Selbstwirksamkeit und Performance

Die innere Haltung entscheidet

Landkarten zum inneren Team

Heinz-Günter Andersch-Sattler

16.06.2014

Heinz-Günter Andersch-Sattler

Orientierung in der Arbeit mit Life-States

Grundsätzlich zählen wir zu unserem inneren Team alle Anteile unserer Persönlichkeit, die wir im Laufe unseres Lebens ausgeprägt haben. Hierbei unterscheiden wir zwischen dem strukturellen inneren Team und dem funktionalen inneren Team. Es gibt eine Reihe von Modellen der Einteilung und Beschreibung des inneren Teams, die in verschiedenen therapeutischen Ansätzen herausgearbeitet wurden. Allen therapeutischen Ansätzen ist gemein, dass sie ein gut arbeitendes, funktionstüchtiges inneres Team zum Ziel haben. Und sie zielen auf das im Kontext von ROMPC® sog. funktionelle innere Team ab.

Der Kommunikationstheoretiker Friedemann Schulz von Thun (1998) hat das in Deutschland herausgearbeitet. Er operiert einerseits mit festgelegten Rollen, mit denen wir in der Öffentlichkeit auftreten: Da ist die Rolle des Vaters beispielsweise anders verfasst als die des Mitarbeiters in der Firma oder Mitglied eines Sportvereins. Wesentlich für Schulz von Thun ist es, dass wir erkennen, wer da gerade in uns aktiv ist und ob dieser Anteil für die aktuelle Situation auch passend und zielführend ist. Andererseits lässt er auch individuelle Rollenbenennungen zu, wie sie seine Vorläuferin Virginia Satir(1988) in ihren Parts Partys praktiziert hat. Sie ließ hier beispielsweise Personen des öffentlichen und historischen Lebens als symbolische Vertreter der Persönlichkeitsanteile agieren . Die von den Watkins (1997) begründete Ego-State-Therapy bemüht sich um individuell benennbare innere Anteile. Diese sind bei jedem Menschen anders und werden auch häufig mit Eigennamen und nicht mit Eigenschaftsnamen benannt. Der cholerische Anteil kann z.B. „Karl“ und der ängstliche „Maria“ genannt werden. Eric Berne wiederum (2005) hat in der Transaktionsanalyse eine Art innerer Landkarte entwickelt, die er mit Ich-Zuständen beschreibt, die jeweils unterschiedliche Ausprägungen haben können (s. Anm. 4). Allen Ansätzen ist gemein, dass sie automatisiert ablaufende innere Modelle, Rollen und Zustände wieder in die Verfügung des Ichs bringen wollen, wie Freud es formuliert hat, oder wie Schulz von Thun diese innere Steuerungsinstanz nennt: der innere Chef.

Thomas Weil hat dieses Konzept von Schulz von Thun in die Arbeit mit dem inneren Team integriert und es die Stärkung des inneren Chefs genannt. Darüber hinaus hat er neben das funktionelle sein Modell des strukturellen inneren Teams gestellt. Das hat wenig mit den oben genannten Ansätzen gemein, auch wenn bei ihm als Ausgangspunkt das Ich-Zustands-Modell von Eric Berne mit der Unterscheidung von Erwachsenen-Ich , Kind-Ich und Eltern-Ich zu finden ist. Dieser Ausgangspunkt wird von Thomas Weil als Biologischer Life-State (BLS) definiert. Er besteht aus verschiedenen Ich-Zuständen (innerer Chef, Introjekte und regressive Anteile), die unter dem Begriff der Unterpersönlichkeiten zusammengefasst werden. Daneben gibt es 3 Nebenpersönlichkeiten: den dissoziativen Life-State (DLS), den Past-Life-State (PLS) und den intrusiven Life-State (ILS). Darauf kommen wir im Einzelnen noch zurück.

Die Landkarte für die innere Struktur besteht nach dem Modell des strukturellen inneren Teams aus verschiedenen Life-States. Diese sind zu unterscheiden von den Ego-States, die ja nur verschiedene Ausformungen des Ichs darstellen. Die Life-States gehen über die Grenzen des Ichs hinaus, auch wenn sie im Ich stattfinden. Wenn wir uns nur mit dem BLS beschäftigen würden, wäre diese Unterscheidung nicht nötig und nicht sinnvoll, weil dieses Konzept mit den eingangs genannten Konzepten eng verbunden ist. Der DLS ist auf das Konzept der Dissoziationen und Abspaltungen von Persönlichkeitsanteilen zurück zu beziehen und hiermit Konzepten wie der Ego-State-Therapy oder der Arbeit Virginia Satirs eng verwandt. Eigene Anteile werden als fremd erlebt und als Fremdes behandelt, obwohl sie ursprünglich dem Biologischen Life-State zugehörten. Um aber das Funktionieren unter traumatischen Bedingungen zu gewährleisten, wurden diese Anteile aus der Persönlichkeit ausgegrenzt und sind somit nicht mehr Teil des BLS.

Das Modell der Life-States macht vor allem Sinn, wenn wir den PLS und den ILS mit einbeziehen. Beide weisen weit über den BLS hinaus. Der PLS verweist auf eine überpersönliche historische Dimension wie wir sie in der psychologischen Literatur am deutlichsten bei C.G. Jung (2001)und seinen Archetypen formuliert finden und der ILS verweist auf ganz fremde übernommene Energien, die nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun haben, außer über die offene Tür, die wir diesen Energien ggf. bieten. Dass es energetische Phänomene außerhalb unseres eigenes Körpers gibt, für die wir empfänglich sind, ist verschiedentlich dokumentiert , auch wenn es hierfür keine anerkannten psychologischen Konzepte gibt. Gerade also diese überpersönlichen Aspekte des strukturellen Modells nach Thomas Weil machen die Veränderung des Ego-State-Modells notwendig.

Es gibt dennoch eine scheinbare Ungereimtheit: Beim Testen nutzen wir die hier dargestellte Differenzierung der Life-States nicht entsprechend, sondern wir greifen auf den Begriff des fremd Übernommenen zurück. Dieser Begriff existierte im ROMPC® zeitlich vor dem Life-State-Modell. Unter der Überschrift des fremd Übernommenen unterscheiden wir dann nur noch zwischen Introjekten, die objektiv ich-dyston sind, aber als ich-synton erlebt werden, dem DLS, bei dem es sich umgekehrt verhält, dem PLS und dem ILS. Der Oberbegriff des fremd Übernommenen umfasst also die objektiv und subjektiv ich-dystonen Life-States. Das wenden wir so bisher in der Praxis an, während das Modell der Life-States generell mehr eine Art theoretischen Überbau darstellt, der das Modell begründen und abgrenzen helfen soll. Das Introjekt, wie wir es im ROMPC®benutzen und behandeln, bezieht sich immer auf traumatisches Material von engen Bezugspersonen, das wir übernommen, introjiziert haben. Es bleibt weiter in dem unbearbeiteten Zustand wie bei der Bezugsperson selbst. Insofern bleibt es fremd. Wenn wir aber innere Anteile naher Bezugspersonen nachgeahmt und dann an unser inneres System, an unser Ich angepasst haben, wird es wirklich Teil von uns und bleibt nicht äußerlich und fremd. Insofern macht es auch Sinn, die Introjekte zu den fremd übernommenen Belastungen zu zählen. Außerdem können auf diesem Wege Täterintrojekte besser eingeordnet und verstanden werden.

In der Bearbeitung der Elemente des inneren Teams gehen wir dann so vor, dass wir den belasteten Life-State isolieren und dessen unerhörte Geschichte zu verstehen suchen. Hierfür nutzen wir sowohl das Interview als auch den kinesiologischen Muskeltest. Die identifizierten Belastungen behandeln wir dann bei diesem Life-State mit Hilfe von Entkoppelungstechniken wie bei einem biologischen Klienten. Hierzu arbeiten wir mit einer Trance-Induktion, die unseren Klienten dazu bringt, in die Rolle des jeweiligen Life-States zu schlüpfen und damit künstlich das zu tun, was ohnehin immer wieder von allein passiert, nämlich dass dieser innere Anteil wie eine selbständige Persönlichkeit agiert und so tut, als gäbe es die anderen inneren Anteile nicht. In einem strengen psychiatrischen Sinne könnte dies Anzeichen von „Verrücktheit“ sein. Wenn wir das Teile-Modell als Erkenntnis-Modell für unsere Psyche zugrunde legen, dann ist dieser Vorgang der Dissoziation gewissermaßen ganz alltäglich und geschieht immer wieder spontan, vor allem in dissoziativen Zuständen. Bei einem behandlungsbedürftigen Life-State sind in der Regel Verletzungen geschehen und Beziehungsbedürfnisse nicht oder nicht angemessen beantwortet worden. Wir versuchen dann, das verletzte Beziehungsbedürfnis antithetisch, d.h. gegenteilig ergänzend zu beantworten. Wir nennen das die antithetische Beziehungsgestaltung. Am Ende dieser Behandlungen suchen wir, den inneren Chef zu stärken, so dass dieser wieder seine Steuerungsaufgaben wahrnehmen kann. Bei dieser Arbeit sind die Landkarten des inneren Teams in hohem Maße hilfreich zur Orientierung des Behandlers.

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