziertes Blinzeln, atemtherapeutische und andere körpertherapeutische Interventionen und das sog. "Bubbling" für das Lösen von Stress- und Traumablockaden einzusetzen und wirksam zu nutzen. Der beziehungsanalytische Ansatz, den wir - psychologisch und geisteswissenschaftlich betrachtet - mit Blick auf Bindungstheoretiker wie Winnicott und den religionsphilosophischen Ansatz Martin Bubers im Rahmen einer beziehungsorientierten Transaktionsanalyse schon lange vorher entwickelt hatten, erhielt in den letzten Monaten durch neuere Untersuchungsergebisse aus dem Bereich der modernen Hirnforschung seine naturwissenschaftliche Bestätigung: Mit seinen Thesen über die Plastizität des menschlichen Gehirns (also seine Lernfähigkeit) hat der Göttinger Hirnforscher, Prof. Dr. Gerald Hüther, deutlich gemacht, dass es geeigneter sozialer Voraussetzungen bedarf, um unser Gehirn überhaupt erst in die Lage zu versetzen, seine Lernfähigkeit zu entfalten und neuronale Neu-Verschaltungen vorzunehmen. In seinem Buch "Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn" stellt Hüther fest, dass "Achtsamkeit" und "Behutsamkeit" Haltungen sind, die unser Hirn im Sinne geeigneter "Unterhaltungs- und Wartungsmaßnahmen" benötigt, um seine Lernfähigkeit zu erhalten und lernen zu können. Er schreibt weiter: "Aus sich selbst heraus kann ein Mensch diese Haltungen ebenso wenig entwickeln wie die Fähigkeit, sich in einer bestimmten Sprache auszudrücken, ein Buch zu lesen oder eines zu schreiben. Er braucht andere Menschen, die lesen und schreiben können und diese Haltungen zum Ausdruck bringen. Und, was noch wichtiger ist, er muss mit diesen Menschen in einer engen emotionalen Beziehung stehen." Mit diesen Thesen hat Hüther gewissermaßen eine neurobiologische Brücke zur Beziehungsorientiertheit des ROMPC® gebaut. Deshalb stimmt unseres Erachtens nach der Slogan: "Wir sind durch Beziehung krank geworden - also werden wir auch nur durch Beziehung gesund."

Konsequenzen

Das bedeutet für uns: Wenn wir als ROMPCler nachhaltige Neuverschaltungen bei unseren Klienten anregen wollen, sind wir dazu herausgefordert, uns emotional und beziehungsvoll mit unseren Klienten zu involvieren, uns von ihrem Schicksal betreffen zu lassen und eine „antithetische“ Gegenüberschaft aufzubauen, die dazu beiträgt, dass unser Klient sich an uns selbst finden kann. Analoges gilt für die außertherapeutischen Bereiche.

Derzeit drängen viele sog. „Klopfakupunktur-Techniken“ auf den Markt. Klopfakupunktur, Tapping und andere Entkoppelungstechniken sind und bleiben auch für uns weiterhin unverzichtbar; aber wir sollten dabei im Hinterkopf behalten: All diese Techniken sind Techniken und ersetzen nicht heilsame Beziehunsgerfahrungen. Sie tragen nur dazu bei, Abstand von belastendem Material herbei zu führen. Aber erst die lebendige „Ich-Du-Beziehung“, der respektvolle Umgang mit den „Beziehungsbedürfnissen“ unserer Klienten und die emotionale Verbundenheit schaffen - neurobiologisch betrachtet - die erforderlichen Voraussetzungen dafür, dass es zu neuronalen Neuverschaltungen kommt und ein nachhaltiger Behandlungserfolg sicher gestellt werden kann. Deshalb ist ROMPC® beziehungsorientiert und integrativ zugleich und eben weitaus mehr als "Klopfakupunktur". Daher sollten wir ROMPC® weder auf "Tapping" und "Klopfakupunktur" reduzieren, noch durch andere reduzieren lassen.

Zum Thema "Methodenintegration rund ROMPC®" finden Sie einen weiteren Artikel hier